"It never rains in Southern California", sang Albert Hammond einst. Stimmt – öfter als Wasser vom Himmel fällt, bebt dort nämlich die Erde. Nur eine Frage der Zeit, bis dies in einer Katastrophe endet – so prophezeien es Experten schon seit Jahren. Das Erdbeben-Spektakel "San Andreas" von 2015 macht ernst: Innerhalb kürzester Zeit erschüttern in Brad Peytons Film erst kleinere, dann gewaltigere und schließlich die größten Beben aller Zeiten die Metropolen Los Angeles und San Francisco. Die Katastrophenaction, die ProSieben nun als Free-TV-Premiere zur Sonntags-Primetime zeigt, sieht fantastisch aus – nur hätte man die Szenen zwischen dem CGI-Spektakel weglassen sollen.

"San Andreas" empfängt den Zuschauer mitten in einer vertrauten Szenerie. Wer Katastrophenfilm-Klassiker wie "Deep Impact", "The Day After Tomorrow" und "2012" gesehen hat, weiß sofort Bescheid: Ein pseudoleidenschaftlicher Wissenschaftler, der Seismologe Lawrence Hayes (Paul Giamatti), widmet sein Leben den Erdbeben, sein aufgeregter Assistent stürmt herein und berichtet von Anomalien: Oh Schreck, es ist so weit! Was auf uns zukommt, übertrifft alles je Gewesene! Action-Fans kommen also voll auf ihre Kosten – müssen sich jedoch auch mit einer platten Schmonzette herumschlagen.

Da es persönlich und emotional werden soll, wird ein Brocken von Mann eingeführt, dessen Privatleben etwas aus den Fugen geraten ist: Hubschrauber-Rettungpilot Ray alias Dwayne "The Rock" Johnson ist mitten im Prozess der Scheidung von seiner Frau Emma (Carla Gugino), die nun mit einem etwas schleimigen Manager-Typen zusammen ist. Glücklicherweise kommt mit der alles erschütternden Katastrophe für Ray auch die Chance, sich als Held zu beweisen: Mit allen Mitteln schlägt er sich durchs grandios animierte Katastrophengebiet rund um Los Angeles, das am titelgebenden San-Andreas-Graben liegt, um seine Noch-Ehefrau zu retten und seine Tochter Blake (Alexandra Daddario) zu finden.

Allein: Regisseur Brad Peyton nutzt in "San Andreas" die bedrückende Atmosphäre nicht, um eine auch nur im Ansatz mitreißende Geschichte zu erzählen. Diese als konventionell, unrealistisch oder langweilig zu bezeichnen, ist bei all dem Pathos, den unsinnigen Dialogen, den hanebüchenen Wendungen und irrsinnigen Zufällen noch untertrieben. Bis auf den Wissenschaftler erscheint einem der Rest der hölzernen Bagage so unerträglich, dass man sich bisweilen (natürlich heimlich) deren Filmtod herbeiwünscht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst