Kommissar von Meuffels will eigentlich nur helfen – und schliddert unversehens in eine Katastrophe.

In manchen Momenten im Leben ist es, als würde die Zeit rückwärts laufen. So auch für Hanns von Meuffels (Matthias Brandt), in diesem Pflegeheim in München. Da stürmt gerade ein Sondereinsatzkommando die Flure, ein Toter liegt auf dem Boden, blutüberströmt, und von Meuffels schaut nach einer älteren Dame. Alles rückwärts. Alles in Zeitlupe.

Neun Stunden zuvor ist all das noch Erzählung. Da lobt von Meuffels gerade einen Kollegen für ein gutes Verhör, als die verwirrt wirkende Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz) im Kommissariat auftaucht und etwas von einem Toten und viel Blut erzählt. Und der Kommissar: bietet der älteren Dame seinen Arm an und verspricht ihr, das Rätsel dieses Toten zu lösen. "Männer wie Sie gibt es nicht mehr viele, Herr Kommissar", sagt sie dankbar, auch wenn sie kurze Zeit später hinzufügen muss: "Also, für einen Kommissar sind sie ziemlich schwer von Begriff, mein Lieber." Doch dieses Rätsel, es hört sich auch erst einmal ziemlich verworren an. Kein Wunder, leidet Elisabeth Strauß doch an vaskulärer Demenz, wie ihre Tochter Hannah (Therese Hämer) von Meuffels kurze Zeit später erklärt, als der sie zu Hause abliefert. Ein Glas Wein bietet sie dem Ermittler an, sie wolle einfach auch mal alles vergessen können, sagt sie. Doch "Sorgen können schwimmen", entgegnet der und lehnt dankend ab. So ganz überzeugt scheint er noch nicht, das alles in Ordnung ist. Also begleitet er die Frau selbst in das Heim, in dem sie seit einiger Zeit lebt, um nach dem Rechten zu sehen.

Dort angekommen aber ist von einem Toten nichts zu sehen. Dafür begegnet von Meuffels den völlig überforderten Pflegern Tscharlie Meier (Florian Karlheim), Marija Abramovich (Marina Galic) und Sebastian Kroll (Philipp Moog). Und: vielen betreuungsintensiven Patienten. Claus Grübner etwa, gespielt von Theaterschauspieler und Erzähler Ernst Jacobi ("Das weiße Band", "Am Abend aller Tage"). Und tatsächlich ist am Tag zuvor der Bewohner Karl Urban verstorben. War es doch Mord? Oder ein tragischer, aber alltäglicher Unfall? Von Meuffels beginnt zu ermitteln, womit das Unheil seinen Lauf nimmt.

Ein Krimi mit Nachhall

Bis auf wenige Szenen ist "Nachtdienst" wie ein Kammerspiel inszeniert, beinahe alles findet in den eintönigen Räumen dieses Pflegeheims statt, Licht gibt es kaum, dafür eine Menge Tristesse und Leben auf dem Abstellgleis. Diese Stimmung überträgt sich schnell auf den Zuschauer, unterstützt von der Musik von Richard Ruzicka und der Kamera von Klaus Eichhammer. Immer die Frage vorausschickend, was denn da am Ende nun eigentlich passieren wird, warum das Sondereinsatzkommando in diesem Pflegeheim anrücken muss, gelingt Regisseur Rainer Kaufmann mit seinem ersten Münchener Polizeiruf ein beklemmender Krimi voller düsterer Momente und unheilvoller Ereignisse. Und: ein Krimi voller subtiler Einfälle, wie dem, von Meuffels in diesem erschütternden Pflegeheim sich selbst begegnen zu lassen, wenn auch nur im Traum. "Du Arschloch", sagt der Kommissar da zu sich selbst. Dabei meint er es doch nur gut, die ganze Zeit.

Doch gut wird in diesem "Nachtdienst" nichts mehr, stattdessen stehen am Ende Eskalation und Trauer, Wut und Verzweiflung. Was zudem bleibt, ist das eindrückliche Spiel der Darsteller – die diese ganze Bedrücktheit, die Schwermut dieses Lebens im Pflegeheim, vergessen vom Rest der Gesellschaft, die Perspektiv- und Freudlosigkeit so lebendig werden lassen, wie das in einem solchen Fall nur möglich ist. Ein Krimi mit Nachhall.