Bis zu ihrem frühen Tod war sie einer der wichtigsten deutschsprachigen Schauspielerinnen sowohl auf der Bühne wie im Film: Monica Bleibtreu. Nach ihrer Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien stand sie auf den bedeutendsten Bühnen im deutschsprachigen Raum. Das Wiener Burgtheater zählt dazu, ebenso das Theater Wien, die Kammerspiele München, die Schaubühne Berlin, das Schillertheater Berlin, die Salzburger Festspiele, die Freie Volksbühne Berlin und das Schauspielhaus Hamburg. Monica Bleibtreu arbeitete jedoch auch auf dem Fernseh- und Kinosektor. Seit 1969 übernahm sie Rollen fürs Fernsehen und 1972 stand sie erstmals für einen Kinofilm vor der Kamera, für Hans Jürgen Syberbergs symbolistisches Monarchenporträt "Ludwig - Requiem für einen jungfräulichen König".

Es folgten unter anderem die Peter-Patzak-Filme "Der Joker" (1986), "Killing Blue" (1988) und "Das Dorf an der Grenze" (1991), außerdem Bernd Schadewalds "Kinder des Satans" (1995), Matti Geschonnecks "Angst hat eine kalte Hand" und Michael Junckers "Frauen lügen nicht" (beide 1996) sowie Serienfolgen wie Kai Wessels "Doppelter Einsatz", Hajo Gies' "Die Gang".

Kinorollen übernahm Monica Bleibtreu unter anderem in Uwe Schraders "Mau Mau" (1992) und an der Seite von Barbara Auer in Einar Heimissons isländisch-deutscher Co-Produktion "Maria" (1997). Danach sah man Monica Bleibtreu in Helmut Griesmayrs "Die einzige Chance" (1997), in Joseph Vilsmaiers Kinoflopp "Marlene" (2000), in "Abschied - Brechts letzter Sommer" (2000), in "Polt muss weinen" (2000), in "Die Manns - Ein Jahrhundertroman", "Blumen für Polt" (beide 2001), in dem Thriller "Tattoo" sowie in "Der Stellvertreter", "Bibi Blocksberg" (alle 2002) und "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen" (2004).

Dank der grandiosen schauspielerischen Leistung von Monica Bleibtreu gelang Regisseur Rainer Kaufmann ("Die Kirschenkönigin") 2004 mit "Marias letzte Reise" ein ergreifendes Melodram über Sterben, Liebe, Respekt und Würde. Bleibtreu spielte die grantige 71-jährige Bäuerin Maria. Sie hat Krebs, will aber raus aus dem Krankenhaus. Sie sehnt sich nach ihrem bayrischen Hof, den Blumen und den Obstbäumen. Ihr Wunsch: endlich in Ruhe sterben und nicht noch eine quälende Chemotherapie ertragen müssen. Doch auch das friedliche Sterben im Kreise der Familie hat seine Tücken... Für ihr alles überragende Spiel wurde die Darstellerin 2005 sowohl mit dem Deutschen Fernsehpreis als auch dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Zusammen mit Kaufmann und Autorin Ariela Bogenberger erhielt sie außerdem 2006 den Adolf Grimme Preis in Gold.

Viel Lob gab es auch für das Drama "Vier Minuten" von Chris Kraus,in dem Monica Bleibtreu eine 80-jährige Gefängnis-Klavierlehrerin verkörperte, die das Vertrauen der aufmüpfigen 21-jährigen Insassin Jenny (Hannah Herzsprung) gewinnt. In seiner Vielschichtigkeit weiß dieses packende Porträt über das Leben Gestrauchelter allerdings auch einiges über den Generationenkonflikt, eine Lehrer- und Schülerbeziehung und natürlich über die Missstände im Gefängnis zu sagen. Für ihre überzeugende Darstellung der alten Lehrerin wurde Monica Bleibtreu 2007 mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Darstellerin ausgezeichnet.

"Ein starker Abgang" gelang Monica Bleibtreu 2008 in der gleichnamigen Tragikomödie in der Rolle der naturgläubigen Ernährungsberaterin Vera Hartel, die sich eines alternden fast vergessenen Schriftstellers und Misanthrops, der an einer Magenerkrankung leidet, annimmt. Die selbstbewusste, freundliche und unerbittliche Frau macht ihn von Beginn an buchstäblich wahnsinnig. Dann begleitet sie ihn auch noch auf seiner Lesereise durch die Provinz. Klar, dass das Unterfangen zu einem Dauerduell ausartet... Mit dem brillant aufspielenden Darstellerduo Bleibtreu/Ganz ist dies ein unglaublich starkes Duell mit nachdenklich stimmenden Humor, wie man es gerne häufiger sähe. Monica Bleibtreu starb nach langjähriger Krebserkrankung nur 10 Tage nach ihrem 65. Geburtstag.

Von 1993 bis 1998 lehrte die Mutter von Moritz Bleibtreu Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Weitere Filme mit Monica Bleibtreu: "Adele Spitzeder", "Ludwig II - Requiem für einen jungfräulichen König" (beide 1972), "Tatort - Der Mann aus Zimmer 22" (1974). "Alpensaga" (TV-Mehrteiler, 1976), "Lemminge" (1979), "Tatort - Alles umsonst" (1979), "Lebenslinien", "Wohin und zurück - An uns glaubt Gott nicht mehr", "Tatort - Blasslila Briefe" (alle 1982), "Mit meinen heißen Tränen" (1988), "Tatort - Tod eines Mädchens", "Tatort - Tod im Häcksler" (beide 1991), "Die Männer vom K 3 - Made in Hongkong" (1993), "Tatort - Das Totenspiel" (1996), "Ärzte - Dr. Vogt", "Das Siegel", "Rosenzweigs Freiheit" (alle 1997), "Delta Team - Auftrag Geheim!", "Der Hurenstreik - Eine Liebe auf St. Pauli", "Dr. Robert Schumann, Teufelsromantiker", "Liebe Deine Nächste!", "Totalschaden" (alle 1998), "Der Nebelmörder - Schatten über der Stadt", "Die Nichte und der Tod", "Ein einzelner Mord", "No Sex", "Schwiegermutter" (alle 1999), "Babykram ist Männersache", "Für die Liebe ist es nie zu spät", "Happy Hour oder Glück und Glas ...", "Tatort - Mauer des Schweigens" (alle 2000), "Verlorenes Land" (2001), "Der Pfundskerl", "Tatort - Der Passagier", "Eine Liebe in Afrika" (alle 2002), "Gefährliche Gefühle", "Donna Leon - Feine Freunde", "Himmel, Polt und Hölle", "Polterabend" (alle 2003), "Wilsberg - Tödliche Freundschaft", "Wellen" (alle 2004), "Maria an Callas", "Ein starkes Team - Zahn um Zahn" (beide 2005), "Eine Liebe in Saigon", "Kommissarin Lucas - German Angst", "Donna Leon - Endstation Venedig", "Bella Block: Mord unterm Kreuz" (alle 2006), "Max Minsky und ich", "Die zweite Frau", "Was, wenn der Tod uns scheidet?", "Das Herz ist ein dunkler Wald" (alle 2007), "Hilde", "Tannöd", "Soul Kitchen", "Ladylike - Jetzt erst recht!" (alle 2009).