Mit Tom Holland und Zendaya

Filmkritik zu "Spider-Man: Brand New Day" – Die einsame Spinne aus der Nachbarschaft

05.08.2026, 14.04 Uhr
An den Kinokassen bricht der neue Spider-Man Rekord um Rekord. Nicht nur der vierte Teil, sondern die gesamte Reihe hat sich diesen Erfolg mehr als verdient. Eine Filmkritik.
Spider-Man schwingt zwischen Häusern.
“Spider-Man: Brand New Day“ läuft seit dem 29. Juli in den deutschen Kinos.  Fotoquelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

MJ (Zendaya) und Ned (Jacob Batalon) zählen zu den Menschen auf der Welt, die Peter Parker alias Spider-Man am allerwichtigsten sind. Nach einer turbulenten Schulzeit steht das lang ersehnte College an – ein Meilenstein, den Ned mit kurzen Videos auf Social Media begleitet. Auch MJ taucht in diesen immer wieder auf, Peter dagegen nicht. Er schaut die Videos bloß an, denn MJ und Ned wissen nicht einmal, dass er existiert. Mit diesem Vergessen endete der dritte Teil von Tom Hollands Spider-Man-Reihe "Spider-Man: No Way Home".

Ebenso emotional beginnt auch "Spider-Man: A Brand New Day". Die Szenen, in denen Peter Neds Videos ansieht – die seines besten Freundes seit Kindestagen, was dieser jedoch nicht mehr weiß –, rühren zu Tränen. Und sie stehen nicht allein da: Der vierte Teil wartet mit einer Vielzahl an emotionalen, teils tieftraurigen Momenten auf. Eines der wesentlichen Motive des Films ist die Einsamkeit. Noch immer rettet Spider-Man in aller Regelmäßigkeit New York City und kämpft gegen berüchtigte Marvel-Kriminelle wie Scorpion oder Tombstone, arbeitet hierbei mit der Polizei zusammen und ist in der Bevölkerung "Everybody's Darling".

"Spider-Man: Brand New Day": Ein Drama im Superheldengewand

Als Peter Parker führt er jedoch ein zurückgezogenes Leben in einer tristen Junggesellenbude. Kein Wunder, dass Peter sich regelrecht in die Arbeit stürzt. Dabei geht er auch über seine körperlichen und psychischen Grenzen hinaus – mit weitreichenden Folgen für seine Spinnenkräfte, die ihn vor weitere Herausforderungen stellen. Peters Einsamkeit sowie die Geschichte der Mutantin Jean Grey (Sadie Sink) machen aus "Spider-Man: Brand New Day" den bewegendsten und zugleich auch düstersten und erwachsensten Film der Reihe.

Ganz wesentlich ist das auch dem Schauspiel von Sadie Sink und vor allem Tom Holland geschuldet. Holland liefert hier seine womöglich bislang beste Performance ab. Sein Peter Parker geht im vierten Teil durch nahezu sämtliche Emotionen, wobei er das zu jedem Zeitpunkt überragend spielt. Nicht bloß im Kern ist "Spider-Man: Brand New Day" ein Drama im Superheldengewand. Kämpfe und Actionszenen allgemein werden eher zum Nebencharakter.

Trotz aller Trübsal bleibt sich das Drehbuchautorenteam aus Chris McKenna, Erik Sommers und neuerdings auch Justin Kuritzkes weiter treu. Der charmante Witz, den wir aus den bisherigen drei Filmen gewohnt sind, blitzt regelmäßig auf. Zudem sind die Charaktere und die Art und Weise, wie diese miteinander umgehen, nach wie vor äußerst liebenswürdig. Da kann es gar nicht wundern, dass uns Figuren wie Peter, Ned und MJ seit nun vier Filmen so verzaubern.

Tom Hollands Spider-Man-Reihe als außergewöhnliches Gesamtwerk

Es verdient große Anerkennung, was allen Beteiligten bei der Spider-Man-Reihe gelungen ist. Sie haben eine Welt und allen voran ein Ensemble erschaffen beziehungsweise neu interpretiert, die sich so mühelos ins Herz schließen lassen, wie es nur selten der Fall ist. Über die vier Filme hinweg gelingt es nicht bloß, das hohe Niveau zu halten – die Reihe wird sogar stetig besser, gewinnt immer mehr an Tiefe.

Die erzählerische und schauspielerische und damit zusammenhängende emotionale Entwicklung kann sich wirklich sehen lassen. Dabei ist immer auch ersichtlich, dass insbesondere die Autoren das große Ganze im Blick und einen Fahrplan haben. Innerhalb des MCU oder auch in anderen Mega-Franchises fallen einem zu viele Filmreihen ein, für die es im Vorfeld keinen richtigen Plan gegeben zu haben scheint. Stattdessen wurde anscheinend immer von Film zu Film gedacht, wodurch der übergreifende rote Faden in der Unscheinbarkeit zu verschwinden drohte. Angesichts dessen ist es umso lobenswerter, dass die 2017 gestartete Spider-Man-Reihe nicht im Traum daran denkt, die gleichen Fehler zu begehen.

Warum "Spider-Man: Brand New Day" so mühelos in Erinnerung bleiben wird

Mit großen Gefühlen und dem klassischen Spidey-Charme allein begnügt sich "Brand New Day" aber nicht. Denn auch visuell liefert der vierte Teil in jeder Hinsicht ab – und bietet Action, die wir so nur bei Spider-Man zu sehen bekommen, allen voran die regelrecht schwindelerregenden Szenen, in denen sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft durch die New Yorker Hochhausschluchten schwingt.

Der Story gelingt es, sowohl dramatisch als auch hochspannend zu sein. Dabei wird die Geschichte mit Geduld und Hingabe aufgebaut, ehe sie – so, als wäre sie inspiriert von Spider-Mans Fortbewegungsstil – so richtig in Schwung kommt. Gewohnt wendungsreich hält die Story von "Brand New Day" garantiert auf Trab. Da stört es auch nicht sonderlich, wenn man die eine oder andere Entwicklung vorher hat kommen sehen.

Eine Vielzahl an Szenen hat das Potenzial dazu, es sich im Langzeitgedächtnis eines Kinogängers bequem zu machen; seien es solche mit cleveren Gags, tieftraurigen Momenten oder auch Szenen, die überraschend gruselig daherkommen – etwa, wenn Spider-Man bei einer Verfolgungsjagd das erste Mal mit der Fähigkeit eines neuen Widersachers konfrontiert wird.

Der womöglich beste Spider-Man aller Zeiten

Tom Hollands Spider-Man (seit 2016) war schon immer eingebettet in das MCU – und auch in "Brand New Day" kommt es zum Wiedersehen mit etablierten Marvel-Charakteren. Bloßer Fanservice war und ist das jedoch nicht, da die Autoren die Figuren sehr geschickt in die Gesamthandlung einfügen, sodass sie sich keineswegs wie Fremdkörper anfühlen. Sie bringen einen Mehrwert, ohne davon abzulenken, dass es sich noch immer um einen Spider-Man-Film handelt.

"Spider-Man: Brand New Day" liefert eine mitreißende Mischung aus düsterer Spannung, charmantem Witz und großartigen Bildern sowie großartigem Soundtrack und begeistert darüber hinaus mit viel Gefühl. Es ist ein Film, der nachhallt, der sich bedeutend anfühlt und damit aus der Masse von vergleichsweise belanglosen Superheldenfilmen heraussticht. "Brand New Day" ist nicht weniger als der womöglich beste Spider-Man-Film aller Zeiten.

Die Fans belohnen die exzellente Arbeit der Filmschaffenden, wie die vielen neuen Bestmarken an den Kinokassen zeigen. So verzeichnete "Brand New Day" unter anderem in Deutschland den besten Kinostart des Jahres. In den USA und Kanada spielte er am Startwochenende nach Angaben von Sony 360 Millionen US-Dollar ein und stieß damit "Avengers: Endgame" (2019) vom Thron.

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