Waldkindergärten erfreuen sich in Deutschland seit Jahren ungemeiner Beliebtheit. Sie sind der Gegenentwurf zu einer von manchen Leuten als zu steril und überzivilisiert wahrgenommenen Vorschulphase.

E ine Lichtung, mitten in einem dicht bewachsenen Forst im Rheinland. Zwischen einigen Bäumen ist ein behelfsmäßig hergerichtetes Segel angebracht, das vor Regen und Wind schützen soll. Hier tummeln sich die "MoWakis". Die Kinder des Monheimer Waldkindergartens scheinen die klirrende Kälte dieses Wintermorgens in ihren Matschklamotten kaum zu spüren. Sechs Knirpse, kaum fünf Jahre alt, schaffen Holz herbei. Nicht, um Feuer zu machen. "Wir bauen unser neues Boot. Das Steuerrad ist schon fertig – guck mal."

Zwei andere haben einen Ast über einen Stein gelegt und wippen, während ihr Kumpel daneben sitzt und schnitzt. Die rund 20 "Waldkinder" bewegen sich für ihr Alter ungemein geschickt, stolpern nicht über Wurzeln oder Geäst und wissen genau, wonach sie suchen müssen. Das gesamte Jahr verbringen sie hier draußen in ihrem Spielzimmer in der Wildnis.

"Wir werden kaum krank"

Mowaki-Leiterin Sabine Schwandt weiß, was sie an der Waldpädagogik schätzt: "Die Kids sind motorisch sehr fit, werden kaum krank und müssen sich ihrer Umgebung immer wieder neu anpassen", sagt sie. Das bringt den kleinen Waldmäusen später etliche Vorteile. Sie können in der Schule den Stift schnell richtig halten, lernen Lösungen zu finden und sind sehr kommunikativ. Denn draußen im Wald spielt die sozial-emotionale Komponente eine entscheidende Rolle. Sabine Schwandt: "Die Kinder müssen Sprache benutzen, um zu erreichen, was sie wollen. Sie können nicht mal eben die Tür zumachen, wenn sie alleine sein wollen. Im Waldkindergarten lernen sie, Kompromisse einzugehen und sich abzusprechen."

Die Waldkindergarten-Idee stammt ursprünglich aus Dänemark, wo man das Konzept bereits in den 1950er-Jahren umsetzte. Vier Dekaden später setzte es sich auch in Deutschland durch – mit durchschlagendem Erfolg. Rund 1500 Waldkindergärten gibt es mittlerweile bundesweit. Die meisten sind im Bundesverband der Wald- und Naturkindergärten (BVNW) in Deutschland e.V. organisiert. Das Prinzip ist einfach. Abgesehen von einer Anlaufstelle, die in vielen Fällen aus einem Bauwagen oder einer kleinen Hütte besteht, verbringen die Kids ihre Zeit in der Natur, also im Wald oder am Strand. Hier spielen sie ausschließlich mit natürlichen Materialien.

Obwohl die Kids lautstark umhertollen und im wahren Sinne des Wortes kein Blatt vor den Mund nehmen, ist der Lärmpegel mit dem in einem geschlossenen Gruppenraum nicht zu vergleichen. Dementsprechend weniger gestresst wirken die kleinen "Wakis" auch. Doch natürlich ist der Wald keine endlose Kuschellandschaft. "Felder, Wälder, Wiesen, Hecken – überall da lauern Zecken", sagt schon ein alter Kinderreim. Hinzu kommen in letzter Zeit unangenehme Zeitgenossen wie der Eichenprozessionsspinner, der als Teil eines Raupenkonvois drollig aussehen mag, aber humorlos ganze Regionen in No-Go-Areas für Mensch und Tier verwandelt. Auch die Natur hat eben mindestens zwei Seiten.