Wie viele seiner Schulkameraden wird Erich Paul Remark (so der Geburtsname des Dichters) unmittelbar nach seinem 18. Geburtstag eingezogen und kommt wenig später an die Westfront. Der Stellungskrieg dauert bereits mehrere Jahre und bringt den Männern in den Schützengräben Tod und schreckliche Verletzungen. Von der anfänglichen Kriegsbegeisterung bei Deutschen und Franzosen ist nichts geblieben, ein Sinn oder gar eine vaterländische Pflicht in dem Morden ist für keinen Soldaten erkennbar. Remarque registriert die Kriegsmüdigkeit und durchleidet, empfindsam und gerade der Kindheit entwachsen, mit seinen Kameraden gemeinsam das Unverständliche. Selbst schwer verwundet, auch vom Tod der Mutter hatte er gerade Nachricht, zwingt ihn der Lazarettaufenthalt zur Selbstbesinnung. Er beginnt, seine Erinnerungen zu notieren und sammelt, was die Leidensgenossen von ihren Fronterfahrungen berichten. In seine Vaterstadt Osnabrück zurückgekehrt, mochte er die Ausbildung im Lehrerseminar nur widerwillig fortsetzen. Sein Wunsch, Schriftsteller zu werden, und Gedanken, Wünsche und Lebenshoffnungen nieder zu schreiben, findet in literarischer Arbeit Ausdruck.

Ende 1928 bringt der Ullstein Verlag "Im Westen nichts Neues" als Fortsetzungsroman in der "Vossischen Zeitung" heraus. Die Reaktionen der Leser sind überwältigend. Die spätere Buchausgabe des Romans hat sensationellen Erfolg: "Im Westen nichts Neues" wird eines der weltweit meist gelesenen Bücher. Der Roman wird in mehr als 50 Sprachen übersetzt und prägt die Vorstellungen vom Ersten Weltkrieg bis heute. Regisseur Hanno Brühls Dokumentarspiel erzählt die Entstehungsgeschichte des Buches, das aus heutiger Sicht schwärmerisch und übertrieben ausschweifend Remarques Vorstellungen und Herzensstimmungen schildert. Ernst und die seelische Not der Kriegszeit scheinen verflogen. Doch zunächst stürzt ihn der Misserfolg seines ersten Werkes "Die Traumbude" in eine Lebens- und Schaffenskrise. Später greift er die alte Romanidee wieder auf und schreibt weiter an dem Buch, das ihn seit 1918 verfolgt. Nach fast 10 Jahren ist die Arbeit beendet. Doch die Reaktion des Verlegers entmutigt ihn. Erst mit der Veröffentlichung durch den Ullstein Verlag wendet sich das Blatt. Sich der Verkaufspolitik des Verlages zuordnen zu müssen und entgegen der Wahrheit öffentlich einen Schaffensprozess darzustellen, der das Buch als "schier über Nacht entstanden" und als eine "von der Seele geschriebene Qual" deklariert, stürzt ihn jedoch in heftige Skrupel. Als dann die Anfeindungen von Rechtsnationalen und Nationalsozialisten beginnen, sieht sich Remarque, der sein Buch nie als politische Stellungsnahme versteht, ernsthaft bedroht. Remarque flieht am 29. Januar 1933 in die Schweiz und emigriert später in die USA. Historisches Filmmaterial lässt die Zeit zwischen 1916 und 1933 aufleben und wird mit Szenen der wichtigen Lebensstationen des Dichters verknüpft. Literaturwissenschaftler und Zeitzeugen aus Osnabrück erinnern an sein bewegtes Leben. Im Dezember 1930, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen "Machtergreifung", kommt die Im Westen nichts Neues, Regie: Lewis Milestone, Produzent: Carl Laemmle, Universal, in die Kinos. Goebbels organisiert Krawalle während der Filmvorführungen und erreicht nach wochenlangen Tumulten ein Aufführungsverbot. Die Begründung der amtlichen Film-Oberprüfstelle: das deutsche Ansehen in der Welt sei durch den Film gefährdet.

Foto: NDR/Jörg Landsberg