Jean Renoir

Jean Renoir
Geboren: 15.09.1894 in Paris, Frankreich
Gestorben: 12.02.1979 in Beverly Hills, Los Angeles, Kalifornien, USA

Sein Verhältnis zur Natur, zur Familie und zur Kunst hat durch alle seine Kinoepochen hindurch sein Werk beeinflusst. Jean Renoir, Sohn des impressionistischen Malers Auguste Renoir und jüngerer Bruder des Schauspielers Pierre Renoir, wurde zwar in Paris geboren. Doch die meiste Zeit seiner Kindheit verbrachte er in der Provence. Er war einer der ganz großen des französischen, ja des internationalen Kinos. Wann immer von Kritikern und Filmhistorikern die Liste der zehn wichtigsten Filme genannt wurde, war Renoir der einzige, den man unisono zweimal nannte: "Die große Illusion" (1937) und "Die Spielregel" (1939).

Jean Renoir war ursprünglich Keramiker. Nach Studien in Paris begann er als Journalist und Schriftsteller, bis er durch die Bekanntschaft mit Alberto Cavalcanti 1924 zum Film kam. Für "Ein freudloses Leben" (Regie: Albert Dieudonné) schrieb Renoir nicht nur das Drehbuch, er steckte auch viel Geld in die Produktion, um so seiner jungen Frau, der Hauptdarstellerin Catherine Hessling, zu einer schnellen Karriere zu verhelfen. Im gleichen Jahr lieferte Renoir mit "Das Mädchen vom Fluss" sein Regiedebüt, in dem wiederum seine Frau - wie in den zwei folgenden Filmen - die Hauptrolle spielte. Außerdem arbeitete Renoir hier erstmals mit seinem Bruder Pierre, der in einer kleinen Rolle als Bauer zu sehen ist.

Unter Renoirs Stummfilmen ragen "Die Tochter des Wasser" (1924), "Nana" (1926) und "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern" (1928) heraus. Nach "Baby wird bestraft" war "Die Hündin" (1931) sein zweiter Film aus der Tonfilmepoche: Jeden freien Augenblick nutzt Maurice Legrand alias Michel Simon für sein Hobby, die Malerei. Dabei macht ihm seine zänkische Frau Adèle das Leben zur Hölle. Eines Tages aber lernt er die Prostituierte Lulu kennen und fühlt sich bei ihr geborgen, verstanden, vor allem aber ermuntert in seiner Liebe zur Kunst. Doch dann entdeckt der tief getroffene kleine Mann, dass Lulu nur hinter seinem Geld her ist. Er tötet sie, und ihr Zuhälter wird verhaftet. Am Ende streift Maurice als Clochard durch Paris.

1934 begründet Renoir mit "Toni" lange vor den Italienern eine Art neorealistisches Kino. Hier arbeitete er erstmals mit seinem Neffen Claude Renoir als Kameramann. Die Liebes- und Sozialtragödie eines italienischen Gastarbeiters in Südfrankreich erschüttert vor allem durch die Mischung aus Poesie und Realismus, die bereits 1932 in der Gesellschaftssatire "Boudu - Aus den Wassern gerettet" anklangen. "Boudu" wurde übrigens 1986 von Paul Mazursky unter dem Titel "Zoff in Beverly Hills" und nochmals 2005 als "Boudu" neu verfilmt.

Wirklichkeit und Poesie, Phantasie und tägliches Leben - das gilt auch für "Das Verbrechen des Herrn Lange" (1935). François Truffaut bezeichnet diesen Film als den spontansten und schönsten Film Jean Renoirs. Jacques Prévert hatte das Drehbuch geschrieben, die "Oktobergruppe", eine linkspolitische Künstlergruppe, der Renoir damals nahestand, war an der Arbeit beteiligt." Das verbrecherische Leben des Monsieur Lange" ist ein Film über den Missbrauch wirtschaftlicher Macht, über das Militär, über die Hoffnung auf Veränderung und sozialen Fortschritt.

Ganz anders, eher Gedichte über Landschaft und Menschen, sind die beiden Filme "Eine Landpartie" (1936) und "Das Frühstück im Grünen" (1959). Die romantische Landpartie einer Pariser Kleinbürgerfamilie basiert auf einer Novelle von Guy de Maupassant. Der Torso, bei dem Jacques Becker, Luchino Visconti und Yves Allégret als Regieassistenten mitgewirkt hatten, wird erst 1946 mit Zwischentiteln aufgeführt. Er wirkt wie eine Etüde filmischer Landschaftsmalerei und dient Renoir später als Vorlage für "Frühstück im Grünen".

Dieses Wiesenfest soll einem Biologieprofessor, der sich für künstliche Befruchtung einsetzt (1959!), einen Chemiekonzern im Hintergrund hat und sich fürs Europaparlament bewirbt, den Wahlsieg sichern, doch ein plötzlicher Sturm macht die schöne Ordnung zunichte. Der neue Film ist zwar gröber und handfester, doch Charme und Phantasie suchen seinesgleichen, zumal der Professor immer wieder von der Schönheit einiger Frauen fasziniert ist und bald dahinterkommt, dass Befruchtung durch Sex durchaus ihren Reiz besitzt.

"Die große Illusion" (1937) ist sicher der berühmteste Renoir-Film. Er entsteht kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs und handelt vom Ersten. Hier halten sich sozialer Scharfblick und pazifistischer Romantizismus die Waage. Vertreter verschiedener sozialer Milieus, die die großen Ereignisse nicht durchschauen, stehen im Mittelpunkt: Der Mechaniker (Jean Gabin), der Jude (Dalio), der populäre Schauspieler Carette, der preussische Ritter mit Monokel und schnarrender Stimme (Erich von Stroheim) und sein Gegenspieler auf der französischen Seite, Hauptmann de Boeldieu (Pierre Fresnay). Sie beide betrachten den sozialen Aufstieg der "anderen Klassen" als bedenklich, während jene ins friedliche Schweizer Land über die Grenze fliehen und bei einer Bäuerin (Dita Parlo) Liebe finden.

Wohl der bemerkenswerteste Film von Renoir ist "Die Spielregel" (1939): Auf einem Jagdschloss hat ein Marquis zu einer Treibjagd geladen. Nun kommen die Damen und Herren aus der guten Gesellschaft, um für ein paar Stunden die Spielregeln der Wohlanständigkeit zu vergessen. Der Marquis will sich von der Mätresse trennen, weil er so gerührt ist, dass Madame ihm ein Verhältnis gestanden hat, ein reicher Bohemier wird im Verlauf des Spiels zum Helden der Tragikomödie, und ein Jagdaufseher erschießt aus Versehen den Geliebten der Hausdame. Was aber bei den Noblen an Niedrigkeit und Schwäche frei wird, findet seine Parallele auf der Gesinde-Etage. Und im Verlauf des kuriosen Spiels wird sich - wen wundert es - das Oben mit dem Unten mischen, es kommt zu Kooperationen und Kopulationen quer durch die sozialen Schichten - und am Ende die große Heuchelei: Die Grabrede des Schlossherren zeigt, dass man von allem, was passiert ist, nichts gelernt hat ...

Am Vorabend des zweiten Weltkriegs gedreht, ist das eine böse Satire auf die Gesellschaft jener Zeit mit all der Lüge und dem Selbstbetrug. Luis Buñuel hat das später nicht minder böse und meisterhaft in "Der Würgeengel" (1962) gezeigt. "Die Spielregel" wird als Skandal aufgenommen und ist kommerziell erfolglos. Man kürzt ihn mehrfach, am Ende auf eine Version, die 28 Minuten kürzer ist als das Original. Bei Kriegsausbruch wird er als demoralisierendes Werk verboten. Sozialistische Filme und das Engagement für die Kommunisten und die Volksfront wie auch der Skandal um "Die Spielregel" führen dazu, dass Renoir während des Zweiten Weltkriegs in die USA emigriert. Dort entstehen mehrere Filme wie "In den Sümpfen" (1941, mit Walter Huston und Walter Brennan), "Dies ist mein Land" (1943, mit Charles Laughton und Maureen O'Hara) und "Salut an Frankreich" (1943, mit Burgess Meredith und der Musik von Kurt Weill). Danach drehte Renoir "Der Mann aus dem Süden" (1945) und "Tagebuch einer Kammerzofe" (1946, mit Paulette Goddard und Burgess Meredith). Anders als Buñuels Verfilmung von 1963 hatte Renoir in Hollywood Mirabeaus Roman als Tragikomödie angelegt. In einer allgemeinen Unordnung überwindet die Liebe die sozialen Schranken, und Renoir zeigt die Erhebung einer Unterdrückten über die ihr zu diktierten Normen.

Über Indien kommt Renoir nach dem Krieg nach Frankreich zurück. In Indien entsteht 1950 "Der Strom" über eine britische Familie an den Ufern des Ganges. Eine der fünf Töchter träumt von einer großen Karriere als Schriftstellerin, gemeinsam mit ihren Freundinnen geht sie den Schwärmereien nach. Der epische Film basiert auf einem Roman von Rumer Godden. Von Strömen ist die Rede - von der Zeit, vom Wasser. Ein junger Mann, von dem drei junge Mädchen entflammt sind, versucht hier den düsteren Bildern vom Krieg zu entfliehen. In der Poesie, den Farben und Festen der Inder geht die anklingende Skepsis gegenüber der Kolonialzeit unter, alles scheint harmonisch an den Ufern des Stroms sich zu vereinen. Zudem ist Jean Renoirs Film eine Ode an die Frau und Mutter: Noch drückt der Schmerz über den Verlust eines Kindes, da brüllt schon das nächste seine Lebenskraft hinaus.

In Italien entsteht 1952 der zauberhafte Anna-Magnani-Film "Die goldene Karosse": Wenn im Kino der Vorhang aufgeht, erscheint auf der Leinwand ein zweiter. Er öffnet sich, gibt den Blick frei auf einen Theaterraum. Die Kamera fährt aus dem Zuschauerraum auf die Bühne, auf der sich das Märchen von der goldenen Karosse abspielt, das von einer Commedia-dell'arte-Truppe gespielt wird. Es ist das 18. Jahrhundert: Mit einer italienischen Komödientruppe gastiert die namhafte Schauspielerin Camilla in einer spanischen Kolonie in Südamerika. Camilla wird von drei Männern umworben: vom Vizekönig von Peru, dem Stierkämper Ramon und von Felipe, der zu Beginn des Films in die Revolution zieht, von dort aber zurückkehrt und der Angebetenen als stiller Verehrer von Ort zu Ort folgt. Als der Vizekönig Camilla seine goldene Karosse schenkt, um sie an sich zu binden, entwickelt sich in dem kleinen, von Eifersüchteleien und Intrigen beherrschten Hofstaat ein Skandal.

Nach dem Indienfilm "Der Strom" ist dies der zweite Farbfilm Renoirs, und wieder wirft man dem als Realisten gefeierten Filmemacher Inkonsequenz und Abkehr von der Wirklichkeit vor, Truffaut urteilt dagegen: "vielleicht das Meisterwerk Renoirs". 1959 entstand mit "Das Testament des Dr. Cordelier" ein brillantes Alterswerk. Renoir bearbeitete hier frei den Robert-Louis-Stevenson-Roman "Dr. Jekyll und Mr. Hyde", und Jean-Louis Barrault ("Kinder des Olymp") glänzte in der Doppelrolle als Dr. Cordelier und als Bösewicht Opale, der "dunklen Seite" des Doktors. Seine Untaten sind geprägt von jener Bösartigkeit, mit der er einem Behinderten die Krücken wegtritt. Außerdem inszenierte Renoir in den Jahren 1954/55 die Theaterstücke "Julius Cäsar" (nach Shakespeare) und "Orvet", ein Dreiakter, den Renoir auch selbst schrieb.

Weitere Filme des Regisseurs: "Charleston" (1926), "Marquitta" (1927), "Der Drückeberger" (1928), "Das Turnier" (1928), "Le Bled" (1929), "Die Nacht an der Kreuzung" (1932), "Chotard & Co." (1932), "Madame Bovary" (1934, nach Gustave Flaubert), "Das Leben gehört uns" (1936), "Nachtasyl" (1936, nach Maxim Gorki), "Die Marseillaise" (1937), "Bestie Mensch" (1938, nach Emile Zola), "La Tosca" (1940, nach einem Drehbuch von Luchino Visconti, "Die Frau am Strand" (1946), "French Can Can" (1955), "Weiße Margeriten" (1956), "Der Korporal in der Schlinge" (1962) und der Episodenfilm "Das kleine Theater von Jean Renoir" (1969).

Foto: arte

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