"Tatort: Frei wie ein Adler": Kritik zum ARD-Krimi mit Carol Schuler
Sophia Cancellara (Jeanne Devos) ist tot. Die Betreiberin einer Reinigung in Zürich liegt erschlagen in ihrer ausgebrannten Wohnung. Mit diesem Szenario beginnt für die Zürcher Ermittlerinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) im neuen Schweiz-"Tatort: Frei wie ein Adler" (Regie: Christian Theede, Buch: Jürgen Werner) ein moralisch und emotional aufwühlender Fall.
Bereits einige Stunden vor ihrem Tod wurde Sophia Cancellara Opfer eines tätlichen Angriffs: Ihr Angestellter Jacob Göldi (Benjamin Raue) hatte in der Reinigung randaliert und Sophia dabei verletzt. Der junge Mann lebt mit Trisomie 21. Seine Arbeitgeberin und deren Tochter Nadja (Stella Alraun) betrachtet er als eine Art zweite Familie. Dass die beiden ihn nun verlassen wollen, konnte er einfach nicht verstehen. Doch wäre er auch zu einem Mord fähig?
Ermittlungen im Rockerclub
Die Kommissarin Isabelle Grandjean hat da so ihre Zweifel, gibt es doch noch einen zweiten Verdächtigen, der eher in ein klassisches Täterprofil passt: Simon Bärfuss (Ronald Zehrfeld) ist der Ex-Mann der Toten und ein ehemaliger Rocker-Boss. Die letzten acht Jahre saß er wegen des Besitzes von zwei Kilogramm Kokain im Gefängnis. Am Tag, an dem Sophia starb, wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. Könnte er Sophia ermordet haben, aus Rache für den geplanten, heimlichen Wegzug? Oder steckt am Ende ein Mithäftling dahinter, der Simon eine Lektion erteilen wollte? Das vermutet der derzeitige Rocker-Boss Marco Reinhardt (Roeland Wiesnekker).
Die Kommissarinnen ermitteln in Jacobs inklusiver Wohngemeinschaft, für den Rockerclub erhalten sie Unterstützung von ihrem Berner Undercover-Kollegen Niklas Fehling (Dimitri Stapfer). Dabei wirft der Film immer wieder Fragen und Thematiken auf, die das Fernsehpublikum im besten Fall selbst sensibilisieren: "Wie war's mit diesem Göldi?", fragt Tessa Ott ihre Kollegin etwa nach deren erster Befragung: "Schwer zu sagen. Er leidet unter dem Down-Syndrom", antwortet diese. "Hat er das gesagt, dass er darunter leidet?"
Ein "Tatort", der berührt
Auch die Frage, ob der mutmaßliche Täter Jacob Göldi aufgrund des Down-Syndroms auch anders behandelt werden sollte als andere mutmaßliche Täter, wird im Film angerissen. Während der Dreharbeiten stellte sich Hauptdarstellerin Anna Pieri-Zuercher diese Frage nach eigener Angabe nicht: "Was ich an Jacob interessant finde, ist gerade, dass er uns dazu bringt, eine zu vereinfachte Vorstellung von Verletzlichkeit zu hinterfragen", beschreibt die 47-Jährige im Senderinterview: "Dass er das Down-Syndrom hat, bedeutet nicht, dass er einfach nur jemand ist, den man beschützen muss. Er ist auch ein Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit, seinen Gefühlen, seinen Entscheidungen und seiner eigenen Verantwortung. Dass er eines schweren Verbrechens verdächtigt wird, stellt zwangsläufig einige Vorurteile infrage, die wir gegenüber Menschen haben können, die wir spontan als besonders verletzlich wahrnehmen."
So ist "Tatort: Frei wie ein Adler" in erster Linie ein berührender Film, der Vorurteile aufzeigt, nachdenklich stimmt und gegen Ende dann doch noch mit zahlreichen unerwarteten Wendungen überrascht. In der ARD Mediathek steht der Film bereits ab Freitag, 6. November, zum Abruf bereit.
Ein 13. Zürich-"Tatort", der in der True-Crime-Szene spielen soll, ist bereits in Arbeit. Er wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2027 im Ersten zu sehen sein.
Tatort: Frei wie ein Adler – So. 08.11. – ARD: 20.15 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH