Veit Harlan

Drehte mit "Jud Süß" den schlimmsten
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Drehte mit "Jud Süß" den schlimmsten Nazi-Hetzfilm: Veit Harlan
Veit Harlan
Geboren: 22.09.1899 in Berlin, Deutschland
Gestorben: 13.04.1964 in Capri, Italien

Mit "Jud Süß" (1940) inszenierte Veit Harlan den wohl gehässigsten und folgenreichsten Nazi-Hetzfilm. Folgenreich deshalb, weil das handwerklich geschickt gebaute, aber niederträchtige Machwerk SS-Horden vor ihren Einsätzen gegen Juden gezeigt wurde. Leider überhaupt nicht folgenreich für den Regisseur, der nach dem Krieg nicht nur ungestraft davonkam, sondern sein äußerst fragwürdiges Gedankengut auch noch in der Adenauer-Ära verbreiten durfte.

Harlan ist der Sohn eines Schriftstellers, insofern war ihm so etwas wie künstlerisches Interesse in die Wiege gelegt. Er ließ sich bei Max Reinhardt zum Schauspieler ausbilden und arbeitete dann als Darsteller und Regisseur am Berliner "Theater am Schiffbauerdamm". Zwischen 1919 und 1935 folgten Engagements an verschiedenen Bühnen, Harlan arbeitete in dieser Zeit unter anderem zehn Jahre lang am Staatstheater in Berlin (1924-1934).

Erst 1937 kam Harlan zum Film. Doch mit seiner Bereitschaft, sich bedingungslos in den Dienst der nationalsozialistischen Machthaber zu stellen, stieg er schnell zu Goebbels eifrigstem Propagandafilmer auf. Berüchtigt ist vor allem der explizit antisemitische Hetzfilm "Jud Süß" (1940), der sich nicht mehr damit begnügt, Nazi-Gedankengut unterschwellig zu transportieren. Dagegen verkauft Harlans Agfacolor-Film "Die goldene Stadt" (1942) ideologisch fragwürdiges Material unter der Oberfläche eines glatten Melodrams.

In den Filmen "Immensee" und "Opfergang" (1944) etablierte er seine Frau, die schwedische Schauspielerin Kristina Söderbaum, als "Reichswasserleiche". Als der Krieg längst verloren war und Durchhalteparolen angesagt waren, kam wiederum nur Harlan als Regisseur in Frage. Der Kriegsfilm "Kolberg" (1945) zählt zu den kostspieligsten Werken der Filmgeschichte. In Agfacolor und mit gigantischem Menschen- und Materialaufwand erzählt der Film, wie eisernes Durchhalten auch in scheinbar aussichtsloser Situation letztlich zum Erfolg führt. Als der Film in die Kinos kam, wurde er von der Realität schnell widerlegt.

Nach dem Krieg wurde Harlan zweimal, 1949 und 1950, wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt. Da man ihm nie nachweisen konnte, dass er für die endgültige Schnittfassung verantwortlich war, wurde er beide Male freigesprochen. Außerdem machte er geltend, bei Ablehnung des Regieauftrages wäre er selbst in Lebensgefahr geraten.

So konnte Veit Harlan in der Adenauer-Ära noch zahlreiche Filme realisieren, unter anderem "Unsterbliche Geliebte" (1950), "Die blaue Stunde" (1953), "Sterne über Colombo" (1953), "Die Gefangene des Maharadscha" (1953), der politisch sehr dubiose "Verrat an Deutschland" (auch bekannt als "Der Fall Dr. Sorge", 1954) und "Die blonde Frau des Maharadscha" (1962). Besonders der Anti-Homosexuellenfilm "Anders als du und ich" (1957) macht noch einmal Harlans unveränderte Geisteshaltung deutlich.

Foto: Salzgeber


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