Der Pianist Denis Kozhukhin wagt sich mit seinem neuen Album an Johannes Brahms.

Dem russischen Pianisten Deniz Kozhukhin sagen seine Kritiker nicht nur eine enorme Virtuosität nach, sondern vor allem ein ausgeprägtes Stilbewusstsein. Ob er sich mit Haydn, Rachmaninow oder Prokofjew beschäftigt, der Künstler treffe für jede Musik den angemessenen Ton, heißt es.

Mit seiner neuen CD "Ballades & Fantasies" stellt der 1986 in Nischni Nowgorod geborene Kozhukhin das gleich doppelt unter Beweis. Nicht nur, dass er sich mit Johannes Brahms an ein Schwergewicht der Musikgeschichte heranwagt, er greift mit den vier Balladen von 1854 und den sieben Fantasien von 1892 auch noch zwei Programme auf, die aus verschiedenen Schaffensphasen des Komponisten stammen. Und beiden Kompositionen wird er gerecht.

Gelingt es dem jungen Pianisten in den Balladen noch, die Poetik und das Erzählerische zu betonen, das Brahms – angeregt von der düsteren, schottischen Ballade "Edward" aus Herders Sammlung "Stimmen der Völker" – den vier Stücken eingeschrieben hat, wirken die sieben Fantasien so tragisch, wie es der letzte Klavierzyklus von Brahms, den er fünf Jahre vor seinem Tod in Bad Ischl komponierte, verdient hat. Die Intimität und Schwermut, die in diesem musikalischen Testament von Brahms steckt, bringt Kozhu khin eindrucksvoll auf die Tasten.

Dabei reizt Kozhukhin in diesen Stücken, die das niederländische Label Pentatone gewohnt erstklassig aufgenommen hat, die ganze, unendlich scheinende Farbpalette aus, immer wieder gelingt es ihm auf eindrucksvolle Weise, die Polyphonie und die Dissonanzen, die in diesen Stücken stecken, herauszuarbeiten und die Atemlosigkeit, die beispielsweise das 5. Intermezzo prägt, letztendlich sogar auf den Zuhörer zu übertragen. Ein wundervolles, bewegendes KlassikAlbum.