Frankreich 1950: Seitdem ihre Mutter sie verlassen hat, lebt die ungestüme Janine bei Verwandten in einer französischen Kleinstadt. Nach Schulschluss schlüpft die 16-jährige Einzelgängerin in Seidenstrümpfe und Pumps, raucht Ami-Zigaretten und schaut sich romantische Kinofilme an. Dass sie auch noch klaut wie ein Rabe, wird Janine zum Verhängnis. Als man sie zum wiederholten Male ertappt und zur Rede stellt, flüchtet sie nach Paris. Dort nimmt sie eine Stelle als Dienstmädchen an und lernt den 40-jährigen, verheirateten Michel kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt. Durch Zufall macht Janine auch die Bekanntschaft des jugendlichen Kleinganoven Raoul, in dem sie einen Seelenverwandten findet. Fortan führt sie ein doppeltes Liebesleben...

Mit Gefühl und Sympathie für eine sprachlose, aufbegehrende Jugend verfilmte Claude Miller 1988 das letzte Drehbuch seines verstorbenen Meisters Truffaut: "La petite voleuse". Truffaut selbst war nicht mehr dazu gekommen, sein Drehbuch umzusetzen, er starb 1984 im Alter von nur 52 Jahren an einem Hirntumor. Miller arbeitete von 1968 bis 1975 als Produktionsleiter an verschiedenen Filmen von François Truffaut mit, eine Erfahrung, die ihn entscheidend prägte. Für "Die kleine Diebin" erhielt Miller 1989 den Filmpreis der Französischen Filmkritik. Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg, die Miller drei Jahre zuvor für seine Regiearbeit "Das freche Mädchen" entdeckt hatte, wurde für die Rolle der ungestümen Janine für den César nominiert.