"Den Schnapper aus Nappa", so nennt Hape Kerkelings Kunstfigur Horst Schlämmer ihre Herrenhandtasche, ein kleines, schwarzes Stück Spießigkeit. Und tatsächlich galt dieses Mode-Accessoire lange Zeit als verpönt. Doch diese Zeiten sind vorbei. Männer tragen längst nicht mehr nur den Schnapper oder ihre Aktentasche am Arm, und gerade bei jüngeren Generationen hat auch der Rucksack schon länger Konkurrenz bekommen. Dabei orientieren sich viele Modelle an der Damenmode. Weit verbreitetes Vorbild: das "tote bag" oder der "Shopper", eine Tasche mit zwei parallelen Griffen, sozusagen das Handtaschen-Pendant zur Jutetasche oder Einkaufstüte – praktisch, geräumig und trotzdem schick, mal mit Reißverschluss, mal ohne.

Breite Streifen und Kuhfell

Beim Label "WANT Les Essentiels de la Vie" fällt diese Variante der Herrenhandtasche sportlich aus, die Griffe cognacbraun, der Stoff grau meliert. Ähnlich schlicht, aber deutlich geräumiger und noch stärker an eine Einkaufstasche angelehnt: das Modell von Frankie Morello mit eingelassenen  Griffen.

Noch auffälliger gestalten Fendi und Prada ihre aktuellen Modelle. Bei Fendi dominieren breite, farbige Streifen, bei Prada ist es das Kuhfell-Muster, das die Blicke auf sich zieht. Und auch Paul Smith setzt auf Farben und kommt damit einer Unisex-Tasche am nächsten: Gelb, Lachs-Rosa und Petrol bestimmen hier die Palette.

Ein Hai als Handtasche

An der Jugend-Kultur, die das fast schon vergessenen Hip Bag als Schultertasche wiederentdeckt hat, orientiert sich Prada mit einem knallroten Modell, das quer über der Brust getragen wird. Und wem selbst das noch nicht auffällig genug ist, der könnte mit Thom Brownes "Shark Bag" glücklich werden – das es übrigens auch in anderen Farben oder als Dackel und Motorboot gibt.