Stuttgart spielt mit den digitalen Gefahren der Gegenwart.

HAL 9000, so hieß der Computer in Stanley Kubricks epochalem Sci-Fi-Film "2001 - Odyssee im Weltraum" aus dem Jahr 1968. Wer HAL abschalten wollte, wurde selbst ausgeschaltet – getötet. Mittlerweile hat sich die Zukunft in Gegenwart verwandelt, der Stuttgarter Tatort: HAL erzählt davon.

Bei der Online-Firma Bluesky, deren reichlich gemischtes Programm sowohl Escort-Service, schnellen Hotel-Sex wie auch die Früherkennung von potentiellen Straftätern umfasst, laufen die Rechnerkapazitäten aus dem Ruder. Das ist durchaus gewollt.

Der Rechner soll selbstständig lernen, nur dass er sich, einmal auf den Geschmack gekommen, genauso wenig stoppen lässt wie der Besen in Goethes Gedicht "Vom Zauberlehrling", worin das Dilemma unserer Algorithmenwelt schon bestens erfasst wurde.

Der Entwickler Bogmann (Ken Duken) will Bluesky in Schranken weisen, zum Dank wird er bald eines Prostituiertenmordes beschuldigt. Was bei HAL ein rotes Kameraauge war, ist bei Bluesky eine äffische Bildschirmfratze. Die Ermittler Lannert und Bootz hinken dem Rechner stets um mindestens ein manipulatives Gedankenspiel hinterher.

Das ist das Faszinierende an diesem Tatort (Buch und Regie: Niki Stein): Die Polizei stellt sich gegenüber dem Verbrechen, das aus dem Rechner kommt, nachvollziehbar begriffsstutzig an, und auch Staatsanwältin Alvarez schwebt ohne das nötige juristische Rüstzeug im Tal der digitalen Hilflosigkeit.

Gewiss, und das mag eine Konzession an das Krimi-Publikum sein, am Ende stellt sich der Mord als handfeste Tätlichkeit vor. Aber die Verstörung bleibt.