"Das Kochen wird zu einer Kunst in einem ästhetischen Sinne immer dann, wenn darin Freiheit in der Gestaltung zum Tragen kommt." Es sind Sätze wie dieser, mit denen sich das neueste Buch des Mairisch-Verlags recht präzise einführen lässt. Denn genau darum geht es Herausgeber Stevan Paul: Kochen als Kunst, ästhetisches Ereignis und intellektuelles Konstrukt zu beschreiben.

Klingt verkopft? Ist es aber nicht. Stattdessen nehmen uns die 18 Köche, Food-Aktivisten, Journalisten, Blogger, Gastrokritiker, Wissenschaftler und Philosophen mit in verschiedenste Küchen – die der Steinzeit und die Küche Japans, die des existenzialistischen Sterne-Restaurants "sosein" und in die Resteküche. Sie bringen uns die Evolution des Kochens seit Entdeckung des Feuers näher und verraten, wie sich Genuss und politischer Aktivismus vertragen. Und sie widmen sich der weniger kulinarischen als vielmehr soziologischen Frage, wie eigentlich Menschenfleisch schmeckt – und warum Menschen jemals auf die Idee kamen, es zu probieren.

All das passiert, wie man es von dieser Buchreihe – in der beispielsweise auch "Die Philosophie des Gärtnerns", "Die Philosophie des Laufens" oder "Die Philosophie des Radfahrens" erschienen sind – gewohnt ist, auf höchstem Niveau. Dabei aber verlieren die Autoren nie das Spielerische aus dem Blick, das sowohl das Kochen als auch die Auseinandersetzung mit dem Kulinarischen in sich birgt – was besonders Daniel Kofahls Kapitel "Orgasmen sind wie Pommes" über "Gastroerotik" oder Dieter Froelichs Krittelei "Hört auf zu kochen" beweisen. Ein Kochbuch ganz ohne Rezepte, das dem Leser trotzdem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

  • Titel: Die Philosophie des Kochens (hier bei Amazon bestellen)
  • Herausgeber: Stevan Paul
  • Verlag: Mairisch-Verlag
  • Seitenzahl: 240 Seiten
  • Preis: 20 Euro