Tatort-Neuling

Die Neue in Franken: Rosalie Thomass im Interview

19.10.2026, 10.47 Uhr
Rosalie Thomass ist die neue Ermittlerin beim Tatort Franken. Im Interview spricht sie über ihre Rolle als Emmy Rathgeber, die Zusammenarbeit mit Fabian Hinrichs und ihre weiteren Projekte wie "Wäldern" und "Lügen über meine Mutter".
Rosalie Thomass vor blauem Hintergrund.
Rosalie Thomass ist die Neue in Franken. Fotoquelle: ARD Degeto/Mona Film

Rosalie Thomass ermittelt neuerdings beim „Tatort Franken“. prisma sprach mit ihr über ihren Einstand und weitere spannende Projekte.

prisma: Stellen Sie doch mal Ihre Rolle Emmy Rathgeber vor.

Rosalie Thomass: Ich lerne sie selbst gerade noch kennen… Emmy ist eine sehr direkte, wache, neugierige, forschende Ermittlerin. Sie bewertet Menschen nicht, sondern hinterfragt eher. Ich liebe die Details, zum Beispiel, dass sie mit ihrer Lunchbox und Trinkflasche immer auf einen langen Arbeitstag vorbereitet ist. Emmy ist recht praktisch veranlagt. Privat ist sie eher der Typ „einsamer Wolf“ – etwas, worin sie sich sehr von mir unterscheidet. Ich bin wirklich gespannt, wie sich diese Figur in den nächsten Filmen entwickelt.

Wie gut kommt Emmy mit ihrem Kollegen Felix Voss (Fabian Hinrichs) zurecht?

Ich würde sagen, dass es ein sehr lebendiges Miteinander ist. Es gibt ein großes Interesse aneinander von beiden Figuren ausgehend. Uns war es wichtig, dass wir eine Paarung erzählen, die ohne Kompetenzgerangel auskommt. In meinen Augen macht das die bestehenden Figuren immer ein bisschen klein. Warum sollte Felix sich von einer neuen Kollegin angegriffen fühlen? Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass eine Stelle neu besetzt wird. Ich habe es sehr genossen, dass wir da einfach ein neugieriges Kennenlernen erleben durften. Manche sagen, dass Emmy Felix ein bisschen aus der Reserve lockt. Aber das ist letztendlich eine Wahrnehmungsfrage.

Wie ist das, wenn man auf einmal eine Tatort-Kommissarin ist? 

Ich freue mich wahnsinnig darüber und fühle mich geehrt. Ich habe sozusagen auf den richtigen, auf „meinen“ Tatort gewartet. Aber gleichzeitig versuche ich privat, mich nicht von beruflichen Erfolgen abhängig zu machen. Ich möchte genauso bleiben dürfen, wie ich bin. Da ist einerseits viel Dankbarkeit, Freude und Stolz in mir, andererseits will ich den Ball flachhalten und mich nicht darüber definieren – denn was passiert sonst mit dem Selbstbild, wenn der Erfolg mal ausbleibt?

Würden Sie sich als Tatort-Fan bezeichnen?

Ja. Ich weiß immer, wer wo ermittelt, wer wo ausgetauscht wurde oder wer wo wieder auftaucht. Ich habe immer sehr neugierig zugeguckt, wie Redaktionen unterschiedliche Tatorte gestalten und betreuen. Ich bin auch Polizeiruf-Fan. Das sind ganz tolle Formate. Am Tatort gefällt mir besonders, dass die Redaktionen immer wieder gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen und auch unbequeme Inhalte umsetzen, die in einem freistehenden Kinofilm so nicht finanziert werden könnten. Wir haben eine Verantwortung, weil wir Sehgewohnheiten schaffen, und deswegen freue ich mich wirklich, dass ich ein Teil davon sein darf.

Was macht für Sie den Tatort Franken aus?

Ich mochte immer, dass der Anspruch an die Filme sehr hoch ist. Es gefällt mir außerdem, dass man sich nicht auf eine Stadt beschränkt, sondern versucht, die Region wirklich zu durchdringen und abzubilden. Das ist filmisch interessant, aber eben auch für mich privat, weil ich herumkomme und diese Gegend entdecken kann.

Was können Sie von sich dort einbringen?

Ich hoffe, dass es mir immer gelingt, etwas Persönliches und was Eigenes miteinzubringen. Ich habe eine Haltung zu Dingen und kann die auch äußern. Hier erlebe ich es, dass ich gehört werde. Ich habe zum Beispiel mit der Redaktion darüber gesprochen, dass es beim Tatort Franken bislang noch keine Regisseurin gegeben hat. Meine Gedanken sind dabei sehr offen aufgenommen worden, und umso mehr freut es mich, dass der nächste Franken-Tatort nun tatsächlich mit einer Regisseurin gedreht wird. Das finde ich richtig schön – weil es zeigt, dass solche Gespräche etwas anstoßen und sich daraus ganz konkret etwas verändern kann. Der Versuch war, eine Tatort-Ermittlerin zu kreieren, die ich selbst auch gern sehen würde. Eine empathische, sehr lebendige Figur, die es auch genießt, eine Frau zu sein. Sie darf einen eigenen Stil haben; eine Frau die sich einen pinken Lidstrich zieht und auch mal ins Nagelstudio geht – so wie ganz viele Frauen das eben selbstverständlich für sich machen. 

Mit zwei neuen „Wäldern“-Filmen gibt es in der ARD Anfang November noch mehr Neues von Ihnen. Nur ganz kurz: Was erwartet die Zuschauer da?

Das ist nochmal eine andere Art von Format, nämlich Mystery: Gruselig, unbehaglich – das muss man schon abkönnen. „Wäldern“ unterscheidet sich auch von der Spielweise her. Vieles ist technischer. Man braucht eine bestimmte Art der Kopfbewegung, ein bestimmtes Tempo, damit es spannend wird. Und dann läuft seit dem 8. Oktober auch noch „Lügen über meine Mutter“ im Kino, den ich sehr liebe. Ich weiß, wie privilegiert ich bin, so viele unterschiedliche Sachen machen zu dürfen. Wir sind letzten Endes oft davon abhängig, dass uns jemand etwas zutraut. In dem Fall habe ich es mir selbst zugetraut, das Drehbuch zu schreiben.

Wie kam es dazu?

Ich habe mich um die Rechte des Buches beworben mit der Idee, dass ich das Drehbuch schreibe und in dem Film unter Regie von Aron Lehmann die Hauptrolle spiele. Ich habe der Romanautorin Daniela Dröscher einen sehr persönlichen Brief geschrieben, in dem ich erklärt habe, warum ich das machen muss und warum das Buch sehr viel mit meinem Aufwachsen, mit meiner Mama und meiner Sicht auf die Welt zu tun hat. Ich bin natürlich unglaublich glücklich und stolz, dass sie mir die Rechte anvertraut hat.

Sie sind sehr umtriebig – wie entspannen Sie nach all der Arbeit am besten?

In der Natur. Einen kleinen Waldspaziergang machen oder einmal in die Isar hüpfen. Egal, wo ich bin, ich muss immer ins Wasser. Selbst wenn es Februar ist und ich bin an der Ostsee, dann gehe ich auch da rein. Dinge mit anderen Menschen teilen, zuhören, andere Geschichten hören – dabei tanke ich auch sehr auf. Wenn ich mein Yoga und meine Meditation mache, komme ich deutlich besser durch den Tag. Ab und zu mal in Ruhe ein leckeres Essen zubereiten und mit Freundinnen essen zu können, ist auch ein kleiner Luxus.

Und welche Serie oder welcher Film hat Sie zuletzt überrascht?

Das war auf Apple „Down Cemetery Road“. Eine wahnsinnig gute Serie, super spannend und auch ganz schön drastisch. Was Ruth Wilson und Emma Thompson da spielen dürfen, sollten wir uns als Vorbild nehmen für das, was wir Frauenfiguren in Deutschland zutrauen. Emma Thompson ist sowieso mein absoluter Liebling!

„Tatort aus Franken: Gottesgarten“

Sonntag, 25. Oktober, 20.15 Uhr ARD