"Rosenheim-Cops"-Star Sarah Thonig: "Für Christin Lange beginnt ein neues Kapitel"
prisma: In der neuen Staffel macht deine Rolle Christin Lange einen ziemlich großen Karrieresprung. Wie stark verändert sich die Figur durch die neue Position im Sekretariat?
Sarah Thonig: Gute Frage. Natürlich verändert sich von außen, beziehungsweise im Umfeld einiges. Früher war die Rolle im Erdgeschoss an der Information, wo man im B-Plot ganz allgemein das Präsidiumsgeschehen beobachtet hat. Jetzt ist die Rolle viel stärker in die Ermittlungen involviert. Es geht nicht mehr ums Postverteilen, sondern darum, Alibis zu prüfen. Dadurch sieht man sie natürlich auch stärker in ihrem Arbeitsalltag als bisher in diesem Bürogeschehen.
Ich glaube aber nicht, dass man deshalb automatisch sagen muss, dass sich die Figur in ihrem Kern verändert. Sie hat immer noch die gleichen Interessen, ihr Aufgabenbereich hat sich nur verändert. Dadurch sieht man andere Facetten von der Figur.
Würdest du sagen, dass Christin Lange in der Serie oft unterschätzt wurde und sie durch ihre neuen Aufgaben jetzt auch andere Seiten zeigen kann oder muss, um aus diesem bisherigen Bild ein bisschen herauszukommen?
Sarah Thonig: Ich glaube, bisher wurde gar nicht erzählt, was sie im beruflichen Kontext alles auf dem Kasten hat. Jetzt kann sie vielleicht überraschen, weil man ihr die Möglichkeit gibt, das zu zeigen.
Für Christin Lange beginnt ein neues Kapitel
Sie soll sicherlich keine Kopie von Miriam Stockl sein. Worin, glaubst du, unterscheiden sich die beiden, oder worin sind sie sich in ihrer Position ähnlich?
Sarah Thonig: Ich glaube, genau darin liegt unser großer Vorteil: Es kommt keine komplett neue Besetzung, die sich erst etablieren muss und daher auch automatisch viel stärker mit Frau Stockl verglichen würde. Ich hoffe, dass unsere Variante, gar nicht diesen Impuls auslöst, die beiden Figuren miteinander zu vergleichen, weil Frau Lange eben schon so lange dabei ist und dem Publikum vertraut ist.
Zumindest habe ich persönlich nicht das Gefühl, überlegen zu müssen: Was mache ich anders? Was sind Gemeinsamkeiten, was sind Unterschiede? Für mich ist es eher ein Geschenk, mit dieser Figur dieses Büro zu übernehmen und sie weiterentwickeln zu dürfen. Am Ende ist für mich die relevante Frage: Hat sie da genauso viel Spaß wie Frau Stockl, und macht es genauso viel Spaß, ihr dabei zuzusehen?
Es geht also gar nicht darum, zu schauen, in welche Fußstapfen man tritt oder etwas zu ersetzen? Du nimmst die Rolle mit, spielst ihre Entwicklung weiter und daraus entsteht etwas Eigenes.
Sarah Thonig: Ja, das würde ich zu 100 Prozent so unterschreiben. Das hast du fast schöner gesagt. Es sind wunderschöne Fußstapfen, daran braucht man gar nicht zu rütteln. Man hat eine große Wertschätzung dafür, und trotzdem ist es genau das, was du gerade gesagt hast: Für Christin Lange beginnt ein neues Kapitel.
Du hast gesagt, dass Frau Stockl eine große Kultfigur ist, dazu gehört auch ihr Kultsatz. Können wir uns bei Christin Lange vielleicht irgendwann ebenfalls auf so etwas freuen? Oder braucht so etwas einfach Zeit, um sich zu entwickeln?
Sarah Thonig: Marisa hatte 25 Jahre Zeit, diese Kultfigur und all das ikonische, das sie ausmacht, aufzubauen. Ich fände es anmaßend, mich jetzt hinzusetzen und zu glauben, ich könnte von heute auf morgen etwas ähnlich Prägnantes schaffen. So etwas muss wachsen und gedeihen können. Auch die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen entwickelt sich in der Figur und im Spiel.
Weniger Klischees, mehr Verantwortung: So verändert sich Christin Lange
Bei Christin Lange wurde bisher oft mit ihrer Naivität gespielt. Sie war, wie du gesagt hast, eher im B-Plot. Jetzt steigt sie viel stärker in die eigentliche Ermittlungsarbeit ein. Wie blickst du selbst auf dieses Rollenbild? Würdest du dir wünschen, dass sie beispielsweise weniger über ihre Naivität definiert wird?
Sarah Thonig: Natürlich. Damit beschäftige ich mich selbst. Ich habe bei den "Rosenheim-Cops" mit Anfang 20 angefangen. Damals habe ich mir über Rollenbilder noch weniger Gedanken gemacht als heute. Und genau wie ich, haben sich auch die "Rosenheim-Cops" weiterentwickelt. Gerade bei einer langlaufenden Serie agiert man oft mit kleinen Schräubchen. Ganz ähnlich wie in der Realität, denn unser Miteinander verändert sich ebenfalls selten mit Pauken und Trompeten.
Deshalb finde ich es schön, wenn man diese Figur, die man als Anfang Zwanzigjährige und mit einer gewissen Naivität kennengelernt hat, über die Zeit weiterentwickeln kann. Ich hatte damals einen Heidenspaß daran, mich mit Tesafilm einzuwickeln. Heute stelle ich mir die Frage: Woher kommt eigentlich mein Bild davon? Wovon bin ich geprägt, dass ich diese Vorstellung im Kopf hatte?
Dementsprechend überlege ich heute, welche Klischees ich vermeiden kann und wie sich das ganz konkret, auch im Kleinen, umsetzen lässt. Ich bemühe mich zum Beispiel, nicht ständig den Kaffee zuzubereiten oder zu bringen. Und ich freue mich über Drehbücher, in denen Frau Lange Entscheidendes zu den Ermittlungen beiträgt. Übrigens hat sich auch die Kleidung verändert. In den ersten Jahren habe ich nur Röcke getragen. Das war zwar nicht vorgegeben, aber hat sich für mich stimmig angefühlt. Mittlerweile trägt Frau Lange richtig tolle Hosen mit Hosentaschen. So klein können Veränderungen manchmal schon sein.
Solche Punkte tragen vielleicht auch zum Erfolg einer Serie bei. Es braucht nicht immer die große Keule, sondern manchmal reichen kleine Veränderungen, die trotzdem notwendig sein können.
Sarah Thonig: Man könnte jetzt mit hochtrabenden Zitaten kommen wie "Sei der Wandel, den du selbst in der Welt sehen willst", aber Film konstruiert auch eine Wirklichkeit. Filme und Serien tragen teilweise auch zu unserem Verständnis von Miteinander und Sozialem bei. Auch da verändert sich unser Verständnis von der Welt nicht von heute auf morgen.
Im Fernsehen und gerade bei langaufenden Serien musst du dich inhaltlich weiterentwickeln. Und ich finde es total schön, dass die "Rosenheim-Cops" das machen. Sie machen das sehr klug, ohne große Umbrüche, sondern sie lassen sich Zeit und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Wenn man sich die Folgen von vor 25 Jahren anschaut, erkennt man die Unterschiede. Ich glaube, das Geheimnis der Serie liegt wirklich in diesen kleinen Schritten und kleinen Stellschrauben.
Es tut ja auch niemandem weh, wenn sich ein Kommissar seine Tasse Kaffee selbst nimmt. Aber als kleine Schraube ist es trotzdem eine Veränderung.
Sarah Thonig: Total. Wenn sich die Kollegen ihre Kaffeetassen selbst nehmen, fällt das gar nicht auf. Manche Sachen kann man ganz einfach verändern. Ich habe einfach beschlossen, dass Frau Lange jetzt Tee trinkt.
Von Anfang an oder erst jetzt?
Sarah Thonig: Vor allem seit dem Einzug ins Polizeisekretariat. Frau Lange und Herr Mohr trinken jetzt immer Tee zusammen und haben dadurch schöne gemeinsame Momente, weil Max Müller und ich einen Heidenspaß daran haben, uns verrückte Teesorten auszudenken.
Das ist bei den "Rosenheim-Cops" ein wunderschönes Geschenk, dass man mit so viel Charme, Wärme und Miteinander an diesen kleinen Schräubchen drehen kann.
Sarah Thonig über Marisa Burgers Abschied: "Mir ist die Kinnlade heruntergefallen"
Kommen wir noch einmal zum letzten Dreh mit Marisa Burger. Ihr wart sicherlich im engen Kontakt. Wie war der Abschluss? Seid ihr am nächsten Tag einfach ohne sie ans Set gekommen und habt die nächste Folge gedreht?
Sarah Thonig: Zum Glück nicht. Die "Rosenheim-Cops" gibt es eine große Wertschätzung füreinander und für das Miteinander – nicht nur vor der Kamera, sondern auch hinter den Kulissen. Der letzte Drehtag des Jahres war tatsächlich mit Marisa und sehr liebevoll.
Ich hatte danach noch lange Zeit, darüber nachzudenken, was das jetzt wirklich für mich bedeutet. Genau das, was du beschreibst, wäre total absurd gewesen. Wir haben im Herbst 2025 aufgehört und haben erst im April dieses Jahres mit der neuen Staffel begonnen, auch wenn wir vorher schon den Winterfilm gedreht hatten.
Als wir dann neu eingestiegen sind, habe ich gemerkt, dass ich mir lange viele Gedanken darüber gemacht hatte, wie das für das Team, für uns als Gruppe und für das Publikum ist. Dabei habe ich mich selbst fast ein bisschen vergessen. Irgendwann dachte ich: Jetzt sollte ich vielleicht auch einmal darüber nachdenken, was das für meine eigene Rolle bedeutet.
Hättest du erwartet, dass Marisa Burgers Abschied so große Wellen schlägt und bei den Zuschauern so ein großes Interesse auslöst?
Sarah Thonig: Ja. Ich schaue die Serie selbst und kenne sie seit ungefähr 20 Jahren. Dass ihr Abschied nicht einfach im Sande verläuft, war mir klar – gar nicht auf mich bezogen, sondern tatsächlich auf Marisa. Als mir das erste Mal gesagt wurde, dass Marisa entschieden hat, aufzuhören, ist mir auch die Kinnlade heruntergefallen.
Wenn wir auf die neue Staffel schauen: Worauf können sich die Zuschauer besonders freuen? Gab es für dich ein Highlight, einen bestimmten Moment oder vielleicht eine Lieblingsfolge, über die du schon etwas verraten kannst?
Sarah Thonig: Ich habe letzte Woche in einem Interview versucht, etwas über eine ältere Folge zu erzählen, in der es um mein Kartoffelsalatrezept geht. Dabei habe ich festgestellt, dass ich nicht sonderlich gut darin bin, "Rosenheim-Cops"-Geschichten packend nachzuerzählen.
Aber worüber ich mich am meisten freue, ist dieses neue Entdecken. Gemeinsam entdecken wir alle neue Verbindungen und neue Abläufe. Es macht Spaß zu sehen, wie Frau Lange im Kommissariat ankommt. Und es ist toll zu sehen, wie emotional das für die anderen Figuren ist. Neben der Suche nach dem Mörder wird dadurch auch das menschliche Miteinander neu erzählt und weiterentwickelt. Am meisten freue ich mich einfach darüber, dass Frau Lange so viel Spaß an ihrer Arbeit hat.
Ich bin auch sehr gespannt.
Sarah Thonig: Das ist ja auch schön. Früher hätte man sie wahrscheinlich nicht unbedingt damit verbunden, dass sie total Bock aufs Arbeiten hat, so oft wie Frau Lange ihr Handy in der Hand hatte. Aber das hat Frau Lange jetzt beispielsweise nicht mehr.
Ich glaube oder wünsche mir zumindest, dass man auf dem Bildschirm sieht, wieviel Spielfreude und Spaß wir bei den Dreharbeiten haben. Das ist eigentlich die Hauptsache. Ich gehe nach einem Drehtag nicht nach Hause und denke: "Mist, das war jetzt nicht gut. Ob das funktioniert?" Ich gehe nach Hause und denke: "Ach Mensch, wie schön." Ich glaube, diese Freude aller Beteiligten an dem, was wir machen dürfen, hat sich immer übertragen.
Du hast gesagt, dass du die Serie auch selbst schaust. Schaust du generell gerne solche humorvollen Serien? Von welchem Genre bist du Fan?
Sarah Thonig: Ich bin ein totaler Unterhaltungsfan. Ich finde das überhaupt nicht verwerflich, auch wenn man manchmal das Gefühl vermittelt bekommt, man dürfe sich nur hochtrabende Themen auf die Fahne schreiben. Aber Unterhaltung ist auch ein hohes Gut und eine große Kunst. Ich mag packende Geschichten genau wie eine gute Komödie. Ich mag Leichtigkeit. All das verbindet man mit solchen Formaten.
Hast du einen spontanen Streaming-Tipp oder einen Kino-Film, den du unseren Lesern empfehlen kannst?
Sarah Thonig: Oh ja! Den Kinofilm, "Kommissar Jennerwein - Hochsaison", in dem ich an der Seite von Florian Brückner eine der Hauptrollen spielen darf, startet am 5. November. Ein Krimi mit viel schwarzem Humor, den ich auf jeden Fall ans Herz legen kann. Er basiert auf einem Roman aus Jörg Maurers „Jennerwein“-Bestsellern und ich freue mich natürlich, wenn dies erst der Auftakt zu einer ganzen Reihe ist. Also: Bitte alle ins Kino gehen!
Das ist heutzutage ja leider nicht mehr so üblich, regelmäßig ins Kino zu gehen.
Sarah Thonig: Stimmt. Ich würde mir wünschen, dass man das Kino wieder mehr für sich entdeckt. Gerade heutzutage hast du mit dem Handy, dem Second Screen und allem drumherum eine ständige Reizüberflutung. Im Kino gehen die Lichter aus und das Handy bleibt die nächsten 90 Minuten in der Tasche.
Ich finde es schön, sich dadurch eine kleine Insel für Unterhaltung und etwas Schönes zu schaffen. Die Kinozahlen gehen wieder nach oben, was ich richtig toll finde. Das merke ich auch bei mir selbst. Ich war zwar schon immer Kinogängerin, aber im Vergleich zu den vergangenen Jahren wird es bei mir wieder mehr.
Nur noch eine letzte kleine Spaßfrage: Seid ihr mit dem Cast auf dem Oktoberfest?
Sarah Thonig: Ich mag die Wiesn und schlendere schon gerne mal darüber. Ich mag Tracht und den Gedanken dahinter. Aber diese unfassbaren Menschenmassen werden mir manchmal zu viel. Gerade am Wochenende mittags im Zelt.
Ich gehe lieber in Ruhe und gemütlich. Das genieße ich. Ich kaufe eine Bratwurstsemmel oder einen Schokoapfel. Manchmal liegt das Glück im Kleinen.
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