In der neuen Prime-Serie "Maxton Hall – Die Welt zwischen uns" spielt Damian Hardung den reichen und arroganten James Beaufort, der sich in die unscheinbare Ruby verliebt. Warum die Rolle so intensiv war und wie er es schafft, nebenbei Medizin zu studieren, erzählt der 25-Jährige im prisma-Interview.
„Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“, eine Mischung aus Stolz und Vorurteil und Twilight, wirkt sehr untypisch für eine deutsche Produktion. Habt ihr etwas geschaffen, was es in Deutschland so noch nicht gibt?
Damian Hardung: Mit meinen 25 Jahren würde ich mir nicht anmaßen, das einschätzen zu können. Meine Schauspielcoachin hat mir immer gesagt, wir schauen primär nicht dem Plot, sondern Menschen zu. Es handelt sich um eine klassische Liebesgeschichte, die in die Moderne verpflanzt wurde, erzählt in einer Weise, die sich für mich beim Spielen sehr wahr angefühlt hat. Als Schauspieler ist es meine Aufgabe, vor der Kamera nur Dinge zu tun oder zu sagen, die ich gleichzeitig fühlen kann. Auch visuell ist „Maxton Hall“ ansprechend, finde ich. Wir haben unter anderem in Oxford gedreht, da habe ich es vorher noch nicht hingeschafft.
Hardung: James Beaufort hat viele toxische Eigenschaften, ich habe viele Parallelen zu Nate Jacobs aus Euphoria, gespielt von Jacob Elordi gesehen. Eine Therapie würde beiden ziemlich guttun.
Was hat dir an der Rolle gefallen und was nicht?
Hardung: Ich mochte es, diese Intensität, mit der man als Jugendlicher fühlt, noch einmal nachzuempfinden. Wenn man sich trennt, ist es das Schlimmste auf der Welt, wenn man sich verliebt, das schönste Gefühl auf Erden. Diese Absolutheit triggert jede Emotion ins Unendliche. Gleichzeitige war es aber auch der anstrengendste Teil der Rolle. Am Ende eines Drehtags hatte ich oft Schwierigkeiten, James Beaufort abzulegen, weil er so vereinnahmend war. Wenn er einen Raum betrat, gehörte ihm die ganze Aufmerksamkeit. Diese Selbstverständlichkeit muss man erstmal wieder gehen lassen.
Was hat dir da geholfen, aus der Rolle zu treten?
Hardung: Ich habe nach dem Dreh ein Auslandssemester in Palermo in Italien gemacht, das war sehr hilfreich. Ich habe nur studiert und am Strand gesessen, die Filmwelt außen vor gelassen. Irgendwann war ich komplett raus und konnte wieder bei mir ankommen.
Maxton Hall basiert auf einer Buchreihe von Mona Kasten. Konntest du deine eigenen Interpretationen, die du beim Lesen hattest, mit einbringen?
Hardung: Mona Kasten wechselt im Buch mehrmals die Perspektive, so konnte ich einen Einblick in James Beauforts tiefstes Inneres gewinnen. Das ist ein großes Privileg, das es einfacher gemacht hat, ihn zu verstehen. Ich habe mit klassischer Rollenarbeit begonnen und mich mit Werten wie Tradition und Familie, beides sehr wichtig im Kosmos von Maxton Hall, beschäftigt. Dann habe ich versucht, Anknüpfungspunkte an mein eigenes Leben zu finden. Natürlich habe ich so meine eigene Version geschaffen und ich bin gespannt, inwiefern ich die Vorstellungen der Zuschauer getroffen habe. Letzten Endes kann ich aber nicht mehr tun, als meine Version anzubieten. So gehe ich auch Castingprozesse an: Es geht ja oft nicht darum, wer am besten schauspielern kann, sondern wessen Version in diesem Kontext am besten passt.
Du spielst häufig Coming-of-Age-Rollen. Ist das dein Ding oder möchtest du dich in Zukunft umorientieren?
Hardung: Zwangsläufig schon, das hat mit meinem Alter zu tun. Ich habe erst vor Kurzem viele Themen durchgemacht, mit denen sich meine Charaktere auseinandersetzen müssen und kann mich gut reinfühlen. Ich find‘s toll, freue mich aber auch, wenn irgendwann ein neuer Zeitabschnitt beginnt. Dann hätte ich total Lust, mehr auf Englisch und Italienisch zu drehen.
Du studierst außerdem Medizin und engagierst dich im Umweltschutz. Was bringt dich immer wieder zurück zum Schauspiel?
Hardung: Wenn ich schauspielere, fühle ich mich extrem frei. Das ist quasi wie ein Urlaub von der eigenen Persönlichkeit, ein kreatives Ausleben, ein In-sich-gehen. Ich erlaube mir das Fühlen viel mehr. In unserer rationalen Moderne machen wir immer diese Dichotomie zwischen Kopf und Herz auf, und auch wenn es zwischen beidem sicherlich eine Verbindung gibt, ist es in meinem Leben auch so: Als Mediziner wäre es für mich sehr unangebracht, meine Gefühle ungefiltert nach außen zu tragen. Im Schauspiel ist aber genau das gewollt.
Hilft dir die Medizin im Schauspiel und umgekehrt?
Hardung: Unterbewusst sicherlich. Ansonsten freue ich mich immer auf das, was ich gerade nicht hab. Diese Abwechslung zwischen meinen verschiedenen Leben ist extrem antriebssteigernd. Letztens war ich tagsüber in der Uni, hatte danach einen Nachtdreh und musste morgens wieder in die Klinik. Das kann ich nicht jede Woche machen, aber zwischendurch geht das.
Hast du schon einen Bereich in der Medizin, der dich besonders interessiert?
Hardung: Ich war vor kurzem in der Augenheilkunde tätig, die hat es mir angetan. Es klingt klischeehaft, aber das Auge ist wortwörtlich das Tor zu Seele. Es gibt keinen anderen Punkt am Körper, an dem man direkt ins zentrale Nervensystem schauen kann. Außerdem finde ich Augen unglaublich schön. Wenn ich mir ein Auge im Ophthalmoskop angucke, denke ich immer: Wow, was sind wir für schöne Kreaturen auf diesem Planeten?
Worauf können wir uns in Zukunft von dir freuen?
Hardung: Im Herbst kommt eine tolle Serie von mir raus: Love Sucks. Eine dunkle und ernste Vampirserie. Da freue ich mich jetzt schon darauf!
„Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ läuft ab 9. Mai auf Amazon Prime.