Als das Halbblut Keoma aus dem Bürgerkrieg zurückkommt, herrscht in seiner Heimatstadt das Chaos: Die Pockenseuche hat sich unter den Bewohnern ausgebreitet und fordert zahlreiche Opfer. Der Ort wird von dem Verbrecher Caldwell kontrolliert, unter dessen Kommando die Seuchenkranken in einer alten Minensiedlung zusammengetrieben werden, wo sie abgeschnitten von medizinischer Versorgung einem qualvollen Tod erliegen. Wer sich zur Wehr setzt oder die Flucht wagt, wird hinterrücks erschossen. Schließlich versucht Keoma mit der Unterstützung seines Adoptivvaters und eines alten Jugendfreundes, der Terrorherrschaft ein Ende zu bereiten...

Enzo G. Castellari inszenierte dieses drastische Werk mit Franco Nero, der mit seiner Darstellung auf den Erfolg als Rächer "Django" abzielte. "Keoma - Ein Mann wie ein Tornado" gilt als letztes großes Meisterwerk des Italo-Western. Zwischen Passionsgeschichte und erbarmungslosem Abrechnungs-Western angesiedelt, gehört das Werk zu den ungewöhnlichsten und düstersten Filmen des Genres, dessen apokalyptische Stimmung aus einem starken Hang zur Bitterkeit und einer opernhaft inszenierten, archaischen Gewalt entsteht. Der Film ist gespickt mit Western-Zitaten und -Anspielungen, mit mythischen Allegorien und wehmütigen Motiverinnerungen. Darüber hinaus ist er auf visueller Ebene eine Liebeserklärung an die Kinematografie: Extreme Zeitlupen, dynamische Cinemascope-Bilder, hoch assoziative Kameraführung und Montage verbinden in einem ständigen Vexierspiel Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Dadurch entsteht ein Spätwestern mit psychedelischen wie surrealen Qualitäten.

Foto: ARD/Degeto