Für Haut und Haar sind Naturprodukte angesagt wie nie. Das Gefühl trifft die Kaufentscheidung.

In den Einkaufsregalen stehen sie ganz selbstverständlich in einer Reihe mit ihren konventionellen Artgenossen: Lotionen, Shampoos, Duschgels und Make-ups aus natürlichen Rohstoffen.

In den vergangenen fünf Jahren hat der grüne Schönheitsmarkt einen enormen Wachstumsschub erfahren, sagt Harald Dittmar. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel (BDIH) betont: "Die Naturkosmetik rückt weiter in den Fokus der Verbraucher."

Werteorientiertes Kaufen, nachhaltige Unternehmensphilosophien, Konzepte, die sympathisch wirken – das seien Verkaufsargumente, denen sich nur wenige entziehen können. Negative Berichterstattung über Inhaltsstoffe in konventionellen Produkten sowie dadurch ausgelöste Allergien und Unverträglichkeiten förderten dies.

Das belegen auch die jüngsten Zahlen, die der Naturkosmetik-Verlag in Zusammenarbeit mit den beiden Marktforschungsinstituten GfK und IRI dieses Jahr herausgab: 2015 erwirtschaftete der Markt für Naturkosmetik ein Umsatzplus von zehn Prozent – 7,6 Prozent mehr als der konventionelle Kosmetik-Markt.

Nicht zuletzt sei das Wachstum auf die anspruchsvollen und jünger werdenden Konsumenten zurückzuführen, sagt Dittmar. Eine steigende Anzahl lebe einen veganen Lebensstil – nach wie vor ein großer Faktor in der Naturkosmetik-Forschung.

"Auch das Thema Tierversuche und das sich entwickelnde Bewusstsein darüber ist eine Bewegung, die mit der Naturkosmetikbranche eng verwachsen ist", sagt der BDIH-Geschäftsführer. In den Grundsätzen der Naturkosmetik ist unter anderem die tierversuchsfreie Herstellung verankert.

Hinzu kommt: Immer mehr Spezialprodukte können nun auch naturkosmetisch hergestellt werden. Dazu gehören zum Beispiel Sonnenpflegeprodukte, die laut Dittmar immer weiterentwickelt werden, sowie BDIH-zertifizierter Farblack. "Dessen Produktion war vor ein paar Jahren noch nicht möglich", sagt der Experte.

Zudem werde weiterhin an Produkten geforscht, die ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen. Das BDIH-Prüfzeichen "kontrollierte Naturkosmetik" tragen Erzeugnisse aus natürlichen Rohstoffen wie pflanzliche Öle, Fette und Wachse, Kräuterextrakte, Blütenwässer oder ätherische Öle und Aromen aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung.

Neben allen sachlichen Argumenten, die den Kauf von Naturkosmetik-Produkten begünstigen mögen, geht es um das Empfinden der Verbraucher sowie um die Wirkung auf den Körper – und das Gemüt.

"Natürlich gewonnene Inhaltsstoffe geben einem das Gefühl, näher an der Natur, näher an sich selbst zu sein", erklärt Dittmar. "Der Wunsch, sich selbst etwas Gutes zu tun, keine petrochemisch hergestellten Inhaltsstoffe für die Körperpflege zu verwenden und aus diesem Grund auf Naturkosmetik umzusteigen, ist daher eine logische Schlussfolgerung."

Auch deshalb werde der Naturkosmetik- Markt weiterwachsen. "Es wird weiter nach innovativen Rohstoffen geforscht, die zum Beispiel Anti-Aging-Produkte mit natürlichen Mitteln noch effektiver machen", sagt Dittmar. "Auch vegane Alternativen für den Einsatz von bisher verwendeten Rohstoffen in Nagellacken, Haarsprays und Lippenstiften werden weiter erforscht."

Die Verfügbarkeit von Naturkosmetik werde in allen Handelskanälen noch weiter an die konventionelle Kosmetik heranrücken und noch präsenter werden.