Prominent besetztes Drama als Free-TV-Premiere

"Hundswut": Hexenjagd auf einen Werwolf

29.10.2024, 08.51 Uhr
von Elisa Eberle

Der Film "Hundswut" wird im BR als Free-TV-Premiere gezeigt. Das prominent besetzte Drama mit Markus Brandl erzählt von Hexenverfolgung. Mehr als 150 Jahre nach den vermutlich letzten Hexenprozessen Europas greift ein bayerisches Dorf die grausame Praxis wieder auf.

BR
Hundswut
Drama • 26.10.2024 • 22:00 Uhr

Die Hexenverfolgung zählt zu den grausigsten Kapiteln des ohnehin schon düsteren Mittelalters: Geschätzt 40.000 bis 60.000 Menschen wurden damals in Europa wegen angeblicher Hexerei hingerichtet. Die letzte Hinrichtung auf deutschem Boden fand vermutlich 1756 im bayerischen Landshut statt. Die erst 15-jährige Veronika Zeritschin wurde damals geköpft und anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Regisseur und Drehbuchautor Daniel Alvarenga nahm die grausamen Ereignisse von einst und übertrug sie auf ein nicht minder düsteres Kapitel der jüngeren deutschen Vergangenheit. Es entstand der schwer verdauliche Film "Hundswut", der ein halbes Jahr nach seinem Kinostart nun als Free-TV-Premiere im BR Fernsehen zu sehen ist.

Die Geschichte spielt im Jahr 1932: Während die Nationalsozialisten in München die Oberhand gewinnen, werden in einem kleinen bayerischen Dorf vier Jugendliche ermordet. Die bestialisch zugerichteten Leichen deuten zunächst auf einen Wolfsangriff hin. Doch die Gerüchteküche im Dorf beginnt bereits zu brodeln: erst ist von einem tollwütigen Wolf die Rede, dann von einem Werwolf. Eine vom Gemeinderat unter Bürgermeister Hartl Aichinger (Christian Swoboda) angeregte Wolfsjagd soll die Gemüter beruhigen.

Ein Prozess nach mittelalterlichem Vorbild

Doch anstelle des Tieres wird eine weitere Leiche gefunden sowie der blutverschmierte Einsiedler Joseph Köhler (Markus Brandl). Nach dem grausamen Tod seines Sohnes sowie dem späteren Selbstmord seiner Ehefrau hatte er sich mit seiner Tochter Mitzi (Sophie Röhrmoser) zunehmend zurückgezogen. Sollte er wirklich der Schuldige sein, so müsste Hartl den Mordfall nach München melden, doch das kommt nicht infrage: "Bevor i dene wos meld und dann oan vo dene Nazis im Dorf hob, regel i's liaber selber."

Um Köhler dennoch zur Rechenschaft zu ziehen, schlägt der Dorfpfarrer Hias Lechner (Max Schmidt) einen Hexenprozess auf Grundlage des mittelalterlichen Hexenhammers vor. Doch dafür muss Köhler seine Schuld eingestehen. Um dies zu erreichen, ist dem Wirt und Gemeinderatsmitglied "Lugg" Kramer (Christian Tramitz) jedes Mittel recht ...

Bezüge zur Gegenwart

"Hundswut" ist ein durch und durch düsterer Film, der mit wenig Licht und wenig Musik auskommt. Das grausame Ende – so viel sei an dieser Stelle verraten – ist nichts für schwache Nerven. Doch es sind vor allem die Bezüge zur Gegenwart, die nachträglich beschäftigen: Es mag sein, dass seit den letzten Hexenprozessen in Europa mehr als 200 Jahre vergangen sind. Auch die grauenvollen Taten der Nazis liegen inzwischen rund 90 Jahre zurück. Die von Gerüchten entfachte Angst vor anders lebenden Menschen allerdings scheint immer wieder neu zu entfachen.

Dass der Dorflehrer Konrad Zankl (Heio von Stetten) in der allerletzten Szene ausgerechnet aus Franz Kafkas Justiz-Roman "Der Prozess" vorliest, ist nicht minder symbolisch zu verstehen: Hier wie dort bleibt bis zuletzt unklar, welche Straftat sich eigentlich ereignet hat und ob der Schuldige zur Rechenschaft gezogen wurde.

Low-Budget-produktion mit Top-Besetzung

Es ist erstaunlich, dass es sich bei "Hundswut" um eine Low-Budget-Produktion handelt, versammelt Daniel Alvarenga doch viele große Stars der bayerischen Kulturwelt: Christine Neubauer spielt Mine, die Film-Ehefrau von Christian Tramitz. Darüber hinaus war die 62-Jährige erstmals als Produzentin beteiligt. Annika Preil, die Mitzis beste Freundin Fanny mimt, dürften vor allem Eltern aus der Kinder-Wissensserie "Anna und die wilden Tiere" kennen. Einen überraschenden Gastauftritt hat der Liedermacher Konstantin Wecker: als Altpfarrer darf er dem von Max Schmidt gespielten Dorfpfarrer ins Gewissen reden. Außerdem komponierte der inzwischen 77-Jährige die Filmmusik. Weckers bislang eher unbekannter Sohn Tamino Wecker übernimmt indes ebenfalls eine für die Handlung nicht unbedeutende Rolle. Insgesamt ein ordentliches bayerisches Spekatel also, wenn auch ein recht finsteres.

Die Dreharbeiten zum 121 Minuten langen Film fanden im September und Oktober 2022 in den Museumsdörfern Freilichtmuseum Glentleiten, Finsterau (Mauth) sowie im Bayerischen Wald statt.

Hundswut – Sa. 26.10. – BR: 22.00 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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