Wir erinnern uns: Der namenlose Erzähler, ein Porträtmaler mit gescheiterter Ehe, hatte sich in "Eine Idee erscheint" in ein Haus in den Bergen zurückgezogen und dort das Angebot eines gesichtslosen Mannes bekommen, ihn für obszön viel Geld zu porträtieren. Der Auftakt zu mysteriösen Geschehnissen auf dem Grundstück.

Band 2, ebenfalls von Ursula Gräfe meisterhaft ins Deutsche übersetzt, knüpft nun nahtlos an dieses fantastische und teils surreale Buch an. Und die Reise des Malers ohne Namen geht ebenso schlicht erzählt, aber wundersam weiter. Da taucht ein junges Mädchen namens Marie auf, das jedoch kurze Zeit später spurlos verschwindet, weshalb unser Maler sich auf das Abenteuer begibt, sie zu retten. Da begegnen wir dem Mann ohne Gesicht wieder, der wiederum den Porträtmaler zu jagen beginnt, und da werden wir Zeuge etlicher seltsamer Traumszenarien und Riten, durch die der Pro tagonist am Ende zu einem neuen Menschen wird.

Das Fantastische an diesem zweiten Band nun ist, wie Murakami sich zwar sprachlich und inhaltlich treu bleibt, er dem Leser aber tatsächlich so etwas wie eine Lösung für all die Mysterien bietet, die er ihm über beinahe 1000 Seiten präsentiert hat. Denn so unverständlich die Handlung auch klingt, am Ende ist alles klar. Und dahinter, auf einer zweiten Ebene, erfahren wir unglaublich viel über das Schreiben und das Malen – und darüber, wie Murakami, der Mittler zwischen den Welten, über diese Gattungen denkt und fühlt. Zauberhaft – im wahrsten Sinne des Wortes.

  • Titel: Die Ermordung des Commendatore Band 2: Eine Metapher wandelt sich
  • Autor: Haruki Murakami
  • Verlag: Dumont
  • Seitenzahl: 496
  • Preis: 26 Euro