Am Anfang war es eine politische Äußerung, ein alternatives Lebensprojekt. Das Private sollte auch politisch sein, und das sollte sich nicht nur auf Demos äußern, sondern auch in einem von Grund auf anderen Leben. Doch die Zeit ist nicht spurlos vorüber gegangen an der "Autonomen Bebelstraße 77", einer der letzten linken WGs ihrer Art. Seit fast zwanzig Jahren lebt Rainer dort mit wechselnden Mitbewohnern im Haus seiner Eltern: im Moment mit Marie, der Mutter seiner Tochter Rosa, mit Sven, dem gutmütigen Riesen-Baby, der auf dem Klo Würstchen isst und nie eine Freundin hat, mit Jürgen, dem Langzeitarbeitslosen ohne Antrieb, mit Sönke, dem Kiffer. Die Ideale von früher sind erstarrt zu einem behäbigen Alltag. Der Zeitgeist ist gegangen, die "Autonome Bebelstraße" bleibt. Rainer, der sich immer noch den Anstrich des Spontis gibt, fungiert als patriarchalischer Einpeitscher inhaltsleerer Rituale. So zwingt er den anderen allmorgendlich eine Diskussionsrunde auf, die diese schon lange nicht mehr wollen. Rainer ist als Anti-Hierarch hierarchischer als der Papst - nur nicht, wenn es um seine eigenen Interessen geht. Dann drückt er gerne ein Auge zu. So, als er die junge, attraktive Eva in die WG bringt. Die soll sich nicht an die Regeln halten müssen, die für alle gelten. Womit Rainer nicht gerechnet hat: Mit Eva bringt er selbst einen Stein ins Rollen, der in der "Autonomen Bebelstraße" nichts mehr so lassen wird, wie es einmal war ...