"50 Jahre extra 3 – Die Show": Alle Infos zur ARD-Politsatire
Am 21. September 1976 lief erstmals ein Magazin namens "extra 3" im NDR-Regionalprogramm. Die Macher von damals, Rudolf Lauschke und Gerhard Quack, wollten schlicht die Absurditäten des politischen Alltags aufspießen. Ihre Auftraggeber, NDR-Chefredakteur Peter Merseburger und sein Stellvertreter Dieter Kronzucker, glaubten allerdings selbst nicht so recht an den Erfolg ihrer Idee. Kronzucker, der später auch als Mitgründer des "heute journals" im ZDF berühmt wurde, war einer der großen Nachkriegs-Journalisten und TV-Gesichter in Deutschland. Über die Idee eines TV-Satiremagazins soll er allerdings damals zur Gründung gesagt haben: "Diese Sendung wird das Jahr 1976 nicht überleben."
Doch auch ein promovierter Philosoph und TV-Guru kann mal irren. "extra 3" feiert am Donnerstag, 17. September, im Ersten den 50. Geburtstag – mit einer besonders prominent besetzten "Showausgabe" (22.50 Uhr), der eine Doku zur Geschichte des NDR-Evergreens folgt: "50 Jahre extra 3 – Die Doku" läuft um 0.05 Uhr. Beide Sendungen finden sich auch ab dem 17. September in der Mediathek. Auch im NDR-Fernsehen sind beide Formate noch einmal zu sehen: "Die Show" am Sonntag, 20. September, um 23.40 Uhr, und "Die Doku" erst am Sonntag, 22. November, 22.55 Uhr.
Freuen darf man sich im "Showteil" auf bissige Politsatire, Live-Musik, Studio-Sketche und satirische Beiträge jener trockenen Art, für die "extra 3" seit Jahrzehnten bekannt ist. Zu Gast sind unter anderem: Oliver Welke, Katrin Bauerfeind, Collien Fernandes, Maxi Schafroth, Michael Mittermeier, Florentine Osche, Kawus Kalantar, Maike Kühl, Max Giermann, Sarah Bosetti, Riccardo Simonetti und Oliver Kalkofe.
"50 Jahre extra 3 – Die Doku": ARD blickt auf Geschichte und Satire zurück
In ihrer Doku im Anschluss erzählen Freddy Radeke und Jakob Leube aus dem "extra 3"-Ensemble die Geschichte des Formats. Dabei treffen sie Moderator Christian Ehring, aber auch frühere Gastgeber wie die "extra 3"-Legenden Hans Jürgen Börner und Tobi Schlegl und fördern Archiv-Perlen zutage. Dabei sind Maren Kroymann und Florentine Osche, die historische Ausschnitte einordnen und sowohl die Geschichte der Sendung als auch die Entwicklung von Humor und Satire in Deutschland erzählen. Vorstellen kann man sich das Ganze wie eine klassische Presenter-Reportage, deren Form und Stil Radeke und Leube aufs Korn nehmen – und für die sie sich bei erfahrenen "Presentern" wie Ingo Zamperoni und Jessy Wellmer Tipps holen.
"extra 3": NDR-Satiremagazin zwischen Politik, Bürokratie und TV-Geschichte
"extra 3" entstand in einer Zeit, in der politische Satire im deutschen TV noch Neuland war. Über die Jahrzehnte wurde die Sendung zum Referenzpunkt, aus dem sich später ein ganzes Genre entwickelte: die ZDF-"heute-show" (seit 2009), Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" oder die ZDF-"Anstalt" zum Beispiel. Kennzeichnend ist die Mischung aus kurzen satirischen Nachrichtenbeiträgen, Studio-Moderation und wiederkehrenden Rubriken – allen voran "Der reale Irrsinn", der reale Fälle von Bürokratie- und Steuerverschwendung dokumentiert.
"Erdowie, Erdowo, Erdogan": Wie "extra 3" einen Skandal auslöste
Die wohl folgenreichste Episode war der Song "Erdowie, Erdowo, Erdogan" vom März 2016, eine Persiflage auf Recep Tayyip Erdoğan zur Melodie von Nenas "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann". Die Türkei bestellte deswegen zweimal den deutschen Botschafter ein und forderte die Löschung – ein Vorgang, der international als Angriff auf die Pressefreiheit gewertet wurde und wenige Wochen später die Böhmermann-Affäre um dessen "Schmähgedicht" mit auslöste. Kaum ein anderes deutsches Satireformat hat eine vergleichbare außenpolitische Wirkung entfaltet.
50 Jahre extra 3 – Die Show – Do. 17.09. – ARD: 22.50 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH