Altmodisch, aber charmant: Warum "Fantastic Four" noch immer funktioniert
Als die "Fantastic Four" im Sommer 2005 die Kinos stürmten, wollte Bernd Eichinger mit dem Publikum seinen Klein-Jungen-Traum teilen. Der mittlerweile verstorbene deutsche Produzent zeichnete maßgeblich für das von vielen Fans sehnsüchtig erwartete Spektakel verantwortlich. Nur: Ganz so spektakulär ist der eigentlich als Actionreißer angelegte Film gar nicht. Stattdessen gewinnt er durch Charakterzeichnungen und Gruppendynamik. Kabel Eins wiederholt am Dienstag, 18. August, um 20.15 Uhr, die heimelige Heldenstory
Nach einem wortwitzigen Auftakt beginnt leider auch schon die Ernüchterung. Der kosmische Sturm, der die Genstrukturen von vier Wissenschaftlern und ihrem späteren Widersacher nachhaltig verändert, fegt lahm durch den Orbit – der ersten Actionsequenz des Films mangelt es an Tempo und Spannung, eine böse Prophezeiung, die sich bis zum Schluss immer wieder erfüllt.
Warum "Fantastic Four" trotz Charme etwas altmodisch wirkt
Da hilft es auch nur bedingt, dass die Mutationen recht amüsant sind: Reed Richards (Ioan Gruffudd) bekommt Gummiarme, die einzige Frau im Team (Jessica Alba) kann sich dematerialisieren und Kraftfelder generieren, ihr Bruder (Chris Evans) wird zur menschlichen Fackel und Ben Grimm, der Vierte im Bunde, zu einem Kraftpaket mit gewöhnungsbedürftigem Aussehen, das fortan alle wenig charmant nur noch "Das Ding" (Michael Chiklis) nennen. Was dann folgt, ist der ewige Kampf Gut gegen Böse – hier verkörpert durch Dr. Doom (herrlich süffisant gespielt von "Nip/Tuck"-Darsteller Julian McMahon).
Was Regisseur Tim Story bei den obligatorischen Actionszenen schmerzlich vermissen lässt, gelingt ihm bei Charakteren und den Beziehungen untereinander umso besser: Mit Verve, Witz, Dynamik und einer Prise Dramatik zwingt er seine Helden (und den Schurken) dazu, sich auch mental an die veränderte DNA-Struktur anzupassen. Superheld wider Willen zu sein, ist nicht einfach. Jeder geht damit anders um, aber nur zusammen können die Vier mit der neuen Situation klarkommen. Das ist meistens sehr charmant und gleitet nur selten ins Pathos ab. Dennoch: Mit seinen antiquierten Spezialeffekten bleibt "Fantastic Four" eine etwas altmodisch wirkende Comic-Verfilmung.
"Fantastic Four": Streit, Zusammenhalt und Familie als zentrales Thema
Zeitgemäßer, aber auch inhaltsleerer kam 2007 die Fortsetzung "Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer" daher. Auf der Erfolgswelle des Vorgängers konnte das Abenteuer, das Kabel Eins im Anschluss um 22.25 Uhr, ausstrahlt, allerdings nicht schwimmen.
Und während beide Filme zunächst zerrissen wurden, sprachen Kritiker in den letzten Jahren – auch vor dem Hintergrund des noch schlechteren Reboots von 2015 – deutlich wohlwollender über die Eichinger-Produktionen: Trotz all ihrer Schwächen wären die ursprünglichen "Fantastic Four"-Filme nahe an den Comics gewesen, und wären deren zentralem Thema, der Familie, treu geblieben, schrieb etwa "Screen Rant": "Die vier Hauptfiguren mögen sich zwar wie Hund und Katze streiten, doch es ist immer klar, dass sie einander mehr am Herzen liegen als alles andere auf der Welt."
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH