Im Interview

Doro Pesch und Bülent Ceylan: Wolfsherz, Verlust und Musik

31.08.2026, 02.00 Uhr
Doro Pesch und Bülent Ceylan haben mit ‚Wolfsherz‘ ein bewegendes Musikstück geschaffen. Das Duett handelt von Verlust und wird zusätzlich durch reale Erlebnisse der Künstler intensiviert. In einem Videodreh mit Wölfen setzen sie ein besonderes Zeichen.
Bülent Ceylan und Doro Persch stehen nebeneinander vor einem Vollmond und einem blauen Himmel.
Bülent Ceylan und Doro Persch haben mit uns über ihren gemeinsamen Song und den Videodreh gesprochen. Fotoquelle: Naplam Records

prisma: Doro, Bülent – ihr habt gemeinsam den Song „Wolfsherz“ aufgenommen. Wie kam es dazu?

Bülent Ceylan: Ich hatte gerade einen Interviewmarathon hinter mir, bei dem es immer wieder um dieses Lied ging. Und dann habe ich dabei auch die Geschichte erzählt, Doro – die du jetzt öffentlich zum ersten Mal hörst. Es ist eigentlich irgendwo auch traurig. Das Lied geht um Verlust. Und dann – in der Nacht nach dem Videodreh – ist deine Mama leider von uns gegangen.

Doro Pesch: Ja. Das ist so.

Bülent Ceylan: Das ist so unglaublich. Die Leute sagen, das kann doch nicht sein. Wir haben das Lied aufgenommen, das Musikvideo gedreht – und es geht darum, jemanden zu verlieren, den man immer um sich hatte. Und dann passiert genau das in derselben Nacht. Wenn man diese Geschichte kennt, ist der Song noch einmal etwas völlig anderes.

Doro Pesch: Ja, genau. Du hattest den Song selbst geschrieben und mich dann gefragt, ob ich ihn mit dir singe. Das war so vom Gefühl her. Und es war wirklich echt heftig. Das geht mir immer noch ganz, ganz tief rein.

Doro, du hast deine Mama noch kurz vor ihrem Tod gesehen?

Doro Pesch: Ich hatte ihr gesagt: „Ich muss noch was arbeiten, ich muss noch ein Video machen.“ Und dann hat sie so lang ausgehalten, bis ich wiederkam. Das war echt Hardcore. Aber wir haben es noch gemacht. Ich durfte sie danach noch einmal sehen. Ein paar Stunden später habe ich ihre Hand gehalten bis zum Schluss. Um vier Uhr war es dann vorbei. Aber sie war immer so stolz. Die hat immer noch mitgemacht – auch wenn wir uns nicht mehr unterhalten konnten, hat man gemerkt, dass sie es noch wahrnahm.

Bülent Ceylan: Trauer ist auch ein Zeichen, dass man die Person sehr geliebt hat und sehr vermisst. Jemand, der seine Mutter verloren hat, sagte mal im Interview, er sei froh, dass er immer noch trauert – weil das zeigt, wie sehr er sie geliebt hat. Man lässt das Gefühl zu.

Doro Pesch: Ja, das ist auch immer noch eine Verbindung. Ich habe sogar einen Song geschrieben, der noch nicht fertig ist: Er heißt „Je tiefer die Liebe, je tiefer der Schmerz.“ Und es stimmt wirklich: Wenn man so nah beieinander war – das ist bis jetzt das Schlimmste, was ich erlebt habe im Leben. Aber die Mama war immer hinter mir. Sie war 90, aber das ist egal – viele sagen, das sei ein schönes Alter. Es ist nie das richtige Alter.

Bülent Ceylan: Und genau deshalb hat dieser Song auf meinem Album noch eine ganz andere Wertigkeit bekommen. Fast so, als wäre da etwas Spirituelles mit drauf – als wäre deine Mama noch da drauf. Das ist schon sehr besonders.

Im Musikvideo habt ihr mit echten Wölfen gedreht – keine KI. Wie war das?

Bülent Ceylan: Ich habe die Trainer vor dem Dreh tatsächlich gefragt, ob die Wölfe denn schon gegessen hätten. Die haben gesagt: „Ja, gleich.“ – Ich war kurz davor, der Türke zu werden, den die essen! (lacht)

Doro Pesch: Ich hatte überhaupt keine Angst. Ich habe den größten Wolf sofort ins Herz geschlossen – er hat sofort das Gesicht abgeleckt und ein Küsschen gegeben. Es war wirklich der größte Wolf, den ich je gesehen habe, dazu noch ein kleiner schwarzer. Ich hätte sie am liebsten mitgenommen.

Bülent Ceylan: Ich bin einem Wolf bisher noch nicht persönlich begegnet, es war das erste Mal – da hat man schon Respekt, diese Augen sind magisch. 

Doro Pesch: Gott sei Dank hat der Fotograf da noch schnell Fotos gemacht – das ging ja alles ganz schnell: Kennenlernen und sofort ab ins Gesicht.

Habt ihr den Song gemeinsam im Studio aufgenommen?

Doro Pesch: Den Song haben wir separat aufgenommen, das Video aber zusammen. Mein Lieblingsvideograf Mirko Witzki hat das gedreht – ich würde sagen, er ist der Beste in Deutschland. Mit ihm habe ich schon drei Videos gemacht. Ich wusste, das wird großartig. Und obwohl es meiner Mama da schon so schlecht ging, dachte ich mir: Das wird etwas so Tolles – ich kann das nicht absagen. Und dann hat sich alles so gefügt.

Bülent Ceylan: Ich finde übrigens, wenn du Deutsch singst, klingt das immer richtig geil. Auf Englisch natürlich auch, aber auf Deutsch das ist nochmal absoluter Hammer. Meine Leute haben Gänsehaut gekriegt, als deine Stimme einsetzt. Man hört dich sofort heraus.

Doro Pesch: Oh, wie schön. Ich finde auch, deutsche Sachen haben immer viel mehr Tiefgang. Ich habe einige deutsche Songs im Leben gemacht – die haben immer mehr Substanz.

Woran liegt das?

Doro Pesch: Weil man sie anders fühlt, wenn man sie singt – es ist die Muttersprache. Man kann nicht leger alles hinsingen. Jedes Wort muss stimmen.

Bülent Ceylan: Das stimmt. Und es ist auch schwieriger: Vieles, was auf Englisch wunderbar klingt, würde auf Deutsch total bescheuert klingen. „Rauch auf dem Wasser und Feuer in der Luft“ – das geht einfach nicht. Man muss die Texte so gestalten, dass sie im Deutschen wirklich auch gut klingen.

Bülent, du bist jetzt bei Napalm Records. Was bedeutet dir das?

Bülent Ceylan: Das bedeutet mir auf jeden Fall mehr Authentizität. Die Metal-Fans sehen das auch so: Der ist jetzt bei Napalm Records. Die meinen es ernst. Napalm-Chef Thomas sagt mir: Wir gucken nicht nur, ob das radiotauglich ist. Du musst deine Musik machen, die du fühlst und bei der du Spaß hast. Und wenn ein Song dabei rauskommt, der Mainstream ist – schön, für alle Seiten. Sie lassen mich machen. Kein „Der Song muss so oder so sein."

Welche Botschaften stecken im Album?

Bülent Ceylan: Echte Botschaften: gegen Rassismus, gesellschaftskritische Inhalte, ein Song über Diktatur – der klingt erst mal komisch, ist aber eigentlich gegen alle Diktatoren-Arschlöcher dieser Welt. Wir brauchen keinen Krieg und keine Idioten, die Menschen umbringen. Das wollte ich im Album verarbeiten.

Du hast ein sehr breites Publikum – Comedy, Metal, Schlager. Wie gehst du damit um?

Bülent Ceylan: Es gibt immer welche, die sagen: Der kann das doch nicht machen. Aber am Ende muss man einfach selbst dazu stehen und wissen, dass man das authentisch meint. Meine Mutter ist absoluter Schlager-Fan – Roland Kaiser, Riesenfan. Ich sagte immer: Mama, ich bin Metaller. Dann sagt sie: Dann gehst du halt als Komiker da rein. (lacht) Aber dann habe ich mit Roland Kaiser eine Rock-Version von „Santa Maria“ aufgenommen. Und die Leute haben es gefeiert.

Doro Pesch: Das habe ich gesehen. Das war fantastisch. Und mit Helene Fischer – „Atemlos“ in Rockversion – das war auch super.

Bülent Ceylan: Die mag wirklich Rockmusik. Und so schließen sich Kreise. Wir wollen doch alle, dass Rockmusik größer wird. Es gibt kaum noch Sendungen im Fernsehen, wo unsere Musik gespielt wird. Und dann regen sich manche trotzdem auf. Dabei öffnen solche Kooperationen Türen: Wenn Doro einen Song mit mir macht, gucken Metal-Fans genauer hin. Die glaubt doch nicht einfach daran – die meint das ernst. Und umgekehrt genauso.

Doro Pesch: Das kann ich total bestätigen. Als mein erster Duett-Partner Lemmy Kilmister war, haben alle Skeptiker gemeckert. Aber als Lemmy meinte: „Komm, wir machen zwei Songs auf einer Platte“ – da sagten plötzlich alle: Ah ja, muss ja doch was dran sein. Das hat für Credibility gesorgt. Auch wenn es bei uns einfach Freundschaft war und sich ganz natürlich ergeben hatte.

Doro Pesch: Und ich muss dazu sagen: Balladen haben es eigentlich immer schwerer. Bei unserem Song „Für immer“ wollten alle, dass er runter von der Platte kommt – eine Ballade, noch dazu auf Deutsch, geht gar nicht, hieß es. Na ja – ich habe dafür gekämpft. Er wurde der letzte Song auf der zweiten Vinyl-Seite. Dann gingen wir auf Tour, und er war sofort der größte Hit. Heute ist er einer der bekanntesten Songs überhaupt. Balladen haben es manchmal schwer – aber hinterher sind sie oft die größten Hits.

Weil sie das bedeuten, was einem am meisten am Herzen liegt.

Doro Pesch: Genau. Was einem am meisten bedeutet.

Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

Doro Pesch: Bei der „1Live Krone“ – Bülent hat den Preis bekommen, und ich durfte ihn überreichen. Das war, glaube ich, das erste Mal, dass wir uns persönlich begegnet sind. Ich hatte ganz hohe Schuhe an, da war so eine kleine Bühne mit Treppen. Und dann hast du mich ganz charmant an die Hand genommen, damit ich da nicht hinknalle. Das hat mir so gefallen – so ein Gentleman. Das kennt man unter Metallern nicht unbedingt.

Bülent Ceylan: (lacht) Metaller sind doch total nett! Wir sind durch und durch friedliche Menschen.

Doro Pesch: Auf der einen Seite schon, ja. Danach haben wir uns beim Scorpions-Jubiläum wiedergesehen – und dann immer wieder. Mal in einem Video, mal ein Grußvideo, mal wenn man sich so traf. Die Chemie war immer da.

Bülent Ceylan: Und dann ist der Song gekommen – hat sich immer weiter genähert. Komischerweise auch beim Scorpions-Dreh, wo wir zusammen im Backstage den Leuten das Wangenknutschen beigebracht haben. Weißt du noch?

Doro Pesch: Ja! (lacht) Genau. Haare sind ja immer wichtig – nach wie vor.

Bülent Ceylan: Ich habe sogar einen Song auf dem Album, der heißt „Meine langen Haare“. Er ist auf Metal gemacht, aber er ist die einzige Art Comedynummer auf dem Album – wo man wirklich merkt, dass ich schmunzeln will. Aber trotzdem steckt was drin.

Wenn du mal in meiner Nähe bist und Lust hast, für das Lied vorbeizukommen – das ist eine Ehrensache. Einfach kurz Bescheid geben.

Doro Pesch: Und ich komme auch gerne vorbei. Auf jeden Fall.

Wir hatten eigentlich geplant, euch mal in die Redaktion der Rheinischen Post einzuladen.

Bülent Ceylan: Da komme ich auf jeden Fall irgendwann mal vorbei! Ich bin ja öfters in Düsseldorf. Management und Redaktion sprechen sich ab, und dann schauen wir mal.

Sehr schön. Viel Erfolg mit dem Album, Bülent – und dir, Doro, alles Liebe.

Doro Pesch: Danke schön. Wäre so schön, dich wieder zu sehen. Dann sehen wir uns beim Fernsehgarten oder irgendwo anders.

Bülent Ceylan: Macht’s gut, ihr beiden. Auf zum nächsten Interview. 

Bülent Ceylans Album „B.L.N.T.“ erscheint am 11. September.