Simon Böer übernimmt bei "SOKO Leipzig": Ein neuer Kommissar betritt die Bühne
Simon Böer ist ein gern gesehenes Gesicht im deutschen Fernsehen. Von 2013 bis 2016 spielte er einen verwitweten Pfarrer in "Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen" im ZDF. Und als "Der Lehrer" David Ritter war er 2021 in der gleichnamigen RTL-Serie zu sehen. Nun schlüpft der 51-Jährige in eine Rolle, deren Beruf er sich auch im echten Leben hätte vorstellen können: In "SOKO Leipzig" ermittelt Simon Böer fortan als Kriminaloberkommissar Dirk Trebbe. Die erste Folge ist am Freitag, 2. Oktober, um 21.15 Uhr, im ZDF, sowie bereits ab Freitag, 25. September, online auf zdf.de, zu sehen. Für den Neuankömmling, der den durch einen tragischen Serientod freigewordenen Posten von Jan Maybach (Marco Girnth) übernehmen soll, geht es bereits am ersten Arbeitstag heftig zur Sache: Eine Polizistin gesteht einen Mord, während ein Mann, eingesperrt in einer Kiste, um sein Leben fürchtet. Wie er als Schauspieler mit derlei heftigen Geschichten umgeht, verrät Böer im Interview. Auch spricht der Vater eines Sohnes über die vergangenen Jahre, die er als "sehr intensiv und sehr lehrreich" empfand.
prisma: In "SOKO Leipzig" spielen Sie einen Kriminalkommissar. Wäre dieser Beruf auch im echten Leben etwas für Sie gewesen?
Simon Böer: Tatsächlich gab es nach meiner Schauspielausbildung und meinem ersten Engagement am Deutschen Theater einmal eine Phase, in der ich ernsthaft über die Kripo nachgedacht habe. Dann kam der erste Film dazwischen. (lacht) Das Interesse an der Ermittlungsarbeit und an den Menschen, die diesen Beruf ausüben, ist aber geblieben. Und manchmal weiß ich nicht, wie ich mich jetzt entscheiden würde, wenn ich noch mal dürfte. Insofern passt es ganz gut, dass ich jetzt wieder einen Polizisten spielen darf.
prisma: Was zeichnet für Sie einen guten Polizisten aus?
Böer: Nach meinem Eindruck aus vielen Gesprächen mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Kripo, braucht es einen sehr analytischen Blick, emotionale Intelligenz und Menschenkenntnis. Mich interessiert in der Fallbetrachtung vor allem die Frage: Wer ist der Mensch hinter dem Täter, was treibt ihn an, was sind seine Beweggründe? Genau diese Verbindung aus analytischer Beobachtung und Einfühlungsvermögen finde ich auch bei Trebbe spannend.
"Bei der Gelassenheit hat Trebbe mir vielleicht gelegentlich etwas voraus"
prisma: Dirk Trebbe ist anfangs schwer zu greifen. Wie würden Sie die Figur beschreiben?
Böer: Er ist sicherlich geheimnisvoll. Kein lauter Charakter, der seine Geschichte vor sich herträgt. Auch wir beide sind noch in der Kennenlernphase, und ich hoffe, die ist für den Zuschauer genau so spannend wie für mich. Trebbe wird gleich zu Beginn ins kalte Wasser geworfen. An seinem ersten Diensttag gerät er praktisch schon vor Dienstantritt auf dem Gang in seinen ersten Fall und muss sofort beweisen, dass er ein guter Ermittler ist. Dass Trebbe erst seinen Platz in einem eingespielten Team finden muss, fand ich als Schauspieler sehr interessant, weil beides zusammenkommt: große Professionalität und die Unsicherheit eines Neuanfangs. Trebbe begegnet dem mit Ruhe, Gelassenheit und der Fähigkeit, sehr genau zuzuhören.
prisma: Ist das eine Eigenschaft, die auch Sie auszeichnet, oder sind Sie ganz anders als Trebbe?
Böer: Ich fand die Parallele sehr spannend, dass auch ich meinen Platz in einem sehr guten, in sich harmonierendem Ensemble finden darf. Aber im Gegensatz zu Trebbe, wurde es mir sehr leicht gemacht, ich bin mit offenen Armen und sehr herzlich empfangen worden. Und sicherlich würde ich mich auch als guten Zuhörer beschreiben und mir eine gesunde Menschenkenntnis zusprechen. Bei der Gelassenheit hat Trebbe mir vielleicht gelegentlich etwas voraus. (lacht) Es gibt Schnittmengen, aber natürlich auch Unterschiede. Das ist für mich ohnehin das Spannende am Spielen: Eine Rolle wird immer aus der Schnittmenge der fiktiven Figurenhistorie und des individuellen Erfahrungsschatzes des Schauspielers lebendig. Gerade wenn man eine Figur über einen längeren Zeitraum entwickeln darf, entsteht daraus nach und nach etwas sehr vielschichtig Lebendiges.
Über "weibliche Fans, die vor allem unsere Kommissarinnen als Rolemodel feiern"
prisma: "SOKO Leipzig" ist eine der langlebigsten und erfolgreichsten "SOKO"-Reihen im deutschen Fernsehen. War dieser Erfolg für Sie wichtig, als Sie die Rolle angenommen haben?
Böer: Natürlich ist es schön, in ein Format zu kommen, das beim Publikum seit so vielen Jahren eine solch umwerfende Resonanz hat. Für mich sind aber grundsätzlich vor allem starke Geschichten und die Menschen in den unterschiedlichen Gewerken entscheidend. Ein gutes dramaturgisches Miteinander, ein starkes Ensemble und ein herzlicher Teamspirit sind für mich die Grundlage. Und genau das habe ich hier vorgefunden.
prisma: Wie erklären Sie sich den Erfolg des Formats?
Böer: "SOKO Leipzig" hat durch den Primetime-Sendeplatz sicherlich die Möglichkeit, auch kontroversere und gesellschaftlich relevante Themen zu erzählen. Ich glaube aber, der eigentliche Schlüssel liegt in den Figuren. Die werden von den Zuschauenden geliebt. Die "SOKO Leipzig"-Fanbase ist riesig und Feuer und Flamme. Ich durfte das jetzt zum ersten Mal bei den Leipziger Filmnächten miterleben und war sehr beeindruckt. Auch davon wie jung die Fans teilweise sind. Viele junge weibliche Fans, die vor allem unsere Kommissarinnen regelrecht als Rolemodel feiern. Aber auch die Figurenzeichnung der Episodenrollen ist besonders bei der "SOKO Leipzig". Ein Krimi funktioniert für mich dann besonders gut, wenn es nicht nur darum geht, wer etwas getan hat, sondern warum Menschen handeln, wie sie handeln.
prisma: Ist das eine zwinge Komponente, die eine gute Krimiserie heutzutage mitbringen muss?
Böer: Es gibt sicher viele Arten, einen guten Krimi zu erzählen. Mich persönlich interessieren nachvollziehbare, abgründige Charaktere und die Psychologie dahinter. Gleichzeitig bin ich ein sehr physischer Schauspieler und freue mich durchaus auch über eine rasante Verfolgungsjagd. (lacht) Am schönsten ist es, wenn alles zusammenkommt: eine spannungsreiche und dramasturgisch kluge Geschichte, Action und Figuren die wirkliches Interesse wecken.
prisma: Vor etwa 20 Jahren spielten Sie in "SOKO Leipzig" schon mal einen Staatsanwalt. Wie war es, nun zu dem Format zurückzukehren? Können Sie an die alten Erfahrungen anknüpfen?
Böer: Melanie und Marco kenne ich schon sehr lange. Ich erinnere mich gerne an gemeinsame Ermittlungen zurück. Aber Staatsanwalt Kruse war eine komplett andere Rolle, das alles liegt schon so lange zurück, dass es sich fast wie ein anderes Leben anfühlt. Gleichzeitig war es jetzt super schön auf einige bekannte Gesichter von damals zu treffen. Teammitglieder die schon vor 20 Jahren mit am Start waren. Das spricht für diese wundervolle Truppe. Deshalb hatte die Rückkehr auch etwas Vertrautes – fast ein bisschen wie Nachhausekommen.
"Ich nehme den Stoff ernst, kann ihn nach Drehschluss aber auch wieder loslassen"
prisma: Die erste Folge "SOKO Leipzig" mit Dirk Trebbe beginnt mit einem Schreckensszenario: Gleich in der allerersten Szene wird ein Mann lebend in eine Kiste eingesperrt. Wie garantieren Sie, dass Sie derlei Geschichten nicht zu nah an sich heranlassen?
Böer: Bei der Vorbereitung und Recherche begegnet man mitunter realen Hintergründen, die einen nachdenklich machen. Es gibt nichts, wozu Menschen nicht fähig sind. Beim Drehen selbst hilft mir die Perspektive der Figur: Trebbe ist derjenige, der versucht, einen Fall zu verstehen und aufzuklären. Dadurch bleibt für mich eine professionelle Distanz. Ich nehme den Stoff ernst, kann ihn nach Drehschluss aber auch wieder loslassen.
prisma: Was würden Sie als Kommissar Trebbe gerne noch erleben?
Böer: Im Moment genieße ich vor allem, dass ich die Figur von Drehtag zu Drehtag besser kennenlerne. Es tauchen immer wieder Seiten auf, mit denen ich selbst nicht gerechnet habe. Genau das macht eine länger angelegte Rolle so spannend. Für die Zukunft wünsche ich mir gute Drehbücher, überraschende Fälle und interessante Begegnungen. "SOKO Leipzig" bietet durch die vielen Episodenrollen die Möglichkeit, mit sehr unterschiedlichen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten. Das empfinde ich auch als großen Reiz dieser Arbeit.
prisma: Schauen Sie sich nach Ihrer mehr als 20 Jahre dauernden Karriere noch etwas von Ihren Kolleginnen und Kollegen ab?
Böer: Inspiration hört ja nicht irgendwann auf. Ich bekomme sie durch Filme, Serien und Theater – und vor allem durch das Gegenüber am Set. Die wirklich interessanten Momente entstehen im gemeinsamen Flow. Eine Szene entwickelt sich dann vielleicht plötzlich anders, als man sie sich vorgestellt hat und man reitet die Welle gemeinsam. Diese Offenheit und Flexibilität möchte ich mir unbedingt bewahren.
"Ich fühle mich sehr geerdet, und freue mich gleichzeitig auf frischen Wind"
prisma: Was wollen Sie als Schauspieler noch erreichen? Vor einigen Jahren sagten Sie in einem Interview, dass Sie gerne wieder mehr Theater machen wollen ...
Böer: Ich liebe das Theater nach wie vor. Es ist ein ganz anderer Ritt als die Arbeit vor der Kamera – unmittelbarer und in größerem Bogen. Im Moment nimmt "SOKO Leipzig" natürlich viel Raum ein. Zuletzt habe ich 2024 Theater gespielt, eine Tragikomödie. Das hat großen Spaß gemacht. Gleichzeitig liebe ich die Arbeit vor der Kamera und diese Suche nach einem Moment, der sich vollkommen stimmig. anfühlt. Theater und Film sind für mich fast zwei verschiedene Berufe. Ich möchte mir die Möglichkeit offenhalten, immer wieder zwischen diesen Welten zu wandern.
prisma: Vor Ihrem 40. Geburtstag sagten Sie im Interview, dass Sie sich auf das neue Lebensjahrzehnt freuen: "Schließlich bin ich jetzt quasi im Kreise der Männer im besten Alter." Welche Bilanz ziehen Sie nun, rund zehn Jahre später?
Böer: Na, im besten Alter bin ich natürlich noch immer! (lacht) Die Jahre zwischen 40 und 50 waren sehr intensiv und sehr lehrreich. Interessanterweise empfinde ich den Unterschied zu 40 gar nicht als so groß. Aber der Blick auf manche Dinge verändert sich. Man wird klarer darin, was einem wichtig ist – und vielleicht auch entspannter bei dem, was nicht so wichtig ist.
prisma: Warum?
Böer: Ich glaube, man gewinnt mit den Jahren eine andere Perspektive. Gelassenheit spielt dabei eine Rolle, aber auch das Loslassen. Die Kinder werden selbstständig und gehen ihre eigenen Wege, und gleichzeitig entstehen dadurch auch wieder neue Räume. Ich empfinde diese Phase deshalb weniger als Bilanz, sondern eher als Aufbruch. Ich fühle mich sehr geerdet, und freue mich gleichzeitig auf frischen Wind und all das, was noch kommt.
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH