Seelisches Versteckspiel und handfeste Dramen halten Lürsen und Stedefreund auf Trab.

"Ich habe gekämpft um meine Ehe", sagt Maria Voss (Nadeshda Brennicke). "Aber nur wenige Männer ertragen auf Dauer eine erfolgreichere Frau." Das aber, so scheint es, ist nur eines der kleineren Probleme, die die Managerin mit sich herumschleppt. Irgendwo zwischen labil und überheblich schwebt sie durch ihr Leben, auf der Jagd nach der nächsten Top-Position in der Pharma-Branche. Und irgendwie auch auf der Jagd nach dem Glück. Immer adrett im roten Mantel, immer einen etwas zu herausfordernden Schmollmund vor sich hertragend, immer diesen lasziven Schnalzlaut auf den Lippen.

Diese Frau, sie ist schwer zu ertragen, auch und vor allem weil der Zuschauer ahnt oder sogar weiß, dass es solche Menschen wirklich gibt, für die es nur Herausforderungen gibt, keine Probleme, die Grenzen weder kennen noch akzeptieren – auch bei ihrem Gegenüber nicht.

Psycho-Spielchen aus verletzten Seelen

Ihr Gegenüber in diesem Fall: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), die erst einen abgeschnittenen Daumen und kurze Zeit später die Leiche dazu finden, den ehemaligen Chef eines Pharmahandels. Seine Frau Judith Bergener (Victoria Fleer) scheint den seit Monaten verschwundenen Mann abgeschrieben zu haben, sein Freund und Ex-Mann von Maria Voss, Peter Kappeler (Nicki von Tempelhoff), und die pubertierende Tochter Lotte (Emma Drogunova) sind viel mehr mit sich selbst beschäftigt und zwischen all dem wären da auch noch Stedefreund und seine BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram), die schon irgendwie was voneinander wollen, aber unsicher scheinen, was. Und wie.

All diese Psycho-Spielchen aus verletzten Seelen und undurchsichtigen Charakteren nun kennt man vom Bremer Tatort, wobei "Zurück ins Licht" noch eine der harmloseren Varianten ist, die bislang produziert wurden, was durchaus als Lob zu verstehen ist. Und doch gibt es immer wieder Situationen, in denen das Zuviel an seelischem Versteckspiel gehörig nerven kann. Auf der anderen Seite packt einen durchaus das Zwischenmenschliche dieses Krimis, allem voran die unvorhersehbare Geschichte zwischen Stedefreund und Selb, die sich so herrlich umgarnen, ohne wirklich einmal Gefühle zu zeigen.

Was ebenfalls überzeugen kann, ist der Soundtrack, den Stefan Hansen für diese Produktion zusammengestellt hat. Zusammen mit dem Bildschnitt und den spielfreudigen Darstellern sorgt er durchaus für so etwas wie Krimivergnügen, auch wenn das Rätselraten etwas zu kurz kommt in diesem Bremer Schauspiel.

"Für dich waren wir doch immer nur Trophäen, um dein scheiß Image aufzupolieren", wirft Maria Voss ihre Tochter irgendwann vor. So wie alles im Leben dieser Frau. Die Karriere, die Erfolge, die Männer. Doch war auch Bergener nur eine Trophäe? Und: Hat sie ihn beiseite geräumt? Mit einem Stich in die Leber? Oder steckt dahinter am Ende doch nur eine banale Eifersuchtsgeschichte?

Eine ganze Menge Theater

Es wird eine ganze Menge Theater gespielt in diesem Tatort, und es dauert eine ganze Weile, bis der Zuschauer auch nur ansatzweise etwas davon versteht. Es werden eine ganze Menge Fassaden aufgebaut – doch ab einem bestimmten Zeitpunkt, da bröckeln die auch wieder. Das ist darstellerisch oft mehr als nur unterhaltsam, was den Plot angeht, jedoch zu zäh und zu verworren. Doch wenigstens darf sich der Zuschauer in diesem Tatort auf gleich zwei Lösungen freuen: auf die Lösung des Mordfalls, und auf die Lösung der Tändelei zwischen Stedefreund und Selb. Wobei man sich bei zweiterer nicht allzu sicher sein sollte, wie lange sie denn hält.