Es beginnt mit einer albtraumhaften Szene und steigert sich dann beständig. Das erleben wir im Tatort auch nicht alle Tage. Die Herbstsaison beginnt am Sonntag mit einem, sagen wir's mal so: Knüller aus Köln.

Erster Albtraum: Die kleine Anna, vielleicht acht, schaut nachts noch mal nach ihrem Kaninchen. Da bemerkt sie, dass ein Einbrecher ins Haus dringt. Anna versteckt sich und entkommt so ihrer Ermordung. Mutter und Bruder müssen sterben.

Zweiter Albtraum: Wie in Zeitlupe und bei minimaler Klavierbegleitung werden am nächsten Morgen die Leichen entdeckt, als Anna von einer Freundin zur Schule abgeholt werden soll.

Dritter Albtraum. Der Vater, ein Steuerprüfer, kehrt später am Morgen von einer Dienstreise heim. Kein Absperrband, kein Helfer, kein Kommissar hindert den noch Ahnungslosen, in das Kuddelmuddel zu tappen, das der Doppelmord hinterlassen hat.

Durchgedreht, so der Titel, ist der zweite Tatort, den die Regisseurin Dagmar Seume mit dem Kölner Team inszeniert.

Wie beim ersten Mal ("Benutzt", 2015) geben Steuerhinterziehung, wirtschaftliche Not und dar aus resultierende Machenschaften den Hintergrund für ein Familiendrama ab. Männer am Rande des Ruins und damit des Nervenzusammenbruchs.

Aber wäre einer von ihnen auch des Mordes fähig?

Eine Folge von großer Spannung, die auch unter der nachvollziehbar zähen Ermittlung nicht leidet. Das Öffnen des Ergebnisses eines Vaterschaftstests wird zur Zitterpartie, die leidvolle Beziehung zweier Brüder berührt. Am Ende kracht's noch mal richtig. Ein letzter Albtraum.