Stiller Noir

"Wendland – Stiller und das große Schweigen": Kritik zum Krimi mit Ulrich Noethen im ZDF

28.10.2026, 06.15 Uhr
Kommissar Stiller, gespielt von Ulrich Noethen, taucht in seinem zweiten Fall tief in die deutsch-deutsche Vergangenheit des Wendlands ein. Ein mysteriöser Unbekannter und ein Mord führen ihn und sein Team zu einer Familie mit dunklen Geheimnissen.

Ein Toter, ein schweigender Unbekannter und eine undurchsichtige Familie mit dunklen Geheimnissen: Sein zweiter Fall führte Kommissar Stiller (Ulrich Noethen) in die deutsch-deutsche Vergangenheit des Wendlands. Das Zweite zeigt den Krimi von 2024 nun als Wiederholung.

ZDF
Wendland – Stiller und das große Schweigen
Kriminalfilm • 28.10.2026 • 20:15 Uhr

Ein unkonventioneller Kommissar, der am liebsten Rad fährt und nebenher tiefgreifende Prosa verfasst: Dass das funktioniert, beweist seit vier Jahren die erfolgreiche ZDF-Krimireihe "Wendland", in der sich Ulrich Noethen als strafversetzter Städter durch den titelgebenden schönen Landstrich ermittelt. Schon im zweiten Fall war der aus Hamburg strafversetzte Stiller (Noethen) als Revierleiter im fiktiven Dahlow mit seinen Kollegen Kira Engelmann (Bettina Burchard) und Oliver Klasen (Malte Thomsen) zum eingespielten Team geworden – zumindest fast. Im nun wiederholten Krimi "Wendland – Stiller und das große Schweigen" versuchen sie, die Identität eines Unbekannten sowie den Mord an einem Einheimischen zu klären. Dabei geraten sie tief in die Vergangenheit des Wendlands vor der Wende.

Es ist früh am Morgen, als ein verwahrlost wirkender Mann (Christoph Bach) in Stillers Garten auftaucht, alkoholisiert, verwirrt, sichtlich verletzt – und stumm. Auch im Krankenhaus ist nichts aus dem mysteriösen Unbekannten herauszubekommen. Sein Ausweis identifiziert ihn zwar als "Remy Luger", doch das Dokument erweist sich als Fälschung, der Name lediglich als Zusammensetzung zweier bekannter Schusswaffenbezeichnungen.

Wenig später wird die Leiche des jungen Einheimischen Niklas Kiehn aus der Elbe gefischt, Todesursache: eine Kugel direkt in die Brust. Wie sich herausstellt, kannten sich das Mordopfer und der noch immer schweigende "Remy Luger". Kiehn hatte ihn vor einiger Zeit bei sich aufgenommen. Doch ist Luger auch sein Mörder, wie die Polizisten zunächst vermuten? Eine Spur führt Stiller und sein Team zur alteingesessenen Familie Sorrow.

"Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen"

Wieder holen die Geister der Vergangenheit im Fall "Wendland – Stiller und das große Schweigen" einige Bewohner Dahlows ein. War es im im Pilotfilm noch die Zeit der Anti-Atomkraft-Bewegung gegen das geplante Atommülllager im nahegelegenen Gorleben in den Achtzigern, führen die Ermittlungen im zweiten Fall ins Wendland vor der Wende. "Niedersachsens wilder Osten", wie die Tourismusbranche die Region bisweilen romantisiert, war bis zum Fall der Mauer sogenanntes Zonenrandgebiet, erstreckte sich zum Teil sogar über DDR-Terrain.

Hier gerierte sich der einflussreiche Großgrundbesitzer Gustav Sorrow als großer Gönner seines Heimatorts Dahlow und seiner Bewohner. Weitaus weniger ehrenhaft dagegen scheinen seine heimlichen Geschäfte mit einigen DDR-Bonzen gewesen zu sein, wie Kommissar Stiller herausfindet. Seinen Nachfragen bei Sorrows Sohn Jasper und dessen Ehefrau Eva, die Gustavs philanthropisches Werk fortführt, wird allerdings mit eisigem Schweigen begegnet. Führen hier etwa die Fäden des mysteriösen Falls um "Remy Luger" und den ermordeten Niklas Kiehn zusammen?

Auch in seinem zweiten Einsatz überzeugte Altstar Ulrich Noethen als besonnener, kluger Ermittler und Fahrrad fahrender Feingeist. Stiller gibt sich zwar unnahbar, lässt aber doch immer wieder seine Menschenliebe und seinen intelligenten Humor durchblitzen. Gerne zitiert der Hobbyliterat mal Wittgenstein ("Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen"), mal Tolstoi und lässt sich für seinen nächsten Roman erneut von seinen aktuellen Ermittlungen inspirieren. Besonders seine Dialoge mit Kollegin Kira Engelmann ("Mann, sind Sie egozentrisch!") und Klasen sowie die immer wieder durchscheinende Fassungslosigkeit des früheren Hamburger LKA-Manns über die oft langsam tickenden Uhren auf dem Land – da wird auch schon mal mit dem Trecker zum Tatort getuckert – sorgen für leichtere Momente in diesem oft düsteren Krimi.

Noch kein neuer Fall in Sicht

Für das Drehbuch des zweiten Films der Reihe zeichneten Ina Jung und Friedrich Ani verantwortlich. Das renommierte Autoren- und Ehepaar kommt dabei angenehmerweise mit wenig Erklärungen aus und schafft es, die Spannung bis zum Ende zu halten und so allmählich die Wahrheit über die wahre Identität "Remy Lugers" und die tiefgreifenden Lügen und Geheimnisse der Sorrows offenzulegen. Hinter der Kamera stand Regisseur Bruno Grass, der Sohn von Schriftsteller Günter Grass. Seine Schwester Helene Grass ist als Stillers Vermieterin zu sehen, für die der Kommissar ganz besondere Sympathien zu hegen scheint.

Mittlerweile gibt es fünf Fälle der Krimireihe, die mit ihrem "Noethen-Noir" bei Publikum und Kritik gut wegkommt. Nachdem der letzte Fall "Stiller und der Wolf im Schafspelz" im Oktober 2025 Premiere feierte, steht ein Jahr später indes noch immer nicht fest, wann mit einem neuen Film zu rechnen ist.

Wendland – Stiller und das große Schweigen – Mi. 28.10. – ZDF: 20.15 Uhr

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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