Herbert Achternbusch

Herbert Schild
Geboren: 23.11.1938 in München, Deutschland

Das bayerische Urgestein Herbert Achternbusch ("Es ist ein leichtes, beim Gehen den Boden zu berühren") kam als uneheliches Kind eines Zahnarztes und einer "sportlichen Schönheit vom Lande" zur Welt und wuchs hauptsächlich bei seiner Großmutter in einem Dorf im Bayerischen Wald auf. Noch während seines Abiturs kommt 1959 seine Tochter Eva zur Welt. Die Mutter des Kindes war eine Mitschülerin. Erst 1960 wird Herbert von seinem Vater adoptiert und trägt fortan den Namen Achternbusch. Nach dem Schulabschluss arbeitet er zunächst als Maler und Schriftsteller bevor er sich dem Film zuwendet. Während seiner Studiumzeit lernt er seine Frau Gerda kennen, die er 1962 heiratet. Doch von seiner Malerei konnte Achternbusch in dieser Zeit nicht leben; so war er auf Gelegenheitsjobs angewiesen.

Dies war wohl auch der Grund, warum er sich mehr und mehr der Schriftstellerei zuwandte, zumal ihm Autoren wie Hans Erich Nossack oder Martin Walser zu diesem Schritt rieten. Durch Walser kamen auch Kontakte zum Suhrkamp Verlag zustande, bei dem Achternbusch nach der Erzählungensammlung "Hülle" 1971 auch seinen ersten Roman "Alexanderschlacht" veröffentlichte. Bereits in diesen Werken wird Achternbuschs Außenseiter-Rolle klar umrissen. So kommt es auch 1977 zu einem Eklat, als Achternbusch den von Peter Handke verliehenen "Petracra"-Preis - gestiftet von der Burda-Zeitschrift "Bunte" - in Italien kurz nach der Verleihung verbrennt und die Schickeria-Veranstaltung unter Protest verlässt. Bevor er - nach den beiden Kurzfilmen "Das Kind ist tot" und "6. Dezember 1971" 1974 mit "Das Andechser Gefühl" seinen ersten eigenen Spielfilm drehte, wirkte er als Darsteller in Volker Schlöndorffs "Aufenthalt in Tirol" (1973) und in Werner Herzogs Kaspar-Hauser-Variante "Jeder für sich und Gott gegen alle" mit. Außerdem schrieb er gemeinsam mit Herzog das Drehbuch zu dessen Film "Herz aus Glas" (1976).

Achternbusch schuf eine Vielzahl eigenwilliger Werke, bei denen er - abgesehen von "Rita Ritter" (1983) - immer Produzent, Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich war. Dabei arbeitete der eigenwillige Allround-Künstler immer mit gleicher Crew, zu der Kameramann Jörg Schmidt-Reitwein und schauspielernde Freunde wie Heinz Braun, Alois Hitzenbichler, Sepp Bierbichler, Gabi Geist, Franz Baumgartner und Annamirl Bierbichler. Viele seiner Werke beschwörten Skandale herauf (wie etwa "Servus Bayern" von 1977 und "Das Gespenst" von 1982), auch wenn einige mit nationalen und internationalen Preisen versehen wurden (wie "Das letzte Loch" von 1981). Mit "Der Wanderkrebs" (1984) gelang ihm ein kleiner, tiefsinniger Geniestreich, dessen Qualität er mit allen Nachfolgewerken nicht mehr erreichen konnte.

Kino also als einfachste Form der Vermittlungsform: Achternbusch hat das in seinen Filmen immer berücksichtigt, auch wenn sie nicht leicht, nicht oberflächlich, immer sogar gegen den Strich gebürstet sind. Sie erklären die Dinge auf einfache Weise, sprechen die Sprache der Leute, das unterscheidet seinen Anarchismus von dem eines Vlado Kristl. Aus allen Filmen Achternbuschs spricht eine unbändige Liebe zum Kino und die gierige Lust, mit all seinen falschen, sich nur anbiedernden Freunden abzurechnen. In "Rita Ritter" heiratet ein Schriftsteller, nachdem all seine Stoffe beim Fernsehen abgelehnt wurden, eine Fernsehredakteurin, die an ihm "mehr Gefallen gefunden hat, als an seinen Drehbüchern". Doch auch die Ehe stimmt ihn nicht froh. So denkt er nach und erinnert sich an seine Jugendliebe Rita. Um ihr wenigstens geistig nahe zu sein, nennt er sich Rita - und wird immer mehr zu einer richtigen Frau. Jetzt beginnt der Erfolg: In Paris wird Ritas Theaterstück inszeniert - zur Premiere reist er/sie in die Seine-Stadt und trifft dort unter den Schauspielerinnen die Jugendliebe Rita. Die Liebe ist nicht verflogen, das Glück ist groß. Die Hauptrollen spielen Armin Mueller-Stahl und Eva Mattes.

Das Kreuz-und-quer-Denken, eine typisch bayerische Eigenart, hat Herbert von seinem großen Vorbild Karl Valentin. Im Verlauf seiner Karriere als Filmer ist Achternbusch immer grimmiger, sarkastischer, böser geworden. Spröde ist jetzt sein Stil, kaum findet man noch liebenswerte, schmunzelnde Aperçus. Für geringstes Budget dreht der von den Förderungsgremien missachtete Künstler seine Filme auf Super-8-Format - und erreicht dennoch eine seltene poetische Kraft. In seinem Theaterstück "Weißer Stier" sagt er: "Wenn ich Filme machen könnte, dann brauchte sich mein Publikum nicht mehr durch die Stücke zu quälen."

Weitere Filme von Herbert Achterbusch: "Die Atlantikschwimmer" (1975) - hieraus stammt der häufig zitierte Satz: "Du hast keine Chance, aber nutze sie!" -, "Bierkampf" (1976), "Der junge Mönch" (1978), "Der Komantsche " (1979), "Der Neger Erwin" (1980), "Der Depp" (1982), "Die Olympiasiegerin" (1983), "Blaue Blumen" (1984), "Die Fönforscher" (1985), "Heilt Hitler!" (1985), "Punch Drunk" (1986), "Wohin?" (1987), "Mix Wix" (1989), "Hick's Last Stand" (1990), "I know the way to the Hofbrauhaus" (1991), "Niemandsland" (1991), "Ich bin da, ich bin da" (1992), "Ab nach Tibet" (1993), "Hades" (1994), "Picasso in München" (1997) und "Neue Freiheit - Keine Jobs" (1998).


Zur Filmografie von Herbert Schild
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