Zeige mir deine Tapete, und ich sage dir, wer du bist! Karsten Brandt, Experte des Deutschen Tapeteninstituts, erklärt, warum auch die Wandverschönerung von unserem Charakter abhängt.

Wie sehen "typisch deutsche" Wohntypen aus? Dieser Frage ist das Deutsche Tapeten-Institut (DTI) nachgegangen und hat die Motive zur Auswahl von Tapeten im Rahmen einer Studie untersucht. "Im Fokus standen dabei die Fragen, wie Tapeten wahrgenommen werden und was die Deutschen mit Blick auf Wohnen und Tapeten denken und wünschen", erklärt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeteninstituts. Das Ergebnis ist eine Typologie, die sich auf vier Typen herunterbrechen lässt. Karsten Brandt erklärt, was diese ausmacht.

Der Unbekümmerte ... tapeziert aus dem Bauch heraus. Die Tapete wird spontan, von der Situation inspiriert, ausgesucht – ohne lange Planung. Der Wunsch nach fröhlichen, frischen Akzenten für die eigenen vier Wände wird dabei oft durch unterschiedliche Farben und Muster erfüllt. Unbekümmerte Tapetenexperimente entdeckt man häufig in der ersten Wohnung, umgeben von einem jungen und unkonventionellen Einrichtungs-Schick. Oder bei Familien, in denen viele Geschmäcker und Meinungen am großen Tisch zusammenfinden. Unbekümmerte Wohntypen tapezieren immer wieder spontan einen Raum oder auch nur eine Wand neu, wenn ihnen intuitiv ein Muster gefällt.

Der Prestigebewusste ... hat ein Händchen für Effekte – und das sieht man vor allen Dingen an seinen Wänden. Seine Tapeten sollen wirken. Dabei dürfen sie auch ruhig etwas mehr kosten. Er achtet auf erkennbare Qualität und lässt sich gerne beraten. Designer-Tapeten mit dem gewissen Etwas treffen genau seinen Geschmack. Der Prestigebewusste kann aus der großen Bandbreite der Kollektionen schöpfen: barocke Elemente, glanzvolle Unis, grafische Muster – nur zu schlicht darf es nicht sein. Prestige-Tapeten finden sich in Wohnungen, in denen Wände und Möbel perfekt aufeinander abgestimmt sind. Spontanität ist nicht seins – bei der Auswahl der passenden Tapeten lässt er sich Zeit, denn diese sollen ihm möglichst lange gefallen.

Der Pragmatische ... tapeziert mit Bedacht – aber deshalb noch lange nicht einfallslos. Er wählt seine Tapete nach bestimmten Kriterien aus: Vor allem die Qualität und Praktikabilität müssen seinen Anforderungen gerecht werden. Dabei ist das Design der Tapete natürlich nicht unwichtig. Die erwartete Raumwirkung wird genau überlegt und nur eine Tapete, die ihn vollkommen überzeugt, kommt an die Wand. Auch der Preis ist relevant – dafür recherchiert er vor dem Kauf sorgfältig. Pragmatische Tapeten finden sich überall. Gerne in der Küche, im Kinderzimmer oder im Flur. Der Pragmatiker tapeziert, wenn es sich ohnehin anbietet, etwa wenn eine neue Küche ansteht oder aus dem Kinder- ein Jugendzimmer werden soll. Dann tapeziert er direkt alle Räume mit.

Der wilde Kreative ... tapeziert gegen alle Konventionen. Die Tapete nutzt er vor allen Dingen als Ausdruck seiner eigenen Individualität. Es sind ausgefallene Dessins, starke Muster und spannende Farbmixe, die seine Wände zieren– Kombinationen, zu denen nicht jeder den Mut hat. Dabei achtet er stets darauf, nicht zu sehr einem Trend zu folgen, sondern mit Hilfe der Tapete den eigenen Nonkonformismus zu betonen. Wilde Kreative entscheiden sich mit Leib und Seele für eine Tapete, überlassen nichts dem Zufall, schrecken aber auch nicht davor zurück, sie bald wieder zu wechseln. Vor allem Tapezierer mit einem hohen Anspruch an Individualität und einer unbändig großen Lust am (Um-)Gestalten finden sich in diesem Tapetentyp wieder.