370 Jahre nach dem Friedensschluss von Münster und Osnabrück lädt das Kulturerbejahr 2018 zum Nachdenken über die Grundlagen des friedlichen Zusammenlebens der Völker ein.

Was macht Europa stark? Welche Wertevorstellungen verbinden die Menschen, die für die Gemeinschaft eintreten? In Zeiten separatistischer Tendenzen und mangelnder Solidarität gewinnen die Antworten auf diese Fragen zunehmend an Bedeutung. In diesem Sinne setzen Münster und Osnabrück im Europäischen Kulturerbejahr 2018 ein Friedenszeichen. Als Orte, in denen 1648 der Westfälische Frieden besiegelt wurde, kommt ihnen eine historische Bedeutung zu. Das Kulturerbejahr lädt mit Ausstellungen, Projekten und Veranstaltungen dazu ein, die Wurzeln der europäischen Idee zu ergründen.

Im Zentrum steht die Gemeinschaftsausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute“. Sie findet noch bis zum 2. September in vier Münsteraner Museen statt. Die 660 Exponate aus internationalen Sammlungen vereint die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Wohlstand, persönlichem Glück und einem friedlichen Miteinander der Menschen im Wandel der Jahrhunderte.

Exponate mit zeitloser Symbolik

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster widmet sich mit der Ausstellung "Wege zum Frieden" der Frage, wie Abbilder des Krieges den Wunsch nach einem friedlichen Miteinander beeinflussen. Die Werke namhafter Künstler wie Rubens, Lehmbruck oder Dix sind in ihrer Symbolik zeitlos und lenken den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Otto Dix etwa erfuhr als Soldat im Ersten Weltkrieg das Leid am eigenen Leib. Sein düsteres Werk "Flandern" zeigt erschöpfte Soldaten inmitten einer völlig zerstörten Landschaft. Dix verstand es als Mahnmal für spätere Generationen. Heute, 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, wissen wir, dass diesen Schreckensbildern viele weitere folgten. Neben Dix’ Werk zählen Wilhelm Lehmbrucks Skulptur "Der Gestürzte", Käthe Kollwitz' Lithographie "Nie wieder Krieg!" oder Peter Paul Rubens’ Ölskizze "Allegorie auf den Krieg" zu den bedeutendsten Exponaten der Schau.

Die Ausstellung "Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?" des Bistums Münster beschäftigt sich mit dem Einfluss des Christentums auf Friedensprozesse. Sie ist ebenfalls im LWL-Museum zu sehen. Die 100 Werke beleuchten den Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit und werfen die Frage auf, ob christliche Werte heute noch zur Wahrung des Friedens beitragen können. Vertieft wird die Ausstellung durch regelmäßige Podiumsdiskussionen und Vorträge.

Niemals ohne Hoffnung

Symbole der Hoffnung – auch sie sind in der Kunst allgegenwärtig. So zeigt das Kunstmuseum Pablo Picasso die berühmte Friedenstaube, die der spanische Künstler 1949 anlässlich des Weltfriedenskongresses malte. Insgesamt sind rund 60 Werke Picassos zu sehen. Viele beschäftigen sich mit dem universalen Wunsch nach Frieden für Europa und die Welt. Weitere Schauplätze der Kooperationsausstellung sind das Archäologische Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit der Schau "Eirene – Pax. Frieden in der Antike" sowie das Stadtmuseum Münster, das sich mit der Frage beschäftigt, welche Rolle der Abschluss des Westfälischen Friedens in den verschiedenen folgenden Epochen gespielt hat (Titel: "Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden").

Frieden digital erleben

Begleitend zum Europäischen Kulturerbejahr wurde der Blog "Frieden.Europa" ins Leben gerufen. Die Kulturbloggerin Sabine Haas schildert dort ihre Eindrücke von den Veranstaltungen, angereichert durch Interviews mit Menschen, die sich beruflich oder ehrenamtlich in Friedensbemühungen engagieren. Hinzu kommen Beiträge von Gastbloggern, die in Münster und Osnabrück auf den Spuren der historischen Einigung von 1648 wandeln. Der Blog soll über 2018 hinaus besonders jüngere Menschen ansprechen, sich in den sozialen Medien rund ums Thema Frieden zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Digital geht es auch in der Bürgerhalle des Münsteraner Rathauses zu. Als zentraler Baustein des Projekts „Frieden.Europa“ können historische und aktuelle Aspekte des Westfälischen Friedens über Monitore, Tablets und Touchscreens erlebt werden – eine spannende Zeitreise gerade für Familien und Schulklassen.
Mehr: www.friedensblog.eu

Engagement für Friedenskultur

Jugendliche aus allen europäischen Ländern zusammenzubringen ist die Idee hinter dem Projekt "Labor Europa". Durchgeführt wird es vom Büro für Friedenskultur Osnabrück. Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen jungen Menschen aus EU- und Nicht-EU-Ländern. Für sie hat der Begriff Europa verschiedene Bedeutungen. Für das Projekt werden mehr als 50 Jugendliche aus 19 Ländern gemeinsam Zeit in Osnabrück verbringen. Zur Kulturnacht am 25. August werden sie von ihren Erlebnissen und Ideen zum Brückenbau erzählen. Das Büro für Friedenskultur dient in Osnabrück als zentrale städtische Anlaufstelle, die engagierte Bürger berät, Projekte fördert und Aktivitäten zum interkulturellen Dialog unterstützt. Büro für Friedenskultur Marienstraße 5/6 49074 Osnabrück Tel. 0541/32 32 28 7
Mehr: www.osnabrueck.de/friedenskultur