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Bertoluccis Filme sind schwelgerisch, episch, phantastisch und agressiv politisch zugleich. Er provoziert den Zuschauer, konfrontiert ihn mit der Wahrheit und lässt uns doch an Emotionen teilhaben. In seinem Denken fühlt er sich beeinflusst von Sigmund Freud, Karl Marx und Guiseppe Verdi. 1968 gehört er wie Jean-Luc Godard oder Pier Paolo Pasolini zu den Rebellen, die in den europäischen Zentren gegen den Krieg in Vietnam protestieren.
Er ist von Jugend an am Kino interessiert, das verstärkt sich beim Studium der modernen Literatur an der römischen Universität. Zum Film kommt er durch seinen Vater. Attilio Bertolucci ist ein bekannter Dichter und über ihn macht er die Bekanntschaft mit Pier Paolo Pasolini. 1961 lässt er einen Kurs in moderner Literatur an der Universität Rom sausen, um Regieassistent bei Pasolini zu werden, der gerade "Accattone" dreht.
Ein Jahr später veröffentlicht Bertolucci "In verca de mistero", eine Sammlung von Gedichten, für die er Preise erhält. Dann schreibt er das Drehbuch für seinen ersten Film, "La commara secca" (1962) nach einem Thema von Pasolini, das aber in seinen Intentionen vom Thema des Autors abweicht. Der Film erhält gute Kritiken, das ermutigt den Regisseur zu seinem nächsten Film. "Vor der Revolution" entsteht 1964. Mit diesem ein bisschen auch autobiografischen Film etabliert er sich als einer der Neuerer des internationalen Kinos.
Im Mittelpunkt steht ein gut situierter Stundent aus Parma, der dabei scheitert, als er versucht, an einer grundlegenden Erneuerung der Gesellschaft mitzuwirken. Er verlässt seine schöne, aber nichtssagende Braut, tut sich mit der kämpferischen Gina zusammen, wirft den Kommunisten vor, dass sie den Traum vom bürgerlichen Leben nähren. Dann kehrt er resignisert zurück, heiratet die Braut doch noch, die Resignation hat er nicht verloren.
Danach kommen schwere Jahre. Bertolucci bekommt das Geld für den nächsten Film nicht zusammen. Er dreht einen dreiteiligen Film für das italienische Fernsehen und den Kurzfilm "I canale" gemeinsam mit Julian Beck und Judith Malina vom "Living Theatre". Jetzt entsteht auch "Partner" nach einem Roman von Dostojewski.
Das unermesslich harte Schicksal von Dostojewskis Romanhelden Raskolnikow, gebrochen durch die unverbindlich ironische Spielerei von Georges Neveux oder die faszinierenden Farcen Eugéne Ionescos finden sich in Bertoluccis Film ebenso wie die Einflüsse Godards, mit dem er zu der Zeit befreundet ist. Für den Helden Giacobbe wird die fixe Idee vom absoluten Theater, das Publikum und Schauspieler verschmelzen lässt, zum Albtraum. Eines Tages steht Giacobbe vor seinem imaginären Doppelgänger, dem er all das übertragen kann, wozu er selbst nicht fähig ist. Seltsamerweise ist Bertolucci später immer ausgewichen, über diesen Film zu sprechen.