Lulu ist ein begeisterter Polizist, der durch seinen Arbeitseifer immer wieder mit seinen Vorgesetzten in Konflikt gerät. Familiäre Beziehungen bewegen sich bei ihm und seinen Kollegen stets am Rande der Katastrophe - unausweichliches Ergebnis von unregelmäßiger Arbeitszeit und dem Seiltanz zwischen Gesetz und Gesetzesbrechern. Bei allem Sinn für Realität ist Lulu immer noch ein liebenswerter Menschenfreund geblieben, der irgendwie an das Gute im Menschen glaubt. Er will wissen, wie die Menschen "da draußen" leben, und deshalb sieht er in den kleinen Rauschgift-Dealern und -Usern, die ihm Informationen liefern, nicht nur nützliche Werkzeuge. Doch seine Hoffnung, dass man die "Großen" schnappen könnte, wenn man die "Kleinen" laufen lässt, wird von seinen Vorgesetzten immer wieder zunichte gemacht. Ihnen ist es egal, ob da einer in die Falle geht, der fünf Gramm in der Tasche hat, oder einer, der hunderte von Kilogramm verkaufen will: Hauptsache, die Statistik stimmt.

Bertrand Taverniers ("Der Saustall") Kriminalfilm war beim Filmfestival in Venedig 1992 der meistdiskutierte und umstrittenste Film. Dieser "Polizeifilm", dessen Orginaltitel "L. 627" auf das entsprechende französische Gesetz hinweist, das den Besitz, Handel und Konsum von Drogen untersagt, wurde in äußerst kontroverser Weise aufgenommen. Was für die einen realistische Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse war, die die Arbeit der Polizei und ihre Ohnmacht vorführt, wurde von anderen als Ruf nach Gesetz und Ordnung verstanden und sogar wegen angeblich rassistischer Untertöne kritisiert. Dabei enthält sich Tavernier weitgehend eines Urteils - er führt den Alltag auf der Straße vor. Den fast dokumentarischen Charakter seines Films erreichte er mit großem Aufwand und komplizierten Atelierbauten. Was wie mitten aus dem Leben gegriffen wirkt, ist größtenteils teure Rekonstruktion im Studio.