DJ Ötzi in Köln

DJ Ötzi im Interview: "DJ Ötzi ist extrovertiert, Gerry dagegen sehr introvertiert"

05.10.2026, 12.03 Uhr
Gerry Friedle alias DJ Ötzi spricht über die anstehende Mountain Mania in Köln, seine Heimatverbundenheit und den Unterschied zwischen seiner Person und seinem Bühnenalter Ego.
DJ Ötzi lacht.
DJ Ötzi hat mit uns über die Show "Mountain Mania" gesprochen. Fotoquelle: DJ Ötzi

prisma: Gerry, schön, dass das klappt. Wie geht es Dir?

Gerry Friedle: Mir geht es sehr gut. Ich hatte gerade einen Monat Urlaub. Zuvor hatte ich natürlich enorm viel Arbeit wegen des Songs „Tirol“. Das Lied ist durch die Decke gegangen, und danach kamen die ganzen Festivals und alles, was damit zusammenhing. Das war schon sehr fordernd, obwohl es natürlich sehr großartig und erfolgreich war. Jetzt liegt das kurzfristig hinter mir. Ich hatte noch einmal Urlaub, und nun steht mit der „Mountain Mania“ am 10. Oktober in Köln wieder ein großes Ereignis vor mir.

Ja, die Kölner warten auf die Hüten-Gaudi.

Gerry Friedle: Für mich und für uns ist das ein Ritterschlag, weil es die größte Arena in Deutschland ist. 

Nochmal zurück zu Deinem Urlaub: Wo macht Gerry Friedle Urlaub? Bleibst du in den Alpen oder bist Du auch woanders hingefahren?

Gerry Friedle: Wir sind sehr gerne zu Hause in Salzburg. Für mich fühlt sich das immer wie Urlaub an, weil es meine Heimat ist, weil dort meine Familie lebt und wir die Seen, die Natur und einfach alles, was dazugehört, lieben. Auch die Berge mag ich sehr – wobei ich sie lieber von unten betrachte, als sie zu besteigen (lacht). Wandern gehe ich dagegen gerne. In diesem Jahr waren wir auch wieder in Italien, unserem zweiten Zuhause.

Wenn ich mit Freunden und Kollegen spreche, da gehen Wandern und Bergsteigen inzwischen fast fließend ineinander über. Viele unterschätzen das allerdings ein bisschen.

Gerry Friedle: Oder sie überschätzen sich. 

Genau, viele sind mit dem falschen Schuhwerk unterwegs.

Gerry Friedle: Deswegen habe ich einen guten alten Wanderschuh. Auf den kann ich mich verlassen. Das muss schon sein.

Dann kommen wir zur „Mountain Mania“ in Köln. Ursprünglich war sie für Dezember vergangenen Jahres geplant, jetzt findet sie am 10. Oktober statt. Was erwartet die Besucher? Worauf können sie sich freuen? 

Gerry Friedle: Auf dreieinhalb bis vier Stunden Entertainment: einen Hit nach dem anderen, einen Künstler nach dem anderen und mit der Hütten-Atmosphäre gibt es eine Klammer, die das Ganze inhaltlich zusammenfasst. 

Die Kölner Arena ist natürlich eine riesige Nummer. Wie schafft Ihr es, dort Alpenfeeling entstehen zu lassen?

Gerry Friedle: Die Geschichte der Veranstaltung verbindet sich natürlich mit der Person, die für sie steht – mit DJ Ötzi – und damit auch mit den Alpen und den Bergen. Das ist der besondere Kern, der die „Mountain Mania“ ausmacht. 

Ich habe gelesen, dass es eine „Schatzi-Bar“ und eine Hütte gibt, mit denen diese Alpenwelt aufgebaut wird. Wenn wir einmal auf die Künstler eingehen: Auf wen können sich die Leute freuen? Florian Silbereisen ist ebenfalls dabei. Wer übernimmt die Moderation? Ich habe gehört, dass Du neben deinen Songs auch als DJ auflegst. Stimmt das?

Gerry Friedle: Ja, ich lege als DJ auf und übernehme auch einen Teil der Moderation. Zusätzlich gibt es noch einen Sprecher – denn Sprecher, DJ, Moderator und Sänger in einer Person zu sein, wäre wirklich eine enorme Aufgabe. Florian Silbereisen ist für mich der beste Moderator im deutschsprachigen Raum. Er steht dort oben ganz allein und ist bei einer der größten Partys überhaupt mutig genug, eine Ballade zu spielen. Das finde ich extrem cool. Und trotzdem singen die Leute alle mit. Er liefert wirklich sehr gut ab.

Es ist nicht allen bekannt, dass Florian Silbereisen auch eine musikalische Karriere hat.

Gerry Friedle: Er hat das ja auch nie wirklich als klassische Solokarriere begonnen, abgesehen von seinen eigenen Tourneen und den Projekten mit anderen Künstlern. Gerade deshalb ist es für uns etwas Besonderes. Er ist für mich wie ein Bruder und mein bester Freund. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass er dabei ist.

Selbst bei uns im Rheinland, wir sitzen ja in Düsseldorf und damit praktisch in der Nachbarschaft von Köln, gibt es diese alpine Geschichte, die bei den Menschen für Begeisterung sorgt. Oktoberfeste finden fast überall statt, dazu kommen die Skihütten-Partys. Hast Du einen Zeitpunkt im Kopf, an dem das außerhalb der Alpen so richtig groß geworden ist?

Gerry Friedle: Ich kann nachvollziehen, dass das auch bei Euch so gut ankommt, weil die Sehnsucht nach der Bergwelt einfach sehr groß ist. Ich erinnere mich daran, wie Gäste zu uns kamen, als wir noch eine kleine Wohnung hatten. Meine Großeltern und ich haben dort Gäste untergebracht und ihnen morgens ein Frühstück und abends vielleicht ein gutes Essen gemacht. Damals hatte ich meine erste Begegnung mit Gästen aus Deutschland. Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie die Blaskapelle durch das Dorf marschiert ist und wie die Menschen zum Dorffest gingen. Ich glaube, es ist diese Sehnsucht nach den Bergen, aber auch nach einer bestimmten Gemütlichkeit und Mentalität. Die Menschen möchten dieses Gefühl mit in ihren Alltag nehmen – in einen grauen Tag oder in eine Zeit, in der sie einfach einmal abschalten müssen. Ich selbst freue mich natürlich auch immer, wenn ich nach Tirol komme, dort Ski fahren, loslassen und vielleicht auch feiern kann. Ich weiß nicht genau, wo der Ursprung liegt. Ich kann nur die Sehnsucht der Menschen nachempfinden, die dieses Alpen-Gefühl gerne spüren möchten. Vielleicht wäre es für sie schöner, wenn die Berge etwas näher wären. Also bringen wir ein bisschen Urlaub mit.

Du bist sehr heimatverbunden, das hast Du schon erwähnt. Gleichzeitig gibt es die Figur DJ Ötzi. Du warst damals, Anfang der 2000er-Jahre, auch ein Vorreiter dabei, das Alpengefühl in die Partywelt zu bringen. Passt diese Partyverbundenheit für Dich problemlos zu Deiner Verbundenheit mit den Alpen?

Gerry Friedle: Absolut, für mich ist beides wichtig. Deshalb habe ich auch die DJ Ötzi Gipfeltour erfunden: Damit in den Alpen tatsächlich eine solche Musik gespielt wird und die Menschen die Identität dessen, was vor Ort passiert, mit dieser Musik verbinden können. Dazu gehören Ziehharmonika, Trompeten und Texte, in denen vielleicht auch einmal die heile Welt vorkommt. Lassen wir das einfach so im Raum stehen. Die Menschen brauchen Entspannung, und die können sie in den Bergen auf jeden Fall finden. 

Wenn wir noch einmal DJ Ötzi zu sprechen kommen: Das ist eine Bühnenfigur, die vom Menschen Gerry Friedle ein Stück weit abgegrenzt ist. Kann man das so sagen? Wo liegt diese Trennung bei Dir persönlich?

Gerry Friedle: Es gibt vieles, was beide verbindet, aber auch einiges, was sie trennt. Als Gerry würde ich mich zum Beispiel nicht in einem Restaurant an den ersten Tisch setzen, um dort besonders viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich möchte niemanden stören. Ich möchte mein eigenes Ding mit meiner Familie machen. Das liebe ich.

Bist Du privat also eher introvertiert?

Gerry Friedle: Ja, absolut. Deshalb ist die Energie so stark: DJ Ötzi ist extrovertiert, Gerry dagegen sehr introvertiert. Daraus entstehen Reibung und Energie – und vielleicht ist das genau das, was man als Party wahrnimmt. Ich muss außerdem gestehen, dass mir dieser Name über 27 Jahre Erfolg gebracht hat. Manchmal wird das alles ein bisschen zu viel. Aber da muss man durch. Man muss auch dankbar sein.

Der Erfolg im Party- und Schlagerbereich wirkt nach außen oft leicht und mühelos. Ich höre aber heraus, dass dahinter viel Arbeit und Disziplin steckt.

Gerry Friedle: Alles, was leicht aussieht, ist schwer in der Umsetzung. Wenn zum Beispiel Hermann Maier die Streif hinunterfährt, sieht das leicht aus. Es sieht so leicht aus, weil er sein Metier versteht und den Ski wirklich gut führen kann. Hinter allem, was einfach aussieht, steckt sehr viel Energie, Power, Hingabe und Verzicht. Ich bin fast das ganze Jahr unterwegs und deshalb nicht bei meiner Familie und meinen Freunden in der Heimat. Aber die Menschen sollen sich gut fühlen, wenn sie bei mir sind, wenn sie mich hören, auf ein Festival gehen oder ich mit meiner Band spiele. Das ist meine Aufgabe, nicht mehr und nicht weniger.

Was ist schwieriger geworden, ein großes Publikum zu begeistern oder sich selbst zu motivieren, das alles weiterzumachen?

Gerry Friedle: Ich bin jetzt 55 und denke mir manchmal: Ich habe schon sehr viel gemacht. Ich könnte ruhig ein bisschen kürzertreten. Dann denke ich auf der anderen Seite: Bevor ich aufhöre, möchte ich lieber herausfinden, wie es wäre, wenn alles, was bisher passiert ist, erst der Anfang gewesen wäre.

Vielleicht kommt also noch etwas anderes. Man weiß es manchmal nicht.

Gerry Friedle: Und dann kam „Tirol“. Das war für mich ein Zeichen von oben: Ich habe noch etwas zu tun!

Wenn wir über eine Veranstaltung wie die „Mountain Mania“ sprechen: Du hast solche Shows schon oft gemacht. Wie viel davon ist spontan? Gibt es noch Platz für Improvisation, oder ist alles komplett durchgetaktet?

Gerry Friedle: Es muss natürlich durchgetaktet sein. Die Emotion entsteht aber unter Freunden. Ich liebe Mickie Krause. Mickie ist ein großartiger Künstler und liefert ohne Ende ab. Auf ihn kann ich mich zu 1000 Prozent verlassen. Wenn jemand den Text vergisst, soll er sich keinen Kopf machen. Und wenn jemand zu spät seine Schuhe gebunden hat und gerade noch damit beschäftigt ist, hilft eben der andere aus. Genau das macht den Zusammenhalt aus. Bei Mister President war es zum Beispiel so, dass die Vengaboys abgesagt hatten und Mister President eingesprungen ist. Das war total cool, weil Mister President so abgeliefert hat, wie es niemand erwartet hatte. Auch Anna-Maria Zimmermann ist bekanntermaßen sehr gut auf der Bühne. Aber dass sie so gut sein würde, hat uns alle überrascht. 

Das heißt, ihr arbeitet wirklich Hand in Hand. Das ist schon mehr als reine Kollegialität, oder?

Gerry Friedle: Ja, absolut. Wir haben alle Spaß miteinander, und wir schätzen uns auch hinter der Bühne. Diese Wertschätzung gilt nicht nur dem Fan gegenüber, sondern auch bei den Künstlern untereinander. Deshalb fühlen sich die Künstler wie in einer Familie aufgenommen. Wir nennen das die „Mountain-Mania-Familie“, und das ist bei der Gipfeltour genauso. Auch die Mitarbeiter freuen sich jedes Mal, wieder dabei zu sein. Vielleicht werde ich dieses Konzept noch ausweiten und die Künstler noch stärker miteinander verbinden.

Wenn Du Deine Karriere und Deine Hits betrachtest: Ist es heute noch eine Freude, diese Lieder zu singen, oder ist es eher eine Verpflichtung?

Gerry Friedle: Wenn ich ganz ehrlich bin, fällt es mir nicht immer leicht, einen sehr erfolgreichen Song zu singen, aber ich mache es für meine Leute da draußen. Welcher Song das ist, kann ich Dir jetzt nicht sagen. Ich höre mir meistens nur neue Musik von mir an. Alte Musik höre ich nicht, weil ich jeden Tag singe. Ich darf mich nicht selbst zu viel hören (lacht).

Das ist interessant. Als Musiker muss man mit den eigenen Sachen ja auch irgendwie klarkommen.

Gerry Friedle: Ja. Aber die bekannten Lieder nicht zu spielen, wäre gegenüber den Fans fahrlässig beziehungsweise nicht korrekt.

Die Menschen kommen ja auch deswegen zu den Konzerten.

Gerry Friedle: Genau. Das, was die Leute erwarten, soll natürlich übertroffen werden. Jeder gibt sein Bestes.

Wenn wir aktuell schauen: Du hast im April Dein neues Album veröffentlicht. Was steht außer der „Mountain Mania“ noch an?

Gerry Friedle: Wir spielen in diesem Jahr natürlich weiter. Mit dem Song „Tirol“ ist gerade etwas Großes passiert. In diesen Song und in meine Band habe ich zwei Jahre lang unglaublich viel Kraft, Zeit und Herzblut investiert. Dadurch haben sich für uns ganz neue Türen geöffnet, und wir durften auf großen Festivals wie dem Happiness Festival oder Parookaville spielen. Das Ganze ist dermaßen gut gelaufen, dass ich jetzt darauf aufbauen und mir das Publikum weiter erspielen möchte. In meinem Herzen trage ich außerdem den Wunsch, eine richtig große, gute Tour zu machen und vielleicht auf 30 Jahre DJ Ötzi hinzuarbeiten. Das dauert natürlich alles noch. Es ist zunächst ein Wunsch und ein Ziel im Kopf, das man ansteuern und für das man fleißig arbeiten muss. Dann darf daraus auch Erfolg entstehen.

Wenn Du auf Deine Karriere zurückblickst: Hast Du etwas über das Publikum gelernt, was Du am Anfang noch nicht wusstest?

Gerry Friedle: Ich hatte vor meiner Zeit Vorbilder, die älter waren und ein großes Charisma besaßen. Dazu gehörten zum Beispiel die Schürzenjäger. Ich habe beobachtet, wie sie die Menschen durch den Abend geführt haben, und mir davon einiges abgeschaut. Ich bin jemand, der solche Dinge aufnimmt und auf seine eigene Art umsetzt. Natürlich habe ich dazugelernt. Am Anfang war ich noch ein Frischling aus Tirol. Von heute auf morgen war ich dann in ganz Deutschland bekannt.

Und dann steht man zunächst als One-Hit-Wonder da. Dass Du Dich so lange gehalten hast, hätten vielleicht nicht alle erwartet.

Gerry Friedle: Gerade das hat niemand erwartet. Aber es hat mich motiviert.

Wie kommst Du damit klar, dass DJ Ötzi auch eine Figur ist, die polarisiert?

Gerry Friedle: Das ist gut so. Ich glaube, dass die meisten Menschen einen guten Bezug zu mir und zu meiner Musik haben – auch diejenigen, die mich nicht hören. Sie respektieren, dass ich das schon so lange durchziehe. Wenn jemand beharrlich ist und nicht aufgibt, ringt das anderen auch Respekt ab. Es mag mich sicher nicht jeder, aber viele andere lieben mich. Damit kann ich gut leben.

Ich habe auch das Gefühl, dass Du Dich selbst mit einer gewissen Selbstironie siehst. Das muss man wahrscheinlich auch. Gerade im Schlager und in der Partymusik sind die Grenzen ja fließend.

Gerry Friedle: Für mich mache ich keinen klassischen Schlager – außer „Ein Stern, der deinen Namen trägt“. Das ist der absolute, klassische Schlager. Ansonsten mache ich Musik, bei der die Menschen mitsingen und gemeinsam feiern. Meine Musik wird auf der ganzen Welt gespielt: auf Skihütten, bei Fußballspielen und bei vielen anderen emotionalen Ereignissen. Deshalb rege ich mich nicht auf. Wenn meine Musik Menschen weltweit antreibt und ihnen ein positives Gefühl gibt, dann mache ich vieles richtig.

Ich war mit meiner Familie auf Zypern. Dort gab es eine Hotelanlage mit vielen englischen Gästen, deshalb lief vor allem englischsprachige Musik. Aber Du warst ebenfalls vertreten. Viel falsch gemacht hast Du also nicht.

Gerry Friedle: Nein, manche Leute reduzieren mich gerne auf bestimmte Dinge, wenn sie über mich schreiben. Gleichzeitig sehe ich bei einer Weltmeisterschaft, bei der die ganze Welt zuschaut, wie „Hey Baby“ oder andere bekannte Songs gespielt werden. Und beim Super Bowl passiert es ebenfalls. Was will ich mehr? Man muss dankbar sein, sich weiterentwickeln, auf dem Boden bleiben und fleißig sein. Das sind meine Anker. Ich gehe nach vorne und beschäftige mich nicht ständig mit der Frage, wer mich mag und wer nicht. Ich möchte die Menschen lieber davon überzeugen, dass das, was ich mache, gut ist. Musik sollte nicht nur bewertet werden. Die entscheidende Frage ist doch: Berührt sie mich oder berührt sie mich nicht? Wenn andere Menschen singen, singe ich schließlich auch mit.

„Mountain Mania – die größte Gipfelparty jenseits der Alpen“ findet statt am  Samstag, 10. Oktober.
Tickets: www.lanxess-arena.de/eventdetail/1093