Im Interview

Hanna Plaß: "So sind Menschen nicht gebaut"

20.04.2026, 14.06 Uhr
Hanna Plaß spielt in der neuen Krimireihe „Im Grunde Mord“ eine Ermittlerin, die im Team mit ihrem Bruder auf Verbrecherjagd geht. Allerdings ist das Verhältnis zwischen den Geschwistern kein einfaches. prisma wollte mehr wissen.
Hanna Plaß mit ernstem Blick.
Hanna Plaß hat mit uns über ihre Rolle in "Im Grunde Mord" gesprochen. Fotoquelle: ZDF und © Frank Dicks

prisma: Frau Plaß, was hat Sie an „Im Grunde Mord“ gereizt?

Hannah Plaß: Zwei Sachen, die Familienkonstellation und dass Paula Schäfer eine Figur ist, die sich nicht entschuldigen kann und will. Das war wahnsinnig erfrischend.

Sie haben selbst drei Geschwister. Wie hat Ihnen das dabei geholfen, sich in das Verhältnis zwischen Paula und Leon hineinzudenken?

Ich habe drei kleine Schwestern, also das Gegenteil von einem großen Bruder wie Leon. Deshalb habe ich die Figur vom großen Bruder immer idealisiert. Es war ganz heilsam, in der Recherche herauszufinden, dass es da auch nicht immer einfach ist.

Wie viel von der Geschichte der Figur wurde von Ihnen ergänzt?

Wir hatten eine sehr schöne Leseprobe in der wir Kolleg*innen gemeinsam mit Regie und Produktion an Situationen gearbeitet und gefeilt haben.

Diese schwierige Beziehung zwischen Bruder, Schwester und Vater bestimmt auch die Art und Weise wie der Job angegangen wird. Wie kann man das glaubhaft vermitteln ohne in Klischees abzurutschen?

Ich denke, unsere gute Buchvorlage hat da schon viel Vorarbeit geleistet. Entscheidend ist am Ende der Blick aller Beteiligten auf diese Beziehungen – also wie differenziert und genau wir sie erzählen. Wichtig ist, dass wir die Figuren ernst nehmen und ihre Widersprüche sichtbar machen.

Im ersten Film der Reihe werden zwar auch politische Themen gestreift, aber man bleibt doch eher auf der persönlichen Ebene. Was sind die Vor- und Nachteile dieser Herangehensweise?

Der Vorteil ist, dass wir an unserer Alltagsrealität bleiben. Wir priorisieren meist unser direktes Umfeld. Wir unterschätzen dabei, dass auch unsere privaten Entscheidungen politisch sind, und unsere Aussagen und unser Verhalten etwas auslösen. Das Politische und Persönliche sind also gar nicht so getrennt, wie wir meinen.

Wie viel Improvisationsspielraum gibt es bei Drehbüchern wie diesem generell?

Wir arbeiten bis zum Schluss an den Szenen und sogar in der Postproduktion kann ein Satz oder eine Situation nochmal verändert werden. Wir verfolgen aber ja ein gemeinsames Ziel, deshalb fühlt es sich eher nach fokussierter Kreativität als nach Improvisation an.

Sollen die Zuschauer Paula im Verlauf der Reihe immer besser verstehen, oder ist es wichtig, die Figur ein wenig geheimnisvoll zu halten?

Also, wenn ich von mir selbst ausgehe, verstehe ich Paula immer besser, und frage mich trotzdem immer wieder, was mit ihr los ist. Es wäre schon schön, wenn wir alles wissen könnten, aber ich glaube, so sind weder das Leben noch die Menschen gebaut, und Paula auch nicht. Meine Hoffnung ist, Paula als Mensch kennenzulernen, da wird man wahrscheinlich nie ganz fertig, glaube ich.

Wie viel von Ihrer Figur nehmen Sie mit nach Hause?

Mich beschäftigen vor allem im Vorfeld die Themen des Films und der Figur, wenn ich es dann gespielt und erlebt habe, ist es für mich abgeschlossen. Außer ich hatte kein gutes Gefühl, dann verfolgt es mich manchmal regelrecht. Aber während der Dreharbeiten, braucht es oft einen Moment, um das Geschehene zu verarbeiten und abzuschütteln.

Welche Rolle spielt die Region in dem Krimi. Wird man davon inspiriert?

Die Region ist sehr bewusst gewählt und hat einen großen Einfluss auf unsere Geschichten. Ich war zuvor nie in Ostwestfalen und war von den sanften Hügeln und den vielen Fachwerkhäusern sofort eingenommen.

Szenenwechsel: Was macht die Musikkarriere, und wann gibt es etwas Neues zu hören?

Ich hoffe bald! Am 4. Mai spiele ich ein paar Songs im Säälchen am Holzmarkt in Berlin. Wenn alles klappt, veröffentliche ich sie bald.

Wie wichtig ist Ihnen jenes Betätigungsfeld als Ausgleich zur Schauspielerei?

Sehr wichtig. Meine Schauspielerei ist an viele externe Entscheidungen gebunden. In der Musik darf und muss ich alles selbst entscheiden. Auch wenn mir zuletzt wenig Zeit dafür geblieben ist, stabilisiert es mich, dass sie auf mich wartet, und dass Sie danach fragen :)

Was steht als Nächstes an?

Als nächstes drehen wir zwei weitere Filme von „Im Grunde Mord“ - darauf freue ich mich sehr!

Sendehinweis:

„Im Grunde Mord – Blutsbande“
Montag, 20. April, 20.15 Uhr, ZDF
Außerdem in der Mediathek