Gerichtsdrama

"Verleugnung": Kritik zum Drama mit Rachel Weisz in der ARD

08.11.2026, 06.00 Uhr
Der Film "Verleugnung" zeigt den erschütternden Prozess, in dem Historikerin Deborah Lipstadt beweisen musste, dass der Holocaust stattgefunden hat. Ein aufwühlendes Gerichtsdrama mit Rachel Weisz.

"Verleugnung" ist in doppelter Hinsicht erschreckend. Zum einen ist es schier unvorstellbar, dass die US-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt im Jahr 2000 vor einem britischen Gericht beweisen musste, dass es den Holocaust gegeben hat. Zum anderen gibt es diese bedrohlich aktuellen Bezüge: Fake-News, Geschichtsverfälschung, zu Fakten erhobene Meinungen gehören zum (medialen) Ton unserer Zeit, in der neuerdings Politiker aus aller Welt vorgeben wollen, was wahr sein darf. Es ist eine große Verantwortung, der sich Regisseur Mick Jackson ("Bodyguard") stellt. Mit einem ausgezeichneten, sehr respektvollen Drehbuch und hervorragenden Darstellern wird sein aufwühlendes Gerichtsdrama "Verleugnung" (2016) dieser Verantwortung gerecht. Das Erste wiederholt den sehenswerten und wichtigen Film nun zu später Stunde.

ARD
Verleugnung
Drama • 08.11.2026 • 23:35 Uhr

Die US-Professorin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) hatte den britischen Historiker David Irving (Timothy Spall) in ihrem Buch "Betrifft: Leugnen des Holocaust" (1994) als ebensolchen überführt und analysiert, wie Irving und andere Holocaust-Leugner historische Fakten verdrehen und Beweise manipulieren. Irving reichte daraufhin 1996 vor dem High Court of Justice in London eine Verleumdungsklage an: Nach britischem Recht muss die Beklagte beweisen, dass ihre Behauptungen wahr sind.

In der Konsequenz bedeutet das: Lipstadt musste im Prozess Anfang 2000 dem Gericht den Beweis liefern, dass der Holocaust tatsächlich stattgefunden hat. Lipstadt nahm diesen Kampf an, auch wenn sie sich nicht bewusst war, was da auf sie zukommen würde: ein kompliziertes britisches Rechtssystem, jahrelange, penible Vorbereitung mit ihren Anwälten Richard Rampton (Tom Wilkinson) und Anthony Julius (Andrew Scott) und vor allem ein stetes Ringen zwischen ihrem Unrechtsbewusstsein und juristischen Notwendigkeiten.

Der Kampf um die Wahrheit

In seinem Drehbuch verzichtete David Hare ("Der Vorleser", "The Hours") ganz bewusst auf emotionalisierende Schwarzweiß-Malerei. Die Spannung kommt aus den Dialogen: zwischen Lipstadt und ihren Verteidigern und vor Gericht. Hare hält sich dabei an Fakten und Beweise, die in den offiziellen Prozessakten einsehbar sind. Dialoge vor Gericht etwa wurden wörtlich übernommen.

Dadurch umgeht "Verleugnung" eine etwaige Versuchung, David Irving vorzuführen. Das ist gar nicht nötig: Jeder kann sich über den skurrilen Mann, den der großartige Timothy Spall menscheln lässt, selbst ein Bild machen und vermuten, was in ihm vorging.

Am Konflikt zwischen Herz und Verstand zerbricht Lipstadt beinahe. Sie muss hart mit ihrem Verlangen kämpfen, selbst in den Zeugenstand zu treten. Sie hätte Irving nur zu gerne die Meinung gesagt: weil jeder Mensch lautstark für die Wahrheit eintreten sollte. Doch ihre Anwälte raten ihr immer wieder ab. Gefühle machen angreifbar, und so bringt Lipstadt ihr ganz persönliches Opfer im Prozess: Es ist gewissermaßen die zweite Verleugnung im Film, und sie erinnert daran, dass es sich für die Wahrheit zu kämpfen lohnt. Egal wie schwierig das ist.

Verleugnung – So. 08.11. – ARD: 23.35 Uhr

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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