09.03.2026 Im Interview

Der Graf: „Wenn ich das überstehe, überdenke ich nochmal alles“

Der Graf von Unheilig meldet sich nach neun Jahren mit dem neuen Album "Liebe Glaube Monster" zurück. Ein Krankenhausbesuch und gesundheitliche Vorsorge führten zu dieser Rückkehr.

Der Graf ist nach neun Jahren Pause zurück. Im Gespräch erzählt er, warum ihn ein Krankenhausmoment zum Umdenken brachte, weshalb er heute anders arbeitet als früher, warum er an Alben und Artwork glaubt – und wie er beim ersten Comeback-Konzert trotz gebrochenem Oberkiefer weitersang.

prisma: Nach neun Jahren kommt jetzt Dein Comeback-Album heraus. Bist Du aufgeregt?

Der Graf: Ja klar bin ich aufgeregt. Ich hoffe natürlich, dass es ein Erfolg wird und alles so wird, wie es sich alle vorstellen. Ich will ja eigentlich nur Musik machen und auf die Bühne. Aber nachdem wir so viel dafür getan haben – ein Jahr Arbeit, ein Jahr Studio, Planung, Organisieren – wünsche ich mir schon, dass es erfolgreich wird. Wenn ich da nicht aufgeregt wäre, dann wäre ich fehl am Platze. Das muss auch so sein. Genau wie vor einem Auftritt: Du musst aufgeregt sein, sonst lass es, dann hat es keinen Sinn.

Das Comeback hat mit Deiner Gesundheit zu tun. Erzähl doch bitte einmal, warum. 

Der Graf: Bis Ende 2024, Anfang 2025 hätte ich Euch gesagt, ich würde nie wiederkommen. Ich hätte es mir einfach nicht vorstellen können. Dann bin ich wegen einer Vorsorge-Untersuchung ins Krankenhaus gefahren, ich hatte zu hohen Blutdruck. Ich saß vier Stunden in der Notaufnahme, es gab den Verdacht auf einen stillen Herzinfarkt. Da gingen mir so Sachen im Kopf herum: Alter Schwede – was ist jetzt, wenn das wirklich ein Herzinfarkt ist? Der Verdacht stand im Raum. Dann rief mich meine Frau an: „Wo bleibst du? Du solltest doch nur zur Vorsorge.“ Und ich musste ihr sagen: „Schatz, ich bin im Krankenhaus. Kann sein, dass ich einen Herzinfarkt habe. Ich weiß nicht, ob die mich hierbehalten oder ob ich nach Hause kann.“ Sie war total geschockt. Da merkst du: Das erzählt dir gerade keiner – das bist du selber, der das erlebt. Das hat etwas mit mir gemacht. Und ich habe mir gesagt: Wenn ich hier wieder rauskomme und es ist nichts Schlimmes, sondern „nur“ hoher Blutdruck – dann überlege ich noch mal, ob ich mein Leben wirklich so machen will, wie ich’s geplant habe.

Hattest Du während der Pause auch weiterhin Musik gemacht?

Der Graf: Ich hatte in den letzten Jahren schon Lieder geschrieben – für mich, in meinem kleinen Studio. Die waren auf einem USB-Stick. Und wenn wir mit dem Wohnmobil nach Spanien gefahren sind, haben wir uns das angehört. Und ich dachte immer: Die Songs sind schon geil, die müssten eigentlich veröffentlicht werden. Aber ich habe immer gesagt: Ich will das nicht mehr – ich konnte mir diesen ganzen Rattenschwanz nicht mehr vorstellen. Ich wollte es nicht mehr so wie früher. Ich konnte mir aber auch nicht vorstellen, wie es anders geht. Dann bin ich nach der Krankenhaus-Geschichte nach Hause gefahren und habe meiner Frau gesagt: „Du, ich würde gerne vielleicht doch noch mal drüber nachdenken.“

Damit war der Spalt in der Tür zum Comeback geöffnet.

Der Graf: Und dann war da diese E-Mail von Kontra K, er fragte an, ob er „Geboren um zu leben“ nutzen darf. Da habe ich gedacht: Okay, das ist auch noch so ein Zeichen. Jetzt muss ich meinen Manager anrufen, um darüber zu sprechen, und in dem Zuge habe ich ihm alles erzählt. Wir haben fast drei Stunden telefoniert und uns geeinigt: Lass uns noch mal starten – aber anders als früher.

Was genau sollte anders sein?

Der Graf: Früher haben wir alles selbst veranstaltet: Konzerte gebucht, Bühnen gebaut, Locations gemietet. Diese komplette Verantwortung wollte ich nicht mehr. Das hat mir lang genug schlaflose Nächte bereitet. 

Also mehr Kontrolle abgeben und anderen vertrauen?

Der Graf: Ja, das kann man ja auch. Aber ich war so ein Nerd, so ein Dreitausendprozentiger. Ich habe immer ein Problem damit, wenn andere es nicht so machen, wie ich das gerne will. Vor allen Dingen geht es dabei immer nur um Kohle. Da denke ich: Dann verzichte ich lieber mal auf 100 Karten, aber dafür kann ich alles ein bisschen mehr nach meinen Vorstellungen machen. Dann heißt es aber: „Wir müssen so und so viele Karten verkaufen.“ Oder: „Der Laufsteg darf nicht so lang sein, dann können wir mehr Karten verkaufen.“ Du musst dich immer in dieses Korsett drücken und diskutieren und Kämpfe austragen. Das müssen wir jetzt nicht mehr so extrem. Wir hatten scheinbar so ein gutes Karma-Konto in den letzten zehn Jahren, dass uns alle wohlgesonnen sind. Man kann über alles reden. Aber die Welt hat sich geändert: Wenn du heute ein Konzert veranstalten willst, musst du zwei Jahre im Voraus planen. Wenn ich jetzt eine Arena buchen möchte, wäre das Konzert erst in zwei Jahren. Wahnsinn.

Wie lief es denn mit der Tour, die Du in diesem Jahr angehst?

Der Graf: Unsere Comeback-Tour ging nur, weil wir kleine Locations genommen haben, die an Tagen frei waren, an denen sonst keiner spielen will.

Hast Du in den neun Jahren verfolgt, wie die Fans auf Dich reagiert haben?

Der Graf: Gar nicht. Ich habe mein Handy gewechselt, den Bart abrasiert, mein Haus verkauft, mein Studio verschenkt, wir sind umgezogen – kleine Wohnung. Tabula rasa. Wohnmobil gekauft und sind nach Spanien gefahren. Drei Jahre hatte ich null Kontakt, gar nix. Ich habe allerdings nachts geträumt, ich hätte einen Auftritt, und bin schweißgebadet wach geworden – weil ich nicht wusste, wo ich auftrete, wo meine Klamotten sind. Und war heilfroh, als ich wach wurde: Gott sei Dank, du hast damit nichts mehr zu tun. Aber nach vier Jahren kam dann dieser kleine Wurm wieder: irgendein Text, den schreibst du auf – und plötzlich ist die Melodie wieder im Kopf. Dann ging das Karussell los. Dann kam Corona, wir hatten Zeit. Ich habe kochen gelernt und Musik gemacht. Immer mehr Demos. Wieder USB-Stick, Spanien, Wohnmobil – und jedes Mal: Ey, das ist ja geil, da müssen wir was draus machen. Aber ich wusste nicht, wie.

Bald bist Du bist wieder im Tour-Alltag: Album, Tour, Rumfahren. Wie schaffst Du Dir Oasen, damit es nicht wieder zu viel wird?

Der Graf: Als ich aufgehört habe, hat mich gestört, dass ich immer alleine unterwegs war und mein Privatleben verleugnet habe. Deshalb habe ich mir gesagt: Wenn ich wieder anfange, dann geht meine Familie mit auf Tour – sonst bin ich das nicht. Meine Frau ist dabei, alle Angehörigen sind willkommen. Das ist total schön. Da hast du Leute um dich rum, da geht es nicht nur um Schlagzeug, Gitarre und diese 19-Zoll-Gespräche. Ich mag meine Kollegen auch alle sehr – aber es ist einfach geil, wenn diese Welten zusammenpassen. Das verändert die Dynamik. Du hast nicht nur diesen einen Blick, sondern alles dabei und kommst auf andere Gedanken. 

Deine Frau ist Deine große Stütze.

Der Graf: Ich kenne meine Frau, seit ich fünf bin. Ohne sie wäre ich niemals Musiker geworden. Es hat mich damals gestört, dass ich Erfolg habe und es Menschen gibt, denen ich das zu verdanken habe, aber nicht darüber reden kann. Das war selbst gewählt, okay, denn ich wollte diese private Tür nicht öffnen. Jetzt habe ich sie aber geöffnet, indem ich darüber rede. Fotos braucht trotzdem kein Mensch. Aber erzählen kann man es ja. Wenn du so ein Geheimnis hast und jeder fragt dich, eierst du rum. Und bei mir kommt dazu: Ich stottere seit der Kindheit. Dann merkst du, das will raus – aber es darf nicht. Das hemmt dich. Das ist ein Rucksack, der irgendwann zu schwer wird. Aber das ist nicht alles, wir machen es auch organisatorisch jetzt anders. Wenn ich zehn Termine habe, mache ich fünf – und verteile die anderen. Früher haben wir alles in ein, zwei Tagen durchgeprügelt: um fünf Uhr raus, irgendwo hin, Flieger, abends da, am nächsten Tag zurück. Darauf habe ich keinen Bock mehr.

Hat Deutschland denn auf den Grafen gewartet? Wie ist Dein Gefühl?

Der Graf: Der Druck und die Anfragen sind genauso wie früher – aber ich mache es jetzt anders. Ich glaube schon, dass es viele gibt, die sich freuen. Wir haben aber nicht damit gerechnet, dass so viele Tickets weggehen – das ist Wahnsinn. Aber wir bekommen nach neun Jahren Pause eine andere Wertschätzung als früher. Früher waren wir immer diese „Beerdigungsband“ – so nach dem Motto: „Das ist doch dieser Schlagertyp, der auf Beerdigungen gespielt wird.“ Heute sind die Leute irgendwie netter. Wir haben immer polarisiert, weil wir überall waren: Wacken – aber auch Carmen Nebel. Und das werde ich heute auch noch so machen. Ich gehe überall hin, wo man mich hören will. Es gibt Künstler, die zensieren sich da, das halte ich für einen Fehler. Aber jeder soll es so machen, wie er will. 

Die Leute haben Dich schon vermisst.

Der Graf: Die Menschen wollen Ablenkung, sie haben gute Erinnerungen an die Zeit, als wir aktiv waren – von 2000 bis 2014. Ich bin Baujahr 70, ich kenne diese Ängste von früher: Pershings, Atomraketen, Eiserner Vorhang. Irgendwie kommt vieles zurück, aber die Musik hilft dabei, das zu verarbeiten und auf andere Gedanken zu kommen.

Aber es hat sich auch eine Menge verändert in den fast 10 Jahren. 

Der Graf: Wir hätten damals nicht aufhören müssen. Wir haben nicht aufgehört, weil wir keine Platten mehr verkauft haben. Aber heute verkauft ja keiner mehr Platten. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, Spotify zu machen? Ich war nie der, der viel im Internet stattgefunden hat. Handy an: um meine Frau anzurufen – „Schatz, soll ich Milch mitbringen?“ – aber nicht, um zu gucken, was passiert. Und wenn du nach zehn Jahren wieder reinguckst: Insta, TikTok, Facebook ist „für alte Leute“, sagt man. Und Spotify: Du kannst alles hören. Der Wert von handgemachter Musik – wo wird der noch wertgeschätzt? Höchstens live. Und selbst da: Samples, KI, du weißt ja manchmal nicht, ist das noch live. Hologramm-Shows – das macht mir Angst. KI kann mittlerweile erschreckend gut sein. Man hört es zwar noch raus, aber Emotionen kann sie auch transportieren. Und dann diese Schnelllebigkeit: Man sagt mir, Songs sollten unter zwei Minuten sein wegen Social Media. Ich denke: Hä? Warum? Die hören das doch eh kostenlos. Ich mache das nicht. Ich ziehe meinen Stiefel durch. Auf dem Album sind Lieder, die auch mal fast sieben Minuten dauern. Oder: „Heutzutage werden keine Videos mehr gedreht.“ Ich so: Was? Das war doch früher das Geile. Du sitzt ein Jahr im Studio, das kostet Geld – und dann sollst du’s einfach so raushauen? Ich frage mich, wie junge Musiker das machen sollen, ohne Standing. Die müssten nebenbei Fritten verkaufen, um überhaupt irgendwo stattzufinden. Darüber kann man Stunden reden.

Trotzdem erscheinen ja immer noch viele Alben.

Der Graf: Ja, und wir haben das Glück, dass es eine Generation gibt – Ü50/Ü60 –, die will was in der Hand halten: CD, Booklet, Texte. Ich habe das mal auf unserem Campingplatz gefragt: Wer hat noch einen CD-Player? Alle Finger gingen nach oben. Aber dann fängt der Kampf mit der Plattenfirma an: Booklet, Seitenzahl, Verpackung. Ich will doch keinem sagen: „Kauf das Album“, aber du kriegst nur 80 Prozent von dem, was ich gemacht habe. Dann lass ich es doch sein. Ich erinnere mich an „Mutter“ von Rammstein damals und als ich das Album in der Hand hielt: das Artwork, der Druck, das war Kunst. Genau das wollte ich auch wieder.

Wie kamst Du auf den Albumtitel?

Der Graf: „Liebe Glaube Monster“ ist angelehnt an den Dreiklang „Liebe, Glaube, Hoffnung“. Den Albumnamen hatte ich sehr früh – der Ordner mit den Texten hieß irgendwann so. Ich habe das Konzept mit Pritt-Stift und Papier aufgezeichnet, ausgeschnitten – mit Ballons, Logos, dem Grafen mit Koffer. Der Grafiker hat das in seinem Atelier mit Ölfarbe gemalt und abfotografiert. Nicht am Rechner. Es gibt Zeichnungen von allen Singles und vom Album – per Hand. Das ist mir wichtig. Und dann muss auch der Druck stimmen: Glanzdruck, nicht Matt, weil’s drei Cent spart. Vinyl finde ich auch gut – aber das ist ein kleiner Teil. Vielleicht liegt die Zukunft in Booklets ohne CD – keine Ahnung. Es wird sich weiter verändern.

Über wie viele Jahre sind die Songs entstanden – und wie lief die Auswahl?

Der Graf: Das erste Lied ist 2019 entstanden – auf der 15-Jahre-Edition von „Große Freiheit“, „Auf ein schönes Leben“. Da ging es los. Von da an habe ich immer Texte geschrieben, irgendwann auch Demos selbst gemacht. Der Prozess ging 2019 los und ging bis 2025 weiter. Das Album stand eigentlich schon als Demoversion. Ich hab’s Henning Verlage und Kiko Masman gegeben: „Freunde, es geht los.“ Wir haben es der Plattenfirma vorgespielt – alle fanden es geil. Dann haben wir gesagt: Lass uns noch weiterschreiben. Und als klar war, ich komme zurück, hatte ich einen kreativen Boost: Zwei Wochen Urlaub, jeden Tag hatte ich neue Texte. In zwei Wochen waren das an die 40 Texte, ich war wie ein Roboter. Meine Frau kam rein: „Na, ist alles gut bei dir?“ – und ich saß da und schrieb. Viele Songs sind halb alt, halb neu. „Brot und Spiele“ ist neu, „KI“ ist neu, „Böse Geister“ ist beim Produzieren entstanden. Es liegen aber noch Songs auf Halde und das ist gutes Gefühl: Denn der Schreibdruck ist nicht da. Ich will schließlich wieder länger Musik machen, nicht nur ein Album.

Wie entscheidest Du, in welche Richtung ein Song geht? Das Album ist sehr vielfältig.

Der Graf: „Sonnenallee“ ist von der Instrumentierung her etwas, das wir so früher nicht gemacht haben. Die Metal-Nummern – „KI“, „Brot und Spiele“, „Böse Geister“ – sind so, wie ich es immer wollte. Früher hatten wir diese Songs auch, aber bei Gitarren, Rhythmik, Intonierung sind wir nie ganz da rangekommen, wo wir hinwollten. Jetzt sind wir näher dran. „Spiegel“ ist eher Rückgriff auf die Gothic-Zeiten, rein elektronisch. Und „Liebe“ wäre mir früher nie eingefallen. Mein Anspruch war, dass ich ein „Unheilig 2.0“ möchte. Wir hatten zwei Produzenten: Kiko und Henning. Die arbeiten inzwischen sehr gut und eng zusammen. Das hat dem Ganzen gutgetan. Das sieht man auch beim Mix: Da kannst du kannst in den Mix reingehen und jedes Instrument sehen.

Also ist der Sound nach der Pause schon moderner?

Der Graf: In den neun Jahren hat sich echt was getan, die Musik klingt heute dreidimensionaler. Früher war es irgendwie schmalbandiger. Ich wollte das nach oben ziehen. Das haben wir geschafft:  Es gibt klare Sounds, die trotzdem bombastisch sind – Pathos pur. Wenn es kitschig ist, muss es auch tropfen. Wenn es laut ist, dann richtig (lacht). Und wir mussten immer kämpfen, dass die „Ballerburg“-Songs drauf dürfen. Die Industrie sagt: „Das ist kein Unheilig, das ist Metal, das ist Rammstein.“ Aber die Unheilig-DNA war immer: Schlager, Pop, Balladen, Rock, Metal, Pathos. Metal gehört dazu. Und heute sage ich: Ist mir egal, wir machen das. Das ist schön, wenn man sich das erlauben kann.

Du bist bei Deinem ersten Comeback-Konzert im vergangenen Jahr in Leipzig von der Bühne gefallen – und hast weitergesungen. Was ist passiert?

Der Graf: Ich bin von der Bühne gefallen und habe mir den Oberkiefer gebrochen. Die Schneidezähne waren nach hinten verschoben, die Wurzeln haben den Oberkiefer gebrochen. Ich hatte Stücke im Mund. Ich habe gedacht: Alter Schwede, was ist jetzt los? Später habe ich auf Videos gesehen, dass ich wieder auf die Bühne gegangen bin und weitergesungen habe. Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Hinter der Bühne habe ich in den Spiegel geguckt: Alles war kaputt. Aber ich habe gedacht: Nach neun Jahren kann es das jetzt nicht sein. Ob ich jetzt direkt zum Zahnarzt fahre oder erst nachts – das ändert nichts. Die wollten die Uniklinik anrufen. Ich war Sanitäter bei der Bundeswehr. Ich habe geguckt: mir ist nicht übel, nicht schwindelig, keine Kopfschmerzen. Also: weitermachen. Beim ersten Konzert war die ganze Presse da. Wenn ich da abstürze, dann ist das ein Zeichen, und ich wollte nicht, dass es so endet. Da war dieser innere Antrieb: Zähne zusammenbeißen, auch wenn es wehtut. Ich bin leidensfähig – mit körperlichen Schmerzen kann ich gut umgehen.

Das ist schon wirklich bemerkenswert.

Der Graf: Ich hatte eigentlich nur Angst, dass ich die Tour ohne Schneidezahn machen muss. Nachts sind wir in die Uniklinik, es gab eine Betäubung, die Zähne wurden wieder geradegebogen, dann eine Wurzelbehandlung – die Nervenenden waren schon angerissen. Das größte Problem war, dass alles gebrochen war. Es ist auch heute noch empfindlich, braucht Zeit – aber man sieht nichts mehr. Ich bin in der Zeit sogar bei Fernsehshows mit so einer Stahlspange aufgetreten, damit die Zähne ihre Ruhe haben. Und bei Auftritten haut man sich trotzdem manchmal mit dem Mikro dagegen – das macht dich dann wieder wach. Aber alles ist gut (lacht).

Danke für das Gespräch und alles Gute mit dem neuen Album – dass das ein Erfolg wird.