Eine junge Frau mit grell rot gefärbten Haaren hastet durch die Straßen von Berlin. Lola, so heißt die Frau, rennt, was das Zeug hält. Denn sie will verhindern, dass ihr Freund Manni eine Dummheit begeht. Kurz zuvor hat er ihr am Telefon gestanden, dass ihm 100000 Mark abhanden gekommen sind und dass er gleich aus Angst vor seinem Chef zwecks Geldbeschaffung einen Supermarkt überfallen will. Nun sucht Lola verzweifelt nach Möglichkeiten, das Geld anders zu besorgen. Ihr Vater arbeitet immerhin in einer Bank ...

Der in Wuppertal geborene Regisseur Tom Tykwer, der schon mit seinem Film "Winterschläfer" einen Achtungs-Erfolg in deutschen Kinos erzielte, überraschte mit "Lola rennt" Kritik wie Publikum: Knackig-kurze 80 Minuten, in denen auch noch gleich drei Varianten einer Geschichte erzählt. Denn hier wird gekonnt und überaus ideenreich mit dem "Multiple Choice"-Gedanken gespielt: Was wäre wenn die Protagonistin hier eine Sekunde später gewesen wäre, dort anders reagiert oder eine andere Entscheidung getroffen hätte? Außerdem werden mit wenigen Polaroid-Fotos kurze Lebenswege völlig beiläufiger Figuren erzählt. Ansonsten ist der Titel Programm und Franka Potente als Lola rennt beinahe während des gesamten Films. Nahezu alle technischen Möglichkeiten und filmischen Errungenschaften nutzend, wechselt Tykwer von Video- zu Kinofilm, von Digital- über Farb- zu, Schwarzweiß- Bildern oder gar von Real- zu Zeichentrickfilm. Hat man sich erst einmal an den zu Beginn etwas nervigen Techno-Beat gewöhnt, erwartet einen der kurzweiligste, witzigste Streifen des ausgehenden 20. Jahrhunders.

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