Exklusives prisma-Interview

"Existenzängste" trotz Erfolg: Dietmar Bär über die harte TV-Branche

17.09.2026, 10.10 Uhr
Neue Plattformen bedeuten nicht automatisch mehr Arbeit. Der Kölner "Tatort"-Kommissar spricht über Druck, Wandel und die Realität hinter den Kulissen.
Dietmar Bär
Dietmar Bär wagt einen Abstecher zu "Rosamunde Pilcher". Mit prisma spricht der Schauspieler über seine neue Rolle und die Herausforderungen seines Berufs.  Fotoquelle: picture alliance / Geisler-Fotopress | Robert Schmiegelt/Geisler-Fotopr

Ein neues Kapitel wartet auf Dietmar Bär: Erstmals gehört der Schauspieler zum Ensemble eines "Rosamunde Pilcher"-Films. Möglich wurde das auch durch seine langjährige Bekanntschaft mit Produzent Michal Smeaton. "Ich kenne den Produzenten Michal Smeaton schon viele Jahre, aber zeitlich hat es vorher nie gepasst. Diesmal stimmte es", erzählt Bär im exklusiven prisma-Interview.

"Tatort"-Star Dietmar Bär gibt sein Debüt bei "Rosamunde Pilcher"

Überzeugt habe ihn vor allem das Drehbuch. Bär übernimmt die Rolle des Daniel Ridley, einem Handwerksmeister, der nicht nur mit beruflichen Veränderungen konfrontiert wird, sondern auch seiner Tochter beim Erwachsenwerden zusieht. Gleichzeitig entwickelt sich zwischen Daniel und Jessica, gespielt von Lina Wendel, langsam ein "Silver-Love-Effekt".

"Ich fand die Vater-Tochter-Geschichte schön, dazu entwickelt sich später noch diese Liebesgeschichte mit Jessica", sagt Bär. Dass solche Produktionen mitunter unterschätzt werden, kann der Schauspieler nicht nachvollziehen: "Viele denken bei solchen Filmen vielleicht: Ach ja, so ein Filmchen. Aber das ist genauso viel Arbeit wie andere TV-Aufträge auch."

Dietmar Bär über Handwerk, Wandel und private Nähe zur Rolle

Einen persönlichen Bezug zu seiner Rolle fand Bär auch über Daniels Beruf. "Ich bin selbst der Sohn eines Metzgergesellen, also eines Handwerkers", erzählt der Schauspieler. Aus diesem Grund könne er sich auch mit den Sorgen seiner Figur identifizieren. Daniel muss in "Rosamunde Pilcher: Die Glücksbringerin" erleben, wie sich seine Branche verändert und eine jüngere Generation mit neuen Methoden auf den Markt drängt. Gleichzeitig stellt sich für ihn die Frage, wie lange er seinen Beruf noch ausüben kann, der ihn körperlich fordert.

Auch der 65-Jährige kennt berufliche Unsicherheit – wenn auch aus einer anderen Branche. Als Schauspieler sei er darauf angewiesen, dass ihm weiterhin passende Rollen angeboten werden. "Ich habe seit 29 Jahren diesen wunderbaren, goldenen Arbeitsplatz in Köln, und das ist ein großes Glück", sagt Bär. Dennoch gebe es in der Schauspielerei keine Garantie, dass er stets von Aufträgen leben könne: "Solange ich arbeiten kann und mir eine Rolle gefällt, habe ich die Möglichkeit, damit mein Geld zu verdienen. Irgendwann kann das anders sein – und darauf muss ich mich vorbereiten."

Dietmar Bär warnt vor Existenzangst in der Schauspielbranche

Der 65-Jährige wisse, dass diese Unsicherheit selbst etablierte Schauspielerinnen und Schauspieler aus seinem Umfeld begleitet: "Ich kenne Kolleginnen und Kollegen, bei denen man von außen sagen würde: Die müssen sich doch überhaupt keine Sorgen machen. Aber das sind die Gesetzmäßigkeiten unserer Branche." Die Nachfrage könne sich schnell verändern, erklärt er: "Man ist frei, man arbeitet frei, und es kann passieren, dass man in einem Jahr noch sehr gefragt ist und plötzlich die Rollen weniger werden." Besonders bei Schauspielerinnen sei diese Entwicklung ab einem bestimmten Alter immer wieder zu beobachten.

Bär räumt dabei auch mit einer ganz bestimmten Vorstellung des Schauspielberufs auf: "Viele Zuschauer und Leser glauben vielleicht, wir würden alle in Beverly Hills wohnen. Tun wir aber nicht. Wir arbeiten hier in Deutschland beim Fernsehen. Deshalb halte ich solche Existenzängste für etwas sehr Reales in unserer Branche."

Streaming-Boom? Dietmar Bär sieht wenig neue Chancen für Schauspieler

Auch der Eindruck, dass es durch den Ausbau der Streamingdienste immer mehr Plattformen gebe und dadurch auch automatisch mehr Arbeit für Schauspieler einhergingen, täusche nach Bärs Beobachtung. "Ich habe gerade erst mit meiner Agentur darüber gesprochen, dass quantitativ im Moment erstaunlich wenig produziert wird", sagt er. Gleichzeitig drängen viele junge Kolleginnen und Kollegen in den Beruf. Ein entscheidender Faktor: Das Schauspiel ist kein geschützter Beruf.

Unsicherheit gibt es zudem nicht nur bei Film und Fernsehen. Auch ein festes Engagement am Theater biete keine langfristige Sicherheit. "Ein Intendant wechselt, die Karten werden neu gemischt - und plötzlich kann eine Familie vor einer völlig neuen Situation stehen", erklärt der "Tatort"-Star. Sein Fazit: "Diese Unsicherheit gehört zu unserem Beruf."

"Tatort"-Star Dietmar Bär schwärmt vom Dreh in Cornwall

Abseits der ernsteren Themen blieb Bär vor allem der Drehort in Cornwall in Erinnerung. Vor den Dreharbeiten sei er noch nie dort gewesen. Die Landschaft habe ihn entsprechend beeindruckt. "Ich bin privat eher ein Mensch des Meeres als des Gebirges, deshalb hat mich der Atlantik in seiner Wucht sehr beeindruckt", erzählt er. Auch die Natur und die Mentalität der Menschen hätten ihm gefallen.

Seine Begeisterung ging offenbar so weit, dass er gleich an seinen anderen großen TV-Arbeitsplatz dachte: "Ich habe sofort beim WDR gefragt, ob wir mit dem 'Tatort' nicht auch mal Richtung England fahren können", scherzt Bär. Auch privat könnte es ihn künftig wieder nach Cornwall ziehen. Auf die Frage, ob sich die Region als Reiseziel empfohlen habe, antwortet er eindeutig: "Auf jeden Fall. Nur an das Autofahren auf der anderen Seite müsste ich mich noch gewöhnen."

"Rosamunde Pilcher: Die Glücksbringerin" lief am Sonntag, 6. September 2026, um 20.15 Uhr im ZDF und ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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