Anfang der Sechziger Jahre hat der aufstrebende Anwalt Paul Wegener allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Die Bemühungen seines Sozius Horst Bauer, für ihre neu gegründete Kanzlei zahlungskräftige Mandanten aus der Industrie zu gewinnen, tragen erste Früchte, und bei Pauls Frau Vera ist ein Kind unterwegs. Schnell vergessen ist da das Mandat für einen scheinbar unbedeutenden Scheidungsfall, bei dem ein Kind im Spiel ist, das mit schweren Fehlbildungen geboren wurde. Erst als auch seine Frau Vera ein fehlgebildetes Kind zur Welt bringt, dämmert Paul, dass zwischen den beiden Geschichten ein Zusammenhang besteht. Sollte das Medikament Contergan schuld an den Fehlbildungen sein, jenes Präparat, das ausgerechnet von derjenigen Firma produziert wird, die der Kanzlei lukrative Industriemandate vermittelt hat?

Adolf Winkelmann ("Das Leuchten der Sterne") bietet einen zwar fiktiven, emotionsgeladenen, aber exemplarischen Abriss jener Ereignisse, die seinerzeit die Republik erschüttern. Noch heute leiden die Betroffenen an den Spätfolgen. Die Fakten des Zweiteilers (2. Teil: "Contergan - Der Prozess") stimmen, die Schauspieler sind stark, das Zeitkolorit ist stimmig und die Geschichte fesselt von Beginn an. Zynismus am Rande: "Contergan"-Hersteller Grünenthal versuchte die Ausstrahlung massiv zu verhindern, zahlreiche Gerichte wurden bemüht, dann allerdings einigte man sich auf außergerichtlichem Wege. "Contergan" wurde 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis als bester Film ausgezeichnet.

Foto: WDR/Willi Weber