Ricardo wurde in Bolivien geboren, aber wegen seiner Abstammung hat er drei Staatsbürgerschaften und fühlt sich zwei Religionen verpflichtet. Zurückblickend auf sein bisher überaus bewegtes Leben sagt er: "Ich war weder Bolivianer, noch Jude, noch Ungar, noch sonst was. Ich war Kommunist wie mein Vater." Seine Kindheit in den 60er und 70er Jahren steht im Zeichen der großen revolutionären Bewegungen Südamerikas. Mit kindlicher Gläubigkeit verehrt er Che Guevara und Salvador Allende. Als diese scheitern, muss er mit seiner Familie fliehen und landet schließlich im faden Einerlei des ungarischen Realsozialismus. Die ungarischen Genossen entdecken seine vielfältige Begabung und schicken ihn auf die Sowjetische KGB-Akademie. Als Osteuropa 1989 dem Sowjetsystem den Rücken kehrt, meint Ricardo, sei nun endgültig verloren, wofür er bisher gelebt hat. Doch dann wird er von einer spanischen Zeitung mitten in die Wirren des beginnenden Balkankriegs geschickt...

Mit fiktionalen und dokumentarischen Mitteln erzählt der Film die Geschichte einer Geisterfahrt durch die Schlachtfelder des Zeitgeistes von Che Guevaras Niedergang bis Milosevics Überfall auf Vukovar. Die politische Ironie der letzten 30 Jahre, das Ende des Kommunismus und den Aufstieg des Nationalismus: All das zeigt der Film auf komplexe und doch unterhaltende Weise. Die ungarische Autorin und Regisseurin Ibolya Fekete charakterisiert ihren Film selbst so: "Ein ideologischer Abenteuerfilm. In ihm vermischen sich Elemente der Erfindung und der Wirklichkeit. Geschichte und Darsteller sind also mit nichts und niemandem identisch - außer damit, was ich mir vorgestellt habe." "Chico" erhielt im letzten Jahr den Preis für die beste Regie sowie den Preis der ökumenischen Jury beim Filmfestival in Karlsbad sowie bei der Berlinale den Templeton European Film Award. Außerdem wurde er bei der ungarischen Filmschau zum besten ungarischen Film des Jahres 2001 gewählt.