Zum zweiten Mal greift Aglaia Szyszkowitz in "Billy Kuckuck – Eine gute Mutter" als Mainzer Gerichtsvollzieherin hilfreich ins Leben gestresster Mitbürger ein. Diesmal holt sie einen Jungen, dessen Mutter mental zurückgeblieben ist, aus dem Jugendheim – und schlägt sich nebenbei mit ihrer Patchworkfamilie herum.

"Mein Name ist Billy Kuckuck. Ich bin Gerichtsvollzieherin!" Gleich zu Beginn hört man wieder dieses Trompetensignal, und auch im Freitagsfilm selbst mit dem programmatischen Titel "Eine gute Mutter" wird der Name Kuckuck erst mal alle zwei Minuten genannt. Der Kalauer, wonach die sympathische Gerichtsvollzieherin so heißt wie die Aufkleber, die sie anzubringen pflegt, wird ins Hirn des Zuschauers eingebrannt. Das ist ein bisschen kindisch und wirkt so, als sei man in einem Schultheaterstück. Aber dann klappt's. Billy (gespielt von Aglaia Szyszkowitz) soll eine Burger-Bude schließen, der Inhaber hat zu Unrecht den Namen einer Burger-Kette verwendet.

"Einfach den Namen ändern!", rät Billy, die Ideenreiche, – und steckt den Kuckuck wieder weg. Zeitgleich wird ihr die Aktentasche von einem Lausebengel gestohlen, der sich nur wenig später als Sohn einer sprachlich gehandicapten Mutter erweist: Louisa Fitz (Nina Gummich) sieht die Welt mit Kinderaugen. Wie man einen Kochherd anschließt, ist ihr beispielsweise ein Rätsel, die Rechnung für denm Herd ist auch nach einem halben Jahr noch immer nicht bezahlt.

Dass aber Sohn Marcel (Finnlay Berger), ein überaus aufgewecktes Bürschchen, nicht zur Schule geht, stinkt dem Jugendamtsleiter Patrick Semmel (Christian Hockenbrink). Nicht wissend oder gar bedenkend, dass Marcel immer nur für das Überleben im gemeinsamen Haushalt sorgt, will er das Kind der Mutter entreißen und einer Amts-WG übergeben. Klar, dass sich Marcel da auf die Ausreiß-Socken macht.

Billy Kuckuck, der gute Mensch von Mainz, kämpft fortan wie eine Löwin gegen Marcels Heimaufenthalt. Aglaia Szyszkowitz macht das allerdings ohne Pathos und mit einem steten Lächeln auf den Lippen. Damit es aber nicht allzu didaktisch oder gar moralinsäuerlich wird, hat Billy zugleich mit ihrer Restfamilie zu "kämpfen". Von ihrem Exmann, einem, nun ja, Polizisten, kommt sie nicht wirklich los, obwohl sie längst einen sehr viel jüngeren Verehrer hat. Und dann ist da ja auch noch Ursela Monn, die Mutter, die – als sie besagten Herd anschließen will – vom Stromschlag getroffen wird und dann ebenso rührend wie Mutter Louisa redet.

Mitunter begräbt der Patchwork-Stoff den schönen Lebenshilfe-Plot beinahe unter sich. Doch wie Billy dann Marcels geplagte Mutter für den anstehenden Prozess vor dem Familienrichter brieft, ist spannend und schön. Billy schreibt für Louisa auf deren Bitten hin ins Notizbuch, was ein Kind so braucht: Schule, Freunde, Hobby, Zähneputzen, wenig TV. Aber auch Louisa hat was aufgeschrieben: "Kint liep haben", steht auf ihrem schüchtern vorgezeigten Zettel. Das kann, das muss jeden Familienrichter und auch jeden Zuschauer überzeugen!


Quelle: teleschau – der Mediendienst