Ausmalen ist nur was für Kinder? Von wegen: Malbücher für Erwachsene bescheren Herstellern erstaunliche Umsätze

Auf dem Weg aus dem Stress in die Entspannung greifen immer mehr Erwachsene zu Bunt-, Blei- und Filzstiften. Sie malen sich die Anspannung von der Seele. Statt in Yoga, eine Massage oder Meditation investieren sie ihre Freizeit in fantasievolle Muster und exotische Vögel, die im Anschluss gern mit dem Smartphone fotografiert und dann stolz in sozialen Netzwerken wie Instagram gezeigt werden.

Gut, ein neuer Trend. Der nächste bitte, könnte man nun meinen. Bemerkenswert sind jedoch die Folgen dieser Mode für Stiftehersteller: So hat die starke Nachfrage nach Malbüchern für Erwachsene und anderen Kreativprodukten beispielsweise
dem Stiftehersteller Faber-Castell im abgelaufenen Geschäftsjahr den höchsten Umsatz der Firmengeschichte beschert, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Verkaufserlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 631 Millionen Euro.

Hersteller fährt Sonderschichten

Faber-Castell profitiert von dem Trend, und das, obwohl das Unternehmen eigene Malbücher noch gar nicht auf den Markt gebracht hat. Doch in diesem September will das Unternehmen aus Stein in Mittelfranken nachziehen.

Das Nürnberger Unternehmen Staedtler konnte seinen Umsatz sogar um 14 Prozent steigern – auf 322 Millionen Euro. Und: Der Stiftehersteller fährt Sonderschichten, produziert im Drei-Schicht-System rund um die Uhr, sechs Tage die Woche. Dort und bei der Nürnberger Bleistift-Fabrik soll es sogar Pläne geben, die Produktion auszuweiten.

Anfänger haben schnell Erfolg

Frühzeitig erkannt hat den Trend Schwan-Stabilo: Das Unternehmen präsentierte bereits im vergangenen Herbst ein Set, das aus 15 Stiften und einem Ausmalbuch besteht.

Die große Nachfrage ist für die Branche ein wahrer Segen. Die Firmen brüten seit Jahren über den Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Digitale Kugelschreiber, die Handschrift auf Papier direkt in Reinschrift auf Smartphones und Tablets transportieren oder Skizzen in Bilddateien umwandeln, sind Ergebnisse dieser Entwicklung.

Dass wieder vermehrt zum klassischen Buntstift gegriffen wird, mag da überraschen, zumal die Käufer der Stifte, wie es vielerorts heißt, keine Hobbykünstler sind. Sondern: absolute Mal- und Zeichenanfänger. Und diese haben mit Ausmalbüchern sofort Erfolg. Sie müssen kein weißes Blatt füllen. Das Ergebnis ist immer schön.