Am 28. April zeigt die ARD die Komödie "Verliebt in Amsterdam" (20.15 Uhr). Der Freitagsfilm spielt mit Klischees, Vorurteilen und Rivalitäten im deutsch-holländischen Verhältnis. Für Schauspielerin Bracha van Doesburgh waren die Dreharbeiten eine Herausforderung.

Frau van Doesburgh, in den Niederlanden sind Sie sehr bekannt, für deutsche  Zuschauer hingegen ein neues Gesicht. Verspüren Sie Druck, sich in einem neuen Umfeld beweisen zu müssen?

Nein – das war aufregend. Es fühlte sich an wie ein Neubeginn, gefüllt mit frischer Energie. Mit neuen Kollegen zusammenzuarbeiten hat Spaß gemacht und war sehr interessant für mich.

Was war die besondere Herausforderung bei der Zusammenarbeit mit einem deutschen Produktionsteam?

Die Hälfte des Teams und der Schauspieler waren Deutsche. Das war schon etwas anderes, als in meiner Muttersprache zu drehen. Ich musste mir selbst alles übersetzen. Zum Glück verstehe ich Deutsch. Das Sprechen war eine Herausforderung für mich. Aber am Set waren alle sehr nett und hilfsbereit. Wir hatten eine tolle Zeit während der Dreharbeiten.

Mit deutsch-niederländischen Klischees zu spielen, kann witzig, aber auch abgegriffen sein. Wie hat der Film "Verliebt in Amsterdam" diesen schmalen Grat gemeistert?

Das Drehbuch hat das von vornherein gut aufgefangen. Auch unser Regisseur Florian Froschmayer hatte ein gutes Gefühl dafür, es nicht zu sehr ins Klischeehafte abdriften zu lassen. Meine Filmfigur Sophie mag zwar ein "typisch holländisches Mädchen" sein, aber es hat einfach großen Spaß gemacht, diesen Charakter zu spielen. Außerdem habe ich gelernt, ein Boot zu steuern, das war toll. Und das können nicht alle Niederländer! (lacht)

Im Film verkörpern Sie eine Frau, die frei von Konventionen auf einem Hausboot lebt und ihr berufliches Glück in einem Sandwich-Laden gefunden hat. Wäre so ein Leben etwas für Sie?

Nicht wirklich. Ich bin gerne auf einem Hausboot, aber dort leben könnte ich nicht. Ich habe lieber ein Haus mit festem Boden unter den Füßen. Bei großen Partys, wie dem Königstag oder der Gay Parade, muss man als Hausbootbesitzer in Amsterdam aufpassen. Einige Betrunkene springen dann gerne auf die Boote – nicht cool.

Ihre Filmfigur Sophie verliebt sich in einen ehrgeizigen deutschen Anwalt, der auf den ersten Blick das genaue Gegenteil von ihr selbst zu sein scheint. Was macht die Magie dieser Beziehung aus?

Gegensätze ziehen sich an. Die beiden geben sich gegenseitig das, was sie brauchen. Sie gibt ihm das Gefühl von Freiheit, was ihm hilft, im Leben weiterzukommen. Er hält ihr den Spiegel vor und hilft ihr zu begreifen, was sie vom Leben erwartet und was sie glücklich macht.

Was ist für Sie typisch deutsch – oder sind während der Dreharbeiten mit deutschen Kollegen vielleicht sogar Klischees widerlegt worden, die Sie im Kopf hatten?

Schwer zu sagen. Ich hatte vorher nicht so ein Bild des "typisch Deutschen" im Kopf. Beim Essen vielleicht – die Bratwurst zum Beispiel. Deutsche arbeiten hart und sind pünktlich, das kann ich bestätigen.

Amsterdam ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort. Was macht für Sie die besondere Faszination dieser Stadt aus?

Amsterdam ist wunderschön und romantisch, mit all seinen kleinen Kanälen. Dort herrscht ein Gefühl von Freiheit, das wir schützen müssen, während sich die Welt verändert.

In den Niederlanden ist vor kurzem gewählt worden. Wie haben Sie das Ergebnis wahrgenommen?

Ich denke, es war ein gutes Ergebnis. Es hätte schlimmer kommen können. Wir müssen abwarten, welche Koalition die Regierung bilden wird, aber ich bin guter Dinge für die Zukunft.

Interview: Svenja Dahlhaus