Komödie in der ARD

"Zu guter Letzt": Shirley MacLaine nimmt ihren Nachruf selbst in die Hand

von Gabriele Summen

Die wunderbare Shirley MacLaine rettet eine nicht rundum gelungene Komödie. Als alter Drachen kümmert sie sich selbst darum, dass für den Fall ihres Todes ein passender Nachruf bereit liegt.

ARD
Zu guter Letzt
Komödie • 21.07.2020 • 22:45 Uhr

"Habe ich gerade meinen Job an eine hundertjährige Oma verloren?", stöhnt die junge Radiomoderatorin in der Komödie "Zu guter Letzt" (2017) von Mark Pellington, die nun im Ersten gezeigt wird. Das kann schon passieren, wenn besagte Oma eine unglaubliche Strahlkraft hat, da sie von der grandiosen Hollywood-Ikone Shirley MacLaine verkörpert wird. Die rebellische, heute 86-jährige Schauspielerin präsentiert eine interessante Frauenfigur, die in einer von Männern dominierten Welt lernte, ihren Willen durchzusetzen. Durfte man schon unzähligen sturen, alten Herren bei ihrer späten Entwicklung zum Menschenfreund zusehen, steht hier eine betagte Dame im Fokus.

Nach einem womöglich unfreiwilligen Selbstmordversuch wird der 80-jährigen Harriet (Shirley MacLaine) plötzlich klar, dass sie sich vor ihrem Ableben eigentlich noch um einen glorreichen Nekrolog auf sich kümmern müsste. Gedacht, getan, setzt die vermögende Lady bei ihrem ehemaligen Kunden, der "Bristol Gazette", durch, dass deren für die Nachrufe zuständige Autorin Anne Sherman (Amanda Seyfried) auch ihren verfassen muss.

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Schon bald stößt die angepasste, junge Journalistin, die eigentlich lieber Essays veröffentlichen würde, bei ihrer Recherche auf heftige Reaktionen: Niemand will auch nur ein einziges gutes Wort über den exzentrischen, alten Drachen verlieren. Immerhin war Harriet stets verletzend ehrlich zu ihren Mitmenschen, dominant, kontrollsüchtig und perfektionistisch. Geschieden ist sie schon seit Langem und mit ihrer Tochter (Anne Heche) redet sie seit Jahren auch nicht mehr. Selbst aus ihrer eigenen Werbeagentur wurde sie herausgemobbt.

Rasch analysiert Harriet die Lage. Vier Dinge machen ihrer Meinung nach einen gelungenen Nachruf aus: Eine von Herzen trauernde Familie, (Ex)-Kollegen, die einen bewundern, sowie ein benachteiligter Mensch, dessen Leben man positiv beeinflusst hat. Nicht zu vergessen eine sogenannte "Wildcard", etwas ganz Individuelles, das einen von anderen abhebt.

Zunächst macht sie sich mit Anne im Schlepptau daran, in einem Heim für schwer erziehbare Kinder jemanden zu finden, den sie von ihrer Lebensweisheit profitieren lassen kann. Ihre Wahl fällt auf den Rohdiamanten Brenda (AnnJewel Lee Dixon), ein schwarzes Mädchen mit einem vergleichbar starken Willen wie Harriet. Die kleine Rebellin fügt sich wunderbar in das drei Generationen umfassende Frauentrio ein – ihr gemeinsames Bad im Mondschein bleibt in Erinnerung.

Auch die unvermeidliche Aussprache Harriets mit ihrem Mann (Philip Baker Hall) und ihrer Tochter (überzeugend: Anne Heche) birgt einige Momente in sich, die mit den Schwächen im Drehbuch und klischeehaften, unglaubwürdigen Szenen an anderer Stelle versöhnen. Die "Wildcard", die Harriet für sich entdeckt, ist zugleich der Joker des Films, an dem Shirley MacLaine auch als ausführende Produzentin beteiligt war: Wenn die schrill aufgetakelte Harriet in einer alternativen Radiostation ihre alten Vinylplatten auflegt, entwickelt der Film eine spürbare Retroenergie.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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