Patchwork-Reboot

"Türkisch für Anfänger": Kritik zur Komödie mit Josefine Preuß und Elyas M'Barek

02.09.2026, 06.15 Uhr
Bora Dağtekin erzählt die Kennenlerngeschichte der Familien Öztürk und Schneider neu. Der Kinofilm schickt Lena und Cem an den Traumstrand.

Von 2005 bis 2008 zofften, lachten und liebten sich die Mitglieder der Multikulti-Patchwork-Sippe Öztürk-Schneider im Vorabendprogramm der ARD durch die Serie "Türkisch für Anfänger". Im gleichnamigen Kinofilm von 2012 mussten sich die zwei grundverschiedenen Familien auf der Kinoleinwand erneut zusammenraufen – und das warf Fragen auf. Zum Beispiel, weshalb das Setting der Erfolgsserie von Berlin an weiße Traumstrände mit Palmen verlegt wurde. Oder weshalb sich die Charaktere noch einmal neu kennenlernen müssen, anstatt gemeinsam ein weiteres Abenteuer zu erleben.

ARTE
Türkisch für Anfänger
Komödie • 02.09.2026 • 20:15 Uhr

Serienschöpfer, Regisseur und Drehbuchautor Bora Dağtekin, der mit der Verfilmung seines Stoffs sein Kinodebüt gab, begründete die Entscheidung so: "Der Reboot ist eine typisch internationale Art der Adaption. Wir sind stolz, dass wir die Ersten sind, die das in Deutschland gemacht haben." Das Ergebnis – nun als Wiederholung bei ARTE zu sehen – ist allerdings eher durchwachsen.

"Türkisch für Anfänger": Kinofilm zur ARD-Erfolgsserie

Es schleicht sich relativ bald das Gefühl ein, dass Dağtekin nicht so recht wusste, in welche Richtung die cineastische Neuauflage seiner preisgekrönten Serie gehen sollte: Screwball-Komödie? Familien-Komödie? Ethno-Comedy? Von allem ist ein bisschen was dabei, doch die Mischung will sich einfach nicht zu einem homogenen Gesamtbild zusammenfügen. Da hilft es nur bedingt, dass der aus der Serie bekannte, schlagfertige Wortwitz und die leicht überzeichneten Charaktere, die nach wie vor vom TV-Ensemble gespielt werden, erhalten geblieben sind.

Lena und Cem zwischen Insel-Klamauk und Wortwitz

Die Protagonisten geraten gleich zu Beginn der Geschichte das erste Mal aneinander: Im Flugzeug in den Traumurlaub nach Thailand landet die kratzbürstige Lena (Josefine Preuß) ausgerechnet in Cems (Elyas M'Barek) Sitzreihe. Natürlich ist ihr der türkische Macho sofort unsympathisch. Zu allem Überfluss strandet sie nach der Notwasserung des Fliegers zusammen mit ihm, seiner traditionell muslimischen Schwester Yagmur (Pegah Ferydoni) und dem stotternden Griechen Costa (Arnel Taci) auf einer abgelegenen Insel irgendwo im Ozean.

Zwischen halbherzigem Überlebenskampf und der Suche nach einem geeigneten Nachtquartier finden teils recht unterhaltsame Wortgefechte zwischen den ungleichen Schiffbrüchigen statt. Allerdings geraten diese sympathischen Momente des Films durch sinnlos-pubertäre Intermezzi der Jungs – beispielsweise Dynamitfischen oder handfeste Schlägereien im weißen Sand – ins Hintertreffen. Den Darstellern gelingt es jedoch, ihre Figuren nie vollkommen lächerlich werden zu lassen – trotz der zahlreichen Klamauk-Elemente, die das Drehbuch bereithält.

"Türkisch für Anfänger" verliert den Charme der Serie

Der Weiterentwicklung der Figuren wurde in "Türkisch für Anfänger" viel Platz eingeräumt. Teilweise ist das durchaus gelungen, wenngleich die Wandlung gelegentlich etwas abrupt einsetzt. In einzelnen Momenten bietet der Film kurzweilige, solide Unterhaltung. Von dem Charme, der die Serie ausmachte, blieben jedoch nur Fragmente erhalten. Die Maxime, amerikanische Produktionen zu kopieren, um sich international zu geben, mag durchaus funktionieren. Ob dafür allerdings grundlegende Rahmenbedingungen wie Setting und Ausgangslage der Geschichte so stark verändert werden müssen, sei dahingestellt.

Türkisch für Anfänger – Mi. 02.09. – ARTE: 20.15 Uhr

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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