Mit Michèle und Alex meint es das Leben in letzter Zeit nicht gut. Der Feuerschlucker Alex ist völlig mittellos, ohne Job und Wohnung, die Malerin Michèle droht zu erblinden. Der Pont Neuf, wegen Renovierarbeiten geschlossen, wird für die beiden Clochards zu einer Zuflucht vor der Realität und der Welt der Normalen. Wie von selbst entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern eine Beziehung, nur manchmal wird ihre Zweisamkeit durch Hans, den selbst ernannten Herrscher des Pont-Neuf gestört. Als aber Alex in den Metroschächten Suchplakate entdeckt, die die Möglichkeit einer Heilung Michèles in Aussicht stellen, fürchtet er, sie zu verlieren, und läuft Amok.

Mit "Die Liebenden von Pont-Neuf", der dritte Spielfilm von Léos Carax, erlebte das französische Kino eines der größten Produktionsabenteuer seiner Geschichte. Unfälle, Geldmangel und der Zusammenbruch zweier Produktionsfirmen verlängerten die Dreharbeiten auf drei Jahre. Das veranschlagte Budget von 35 Millionen Francs vervierfachte sich. Juliette Binoche hatte in Carax' zweitem Kinofilm "Die Nacht ist jung" (1986) die Hauptrolle gespielt und lebte mit ihm drei Jahre zusammen (1988-1991). Für ihre Leistung als Michèle wurde sie 1992 mit dem europäischen Oscar, dem Felix, ausgezeichnet und endgültig zum Star. Léos Carax war von Jugend auf ein vom Kino Besessener. Sein Leben mystifiziert er ebenso radikal wie seine Filme. Seinen Namen hat er aus den Buchstaben der Vornamen Alex und Oscar gebildet. Alex ist auch der Held seiner drei Filme "Boy meets Girl" (1983), "Die Nacht ist jung" und "Die Liebenden von Pont-Neuf", Alex war sein Alter Ego, immer dargestellt von Denis Lavant, von dem Carax sagte: "Ich habe ein Jahr gebraucht, um den Jungen zu finden, ich habe die Dreharbeiten zweimal verschoben, weil ich ihn nicht fand. In meinem Kopf gab es jemanden, der darauf wartete, Alex zu spielen. Die Schauspieler zu finden, das ist schon Inszenierung."

Foto: WDR/1991, Gaumont International/Films Christian Fechner/Films A2/France 2 Cinema/Canal+