Es geht um den Kampf der alten Zeit gegen die neue. Um das Überleben einer Bootswerft, deren Beschäftigte den Verhältnissen nachtrauern, wie sie mal waren, nun aber nicht mehr sein können. Auf einem Incentive-Betriebsausflug in eine brandenburgische Westernstadt möchte Geschäftsführerin Stolze (Catherine Flemming) ihre Truppe auf das Überleben des Betriebes einschwören. Doch die Stimmung bleibt gespenstisch. Angst und Antipathie gegen die Saniererin, die ihrem Vater ins Amt gefolgt ist, sind allenthalben zu spüren. Es wird gemuckt und gesoffen, und am nächsten Morgen fällt die Geschäftsführerin im Saloon ins ­Koma. Offiziell hatte sie, die Diabetikerin, einen Insulinschock. Aber warum hat ihr niemand geholfen?

Ein seltsamer Notruf. Viele starke Einzelszenen, kein überzeugendes Ganzes. Otto Sander als Vater Stolze, der zu gern seiner Nachfolgerin nachfolgen würde, ist brillant. Maria Simon gewinnt ihrer schlichten Kommissarinnen-Rolle ein Mimik- und Gebärdenarsenal ab, das man nur bewundern kann. Sven Lehmann liefert als Angestellter eine beachtliche Mischung aus Schweigen, Schiss und Grausamkeit. Aber die Handlung, die stark beginnt, neigt sich einem schlappen Ende zu. Als ob alle Beteiligten überzuckert wären ... Wie Diabetes wirklich abläuft, darüber sollte sich Bernd Böhlich (Buch und Regie) noch einmal schlau machen. Hier hat er Murks gemacht. dh

Foto: rbb/Conny Klein