Man könnte das als schrullige Geschichte abtun: wie da einer eine kleine Stadt zum Leuchten bringen will, wie der Plan aber vom Bürgermeister immer wieder abgewimmelt wird ("Alles bleibt so, wie es seit 50 Jahren ist"), wie der Mann einen Toaster – den soundsovielten – für die Mutter bestellt und dann nicht bezahlen will, weil das Modell "ohne Enteiser" ist. Und wie der Mann, Felix Grünler mit Namen und von Hinnerk Schönemann mit hinreißendem Understatement gespielt, schließlich einer Intrige seiner Schwägerin zum Opfer fällt. Felix wird in die eingewiesen und kommt nur sehr schwer wieder heraus. Der ZDF-Film "Der mit dem Schlag" (Buch: Christian Jeltsch, Regie: Lars Becker) ist eine leise Komödie, die sich hart am Abgrund bewegt. 

Als die Mutter des Starkstrom-Elektrikers Felix (Schönemann) stirbt, sieht dessen Schwägerin (Marlene Morreis) ihre Zeit gekommen. Felix' Mutter hat ihm das Haus vermacht. Ingo, der Bruder (Comedian Kurt Krömer), wird indessen mit der vollständigen Schlagersammlung ihrer geliebten Sängerin Petula Clark abgespeist.

Das muss sich ändern, und so fädelt die Schwägerin eine fiese Intrige ein. Die Gelegenheit hierzu ergibt sich, als Felix zwei Inkassomänner schroff aus dem Elektroladen des Vaters verweist, als diese das Geld für einen gelieferten Toaster eintreiben wollen. So schrammt Felix an einer Verurteilung wegen körperlicher Gewalttätigkeit gerade noch vorbei, wird aber letztlich in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Die Schwägerin hat als Studienrätin nämlich sowohl den psychiatrischen Gutachter (Peter Lohmeyer) als auch die zuständige Richterin in der Hand. Deren Kinder haben schlechte Noten. Sperrst du meinen Schwager in die Klinik, bekommen dein Sohn und deine Tochter gute Noten.

Mit Barbara Philipp und Sophie Rois

So richtig finster aber wird die Lage erst, als sich Felix in der Psychiatrie wiederfindet. Das Personal ist aber auch wirklich vom Feinsten, von der Krankenschwester (Barbara Philipp) bis zur Ärztin – was Wunder, wird sie doch von der wieder einmal beängstigend fluoreszierenden Sophie Rois gespielt. Getoppt werden sie nur vom finsteren Insassen Rufus (Sahin Eryilmaz), der – ganz wie Jack Nicholson in "Einer flog über das Kuckucksnest" – auf wahnwitzige Weise den Psychiatriekritiker gibt. Er empfängt Felix im Arztkittel, nur um ihm in der Maskerade gleich den Suizid zu empfehlen: "Hier kommst du sowieso nie wieder raus!"

Was Felix auch macht: Die kleinste Widrigkeit oder Nachfrage wird ihm zu seinem Ungunsten ausgelegt. Er möge sich doch ein wenig zugänglich zeigen – so wird es ihm fortwährend vom Klinikpersonal und von den lieben Verwandten, ja selbst von der gut meinenden Freundin empfohlen, nur um ihn umso tiefer ins Verhängnis zu treiben. "Sind Sie Arzt? – Ich will nach Hause", sagt er hilflos. – Hat man je einen vernünftigeren, begreiflicheren Satz gehört?

Likes als Rettung

Das alles kommt auf leisen Sohlen daher. Klischees werden mit genauer Beobachtung umgangen. Ja, so ist das, seufzt der Zuschauer und hofft auf Rettung. Mit einem schnöden Nikolaus-Coup gelingt es dann Felix endlich (wir nähern uns mal wieder Weihnachten), den Lichtertraum in die Tat umzusetzen. Im Internet bekommt er millionenfach Likes für die eindrucksvolle Illumination. Der Bürgermeister (Armin Rohde übrigens), der jetzt ums Image des Städtchens fürchtet, bereut medienwirksam, alle anderen folgen ihm.

Dass Sophie Rois dann Felix auch noch im Schnelldurchlauf von seinem Vaterkomplex heilen darf, ist fast schon zu viel des Guten. Aber was soll's. Mit besten, weil stets doppelbödig agierenden Schauspielerin hat Lars Becker über weite Strecken endlich mal ein anderes Weihnachtsstück geliefert: frösteln machend – nicht weil der Schnee etwa aus allen Wolken rieselt, sondern weil er psychologisch sehr genau beobachtet hat. Selbst aus dem Karaoke im sogenannten Nachmittagskreis – "Last Christmas", was sonst – wird eine starke Nummer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst